Titel: Ueber Elektrolyse mit Wechselströmen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 6 (S. 46–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi01_6

Ueber Elektrolyse mit Wechselströmen.

Nach umfassenden Versuchen von E. Drechsel (Journal für praktische Chemie, 1884 Bd. 29 S. 229) finden unter dem Einflüsse von abwechselnder Oxydation und Reduction, bewirkt durch Elektrolyse mit Wechselströmen, sowohl synthetische, als auch analytische Prozesse statt. Erstere führen zu der Bildung von γ-Diphenol- und gepaarten Schwefelsäuren, insbesondere Phenolätherschwefelsäure, letztere dagegen zur Entstehung einer ganzen Reihe verschiedener Säuren. Die Bildung des γ-Diphenols läſst sich durch folgende Gleichung ausdrücken: 2C6H5.OH + O = HO.C6H4.C6H4.OH + H2O. Die Phenolätherschwefelsäure entsteht dagegen durch Oxydation mit nachfolgender Reduction.

Bei der Bildung Schwefelsäure nicht enthaltender Producte wird das Phenol zunächst zu Hydrochinon und Brenzcatechin (Resorcin konnte nicht aufgefunden werden) oxydirt, von denen das erstere anscheinend kaum weiter verändert wird (ein kleiner Theil geht vielleicht in Chinon über), während das letztere durch Aufnahme von Wasserstoff und Sauerstoff in Säuren der Ameisensäure- und der Oxalsäurereihe übergeht. Hierauf deutet wenigstens der Umstand, daſs die Reactionsflüssigkeit zwar viel Hydrochinon, aber nur wenig Brenzcatechin enthält. Die wirklich nachgewiesenen ein- und zweibasischen Säuren bilden eine Reihe mit regelmäſsig abnehmendem Kohlenstoffgehalte; demnach muſs eine stufenweise Verbrennung in der Art stattgefunden haben, daſs immer ein Atom Kohlenstoff aus dem Molekül herausgenommen und zu Kohlensäure verbrannt worden ist, unter gleichzeitiger Bildung der Säure mit dem nächst niederen Kohlenstoffgehalte. Es ist bemerkenswerth, daſs diese Stoffe theils überhaupt noch nicht direkt aus Phenol erhalten sind, theils nur durch kräftige Reagentien bei höherer Temperatur.

Brenzcatechin, Hydrochinon und ähnliche Verbindungen sind ausgezeichnet durch die Schnelligkeit, mit welcher sie sich in alkalischer Lösung unter Sauerstoffabsorption bräunen; in der alkalischen Schmelze dagegen findet diese Zersetzung |47| nicht oder doch nur in geringem Umfange statt, wahrscheinlich in Folge der Anwesenheit von Wasserstoff in statu nascendi. Während die dem Phenole noch am nächsten stehenden Oxydationsproducte (die isomeren C6H6O2 und C6H6O3) farblos erscheinen, sind die aus diesen entstehenden gefärbt: Chinon z.B. gelb und die Verbindungen desselben mit Phenol, den Di- und Trioxybenzolen gelb- bis braunroth. Da nun durch Einwirkung von Oxydationsmitteln, wie z.B. Chromsäure, sofort solche gefärbte Substanzen aus Phenol gebildet werden (z.B. Phenochinon), so müssen wir hieraus schlieſsen, daſs bei der Elektrolyse mit Wechselströmen oder dem Schmelzen mit Alkalien die Di- und Trioxybenzole nur darum der weiteren Verbrennung theilweise entgehen, weil sie durch den Wasserstoff in statu nascendi geschützt werden; daſs dagegen die reducirenden Substanzen, welche aus anderen Oxydationsmitteln während der Reaction entstehen, wie Chromoxyd aus Chromsäure, Manganoxydul aus Uebermangansäure, wegen ihrer nur geringen reducirenden Wirkung nicht im Stande sind, einen derartigen Schutz auszuüben.

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