Titel: Westinghouse's bez. Willans' elektrischer Regulator.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253 (S. 444–446)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/ar253148

Westinghouse's bezieh. Willans' elektrischer Regulator.

Mit Abbildungen auf Tafel 34.

Die beiden in Fig. 7 bis 9 Taf. 31 abgebildeten Regulatoren sind für Dampfmotoren bestimmt, welche zum Betriebe von elektro-dynamischen Maschinen dienen, und haben den Zweck, den Gang der Dampfmotoren und dadurch auch den der Dynamomaschinen so zu regeln, daſs die Stromstärke möglichst constant bleibt. Bei beiden ist zu diesem Zwecke wie von P. Allen (vgl. * S. 394 d. Bd.) ein Solenoid benutzt, welches in den Hauptstromkreis oder in einen Nebenkreis eingeschaltet ist und dessen Kern indirekt, unter Zuhilfenahme von Wasserdruck, auf ein in der Dampfleitung befindliches Drosselventil wirkt.

Fig. 7 und 8 zeigen nach Engineering, 1884 Bd. 37 S. 535 den Regulator von G. Westinghouse jun. in London. Der Kern B des Solenoids wird von einer Feder b, deren Spannung durch Schraube und Mutter geregelt werden kann, getragen, und ist mit einer Stange B1 verbunden, deren unteres Ende einen Kolbenschieber V bildet (vgl. Fig. 7). Die in Fig. 8 angegebene höchste Stellung des Kernes und des Schiebers entspricht der Stromstärke Null. Je gröſser dieselbe wird, um so mehr wird der Kern B in das Solenoid hineingezogen und bei einer bestimmten Stromstärke läſst der Kolbenschieber V das bei C eintretende Druckwasser durch d1 hinter den Kolben D2 treten, so daſs dieser vorgeschoben und dadurch das mit seiner Kolbenstange verbundene Drosselventil mehr und mehr geschlossen wird. Dabei wird eine vor dem Kolben befindliche Feder d zusammengepreſst. Durch die in Folge der Dampfdrosselung eintretende Abnahme der Geschwindigkeit der Maschine erleidet auch die Stromstärke eine Verminderung, der Kern B wird durch die Feder b wieder gehoben, der Kanal d1 von C abgesperrt und mit dem Abfluſsröhre |445| d3 in Verbindung gebracht, worauf der Kolben D2 durch die Feder d wieder zurückgedrängt, das Drosselventil mehr geöffnet wird u.s.w. Der Hub des Kernes wird nach unten durch die Scheibe b1 begrenzt. Das etwa neben dem Kolben D2 durchsickernde Wasser gelangt durch den Kanal d2 in das Ausströmrohr d3 und das nach oben in den Hohlraum des Solenoids durchdringende Wasser kommt durch eine neben B1 befindliche Bohrung zum Abflüsse nach d3.

Wesentlich ist bei der Wirkungsweise dieses Apparates, daſs die Bewegung des Kolbens D2 hinreichend langsam geschehe, damit die Schwankungen in engen Grenzen bleiben. Hiernach ist hauptsächlich die Weite des Kanales d1 zu bestimmen.

Vollkommener ist der in Fig. 9 Taf. 31 nach dem Engineer, 1884 Bd. 57 S. 450 dargestellte Regulator von P. W. Willans in Thames-Ditton, Surrey. Absperrventil, Wasserdruckcylinder und Solenoid liegen in einer Linie über einander. Die mit dem Druckkolben P1 ein Stück bildende hohle Kolbenstange N N1 geht nach oben wie nach unten durch eine Stopfbüchse, ist unten mit der Spindel des Drosselventiles verbunden und dient zugleich als Cylinder für den Steuerkolben P, welcher wie bei der vorigen Anordnung direkt an den Kern B des Solenoids angehängt ist. Das Druckwasser tritt bei S ein, gelangt zunächst in die ringförmige Aussparung des Kolbens P1 und von hier durch eine (punktirt angegebene) Bohrung in die am Umfange des Steuerkolbens P ausgesparte Höhlung. Nimmt nun z.B. die Stromstärke zu, so wird B in das Solenoid A hineingezogen, der Steuerkolben also gesenkt. In Folge dessen dringt Druckwasser unten in den Kanal K ein, welcher über den Kolben P1 führt, während gleichzeitig das etwa unter dem Kolben befindliche Wasser durch den Kanal K1 in den Hohlraum von NN1 entweichen kann. Der Kolben P1 wird sich daher senken, hierdurch aber, sobald P eine feste Lage angenommen hat, die Kanäle K, K1 wieder absperren. Der entgegengesetzte Vorgang findet statt, wenn der elektrische Strom schwächer wird. Der Kolben P1 wird also stets dem Steuerkolben folgen oder besser sich gleichmäſsig und nahezu gleichzeitig mit demselben bewegen. Die Einrichtung entspricht also dem jetzt vielfach angewendeten, unter dem Namen „mechanisches Relais“ bekannten Mechanismus, welchem Reuleaux den Namen „Selbsthemmung“ gegeben hat (mit Rücksicht darauf, daſs das selbstthätige Hemmen der Bewegung das Wesentliche an der Sache ist).

Dieser Regulator hat schon vielfache Anwendung gefunden und soll so gut wirken, daſs die Schwankungen der Stromstärke in der Regel nur 1 Proc. höchstens bis zu 3 Proc. ausmachen. Bei der Anlage für elektrische Beleuchtung in Victoria wurde der Apparat von R. E. Crompton in einer etwas veränderten Form benutzt. Bei derselben liegen der obere Theil des Solenoidkernes, der Steuercylinder und der Wasserdruckcylinder neben einander. An die Kolbenstange des letzteren ist das eine |446| Ende eines wagerechten Hebels angehängt, auf dessen anderes Ende der Kern wirkt, während in einem mittleren Punkte die Stange des Steuerkolbens angreift. Die Wirkungsweise ist genau dieselbe, wie oben beschrieben.

Statt den Druckkolben auf ein Drosselventil wirken zu lassen, kann man natürlich beide besprochenen Regulatoren auch in der Weise anwenden, daſs durch dieselben die Steuerung der Dampfmaschine in passender Weise behufs Aenderung des Füllungsgrades verstellt wird.

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