Titel: Ueber die Herstellung von Leuchtgas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253 (S. 202–203)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/ar253069

Ueber die Herstellung von Leuchtgas.

(Patentklasse 26. Fortsetzung des Berichtes Bd. 248 S. 25.)

Mit Abbildungen auf Tafel 16, 19 u. ff.

A. Klönne in Dortmund (* D. R. P. Nr. 25157 vom 20. April 1882) legt bei seiner Regenerativfeuerung für Retortenöfen, welche sich auch da ausführen läſst, wo das Grundwasser bis zur Retortenhausflur auftritt, den Generator G (Fig. 1 bis 4 Taf. 16) in den Ofen und trennt ihn durch das Gewölbe z von den Retorten und ihrem Einbaue. Die im Generator erzeugten Gase entweichen durch die Oeffnungen o und p. Bei der Oeffnung o treten dieselben mit der in der Regeneration auf Kosten der abziehenden Gase vorgewärmten Luft in Berührung und verbrennen. Die Gase ziehen nach vorn zur Oeffnung x, biegen hier nach hinten zum Rauchkanale e, wo sie die untere Seite der untersten Retorte bestreichen, dann ihren Weg durch die Regeneration r nehmen, um durch den Kamin zu entweichen. Die zum Verbrennen der Gase erforderliche Luft tritt bei n ein, bewegt sich in Schlangenwindungen durch die Regeneration und vermischt sich vorgewärmt, wie gesagt, bei o mit den Generatorgasen.

Die Regulirung der Kohlenoxydgasbildung wird durch die verschlieſsbare Schlackenthür bei s und durch die Kaminklappe k bewerkstelligt.

Um die Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit von Retortenöfen zu vergröſsern, verwendet A. Klönne (* D. R. P. Nr. 26906 vom 18. Juli 1882) wie aus Fig. 7 und 8 Taf. 16 ersichtlich ist, eine Plattenlage aus feuerfestem Materiale, welche, oberhalb der Retorten gelagert, theils Wärmeverluste durch Ausstrahlung vermeiden, theils die Gewölbe vor der schädlichen Einwirkung der Stichflammen schützen und deshalb haltbarer machen soll (vgl. Fig. 5 und 6 bezieh. 9 und 10.) Die Cannelirung der Stützpfeiler p an der Berührungsfläche mit den Retorten gestattet, daſs man, ohne die Heizfläche zu verringern, eine gröſsere Anzahl Pfeiler verwenden kann, welche auſserdem noch, da sie geringere Arbeitsfläche besitzen, den Retorten leichter angepaſst werden können. Die Wände w theilen den Ofenraum in Kammern a und b und bewirken, daſs die Heizgase bei a gerade aufwärts steigen, bei b lothrecht abwärts fallen und sämmtliche Retorten gleichmäſsig heizen. Um zu verhindern, daſs unterhalb der Retorten die Gase zur Ruhe kommen, sind die Wände w mit einer kleinen Oeffnung e versehen, durch welche ein Theil der Heizgase hindurchgeht und die Heizung auch dieses Theiles der Retorte gestattet. Bei der untersten Retorte ist das Lager aus Läufern und Bindern gebildet und sind die ersteren ebenfalls mit solchen Oeffnungen e |203| versehen. Im Raume b wird die bessere Heizung der unteren Seite der untersten Retorten durch Anordnung von Platten d (Fig. 9) bewirkt, welche mit Schlitzen z versehen sind, damit die Heizgase gezwungen werden, sich in der Richtung des Pfeiles zu bewegen und sich so der Retorte anzuschmiegen. Auch wird durch diese Plattenreihe der Ofeneinbau von der Regeneration getrennt.

Zur leichteren und festeren Lagerung der Retorten ruhen die Stützpfeiler auf Keilen n (Fig. 7 und 8), durch deren Hin- und Herschieben sich die Retortenlager leicht ausrichten lassen. Um das Heizen der Retorte von oben und dadurch ein Zersetzen des Leuchtgases in derselben zu vermeiden, wird die Retorte auf der oberen Hälfte mit feuerfesten Platten o bedeckt, welche mit Isolirlöchern x versehen sein können.

Der Gasgeneratorofen von W. Bäcker in Budweis besteht aus einem einfachen, unten eingezogenen Schachte G (Fig. 13 und 14 Taf. 16), damit die Luft nicht an den Wänden den Feuerraum durchzieht. Der Heiſsluftkanal n liegt unmittelbar auf dem Scheitel des Generatorgewölbes und münden hier die Austrittsöffnungen für das Gas und die von n kommende Luft gemeinschaftlich so aus, daſs eine innige Mischung stattfinden muſs.

B. P. Walker und J. A. B. Bennett in Birmingham (* D. R. P. Nr. 26293 vom 20. Juli 1883) wollen die Handarbeit bei der Herstellung von Leuchtgas dadurch vermindern, daſs die Kohle mittels einer Schraube durch die Retorte B (Fig. 11 und 12 Taf. 16) hindurchgedrückt wird, welche in dem mit Feuerzügen Q versehenen Ofen A liegt. Ueber der vorderen Oeffnung der Retorte ist ein Trichter C mit Hebel und Schraube O zur Befestigung des Trichterdeckels angebracht, durch welchen die Kohle in die Retorte eingeführt wird. Der Trichter enthält eine Zuführungsschraube R, welche durch das auf der Welle F sitzende Schraubenrad H und die auf dem Ständer M gelagerten Schraube s angetrieben wird. Ueber der hinteren oberen Oeffnung der Retorte ist ein Rohr L aufgesetzt, welches zur Ueberführung der Gase nach der Vorlage dient, während die untere Oeffnung in einen groſsen, durch eine Thür K luftdicht verschlossenen Behälter J zur Aufnahme der Kokes mündet. Durch die ganze Länge der Retorte B und noch über die mit Asbest abgedichteten Stopfbüchse G vorstehend ist eine Hohlwelle F aus Guſseisen oder Schmiedeisen angeordnet, welche innerhalb der Retorte eine Schraube D trägt. Diese Schraube kann aus Chamotte oder Asbest oder aus einer Mischung beider bestehen, damit eine sich etwa auf derselben bildende Kohlenstoffablagerung schnell entfernt werden kann, und behufs Verstärkung eine Eisenspindel erhalten. Das hintere Ende der Hohlwelle steht mit einem Rohre in Verbindung, durch welches die durchstreichende heiſse Luft nach dem Ofen geleitet wird; hierdurch wird derselbe mit erhitzter Luft gespeist, während die Hohlwelle immer kühl gehalten und so gegen Zerstörung geschützt wird.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: