Titel: Olte's elektrischer Weichen-Controlapparat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 4 (S. 88–90)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi02_4
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Olte's elektrischer Weichen-Controlapparat.

Bei dem von Gilbert Olte in Apeldoorn in Holland (* D. R. P. Kl. 20 Nr. 24246 vom 9. August 1882) angegebenen elektrischen Controlapparate für die Stellung der Eisenbahn-Weichenzungen bewirkt die zugehörige, gewöhnlich in einem zwischen den beiden Schienen aufzustellenden guſseisernen Kästchen untergebrachte Contactvorrichtung die Stromschlieſsung nur während der Umstellung der Weiche; die Contacttheile werden von beiden Weichenzungen aus bewegt, jedoch unter beständiger Verbindung der Zungen mit den durch sie bewegten Contacttheilen. Mit jeder Weichenzunge ist nämlich eine durch das Kästchen hindurchreichende und in dessen Stirnwänden geführte Eisenstange verbunden und es ist in ein Loch jeder Stange innerhalb des Kastens ein gegen die Stange isolirter Contactknopf eingesetzt, welcher bei jeder Umstellung der Weiche auf einer isolirten Metallgleitschiene hin- oder herbewegt wird. Jede Gleitschiene besteht aber aus einem längeren und einem kürzeren Theile. Die beiden kürzeren Theile a1 und a2 der Gleitschienen sind isolirt und liegen, wie nebenbei dargestellt, von den längeren Theilen b1 und b2 aus nach entgegengesetzten Seiten, jeder also gegenüber dem einen Ende des zur anderen Schiene gehörigen längeren Theiles.

Textabbildung Bd. 253, S. 89

Von den längeren Theilen ist der eine mit der Erde, der andere mit der nach dem Signalkästchen führenden Leitung verbunden; die Signalleitung ist daher geschlossen, wenn und so lange die beiden unter sich durch einen übersponnenen Draht verbundenen Contactknöpfe gleichzeitig mit den beiden längeren Theilen der Gleitschienen in Berührung sind, gegen welche sie durch Spiralfedern gedrückt werden. Während dagegen die Weiche sich in einer ihrer beiden Stellungen befindet, ruht der eine oder der andere Contactknopf auf dem kurzen Theile der einen oder der anderen Schiene und die Leitung ist unterbrochen. Bei jeder Umstellung bewegen sich eine Zeit lang die Contactknöpfe beide zugleich auf den längeren Theilen b1 und b2 ihrer Gleitschienen und nur während dieser Zeit ist Strom in der Leitung; denn am Ende der Bewegung kommt der andere Contact auf den kürzeren Theil seiner Gleitschiene und die Leitung ist wieder stromlos.

Das zur Controlirung der Weichenstellung bestimmte Signalkästchen kann für eine gröſsere Anzahl von (zusammengehörigen) Weichen zugleich dienen und hat dann für jede Weiche ein kleineres und über diesem ein gröſseres Fenster, innerhalb des Kästchens aber einen aufrecht stehenden Elektromagnet. Der zweiarmige Ankerhebel trägt auf dem zweiten kürzeren Arme zur Ausgleichung ein verstellbares Gegengewicht und wird von dem Elektromagnete, wenn ein Strom denselben durchläuft, um seine wagerechte Achse so gedreht, daſs ein an seinem Ende sitzendes rothes Täfelchen über ein festliegendes weiſses geschoben, durch das untere Fenster sichtbar wird und ein Läutewerk ertönt, derselbe zugleich aber auch mittels einer Schubstange auf ein 6zähniges Sperrrad wirkt, letzteres um einen Zahn dreht und damit auch einen auf seiner Achse sitzenden Kupfercylinder, dessen Mantelfläche ringsum in 6 Felder abwechselnd von rother und von weiſser Farbe getheilt ist. Beim Aufhören des Stromes reiſst das Uebergewicht den Anker wieder ab, das rothe Tafelchen senkt sich wieder und es zeigt sich im unteren Fenster wieder das weiſse Täfelchen.

Während jeder Umstellung wird also das rothe Täfelchen vorübergehend durch das untere Fensterchen sichtbar; bleibt es länger sichtbar, so ist auf eine ungenaue Stellung der Weiche zu schlieſsen. Nach dem Verschwinden des rothen Täfelchens gibt die Farbe des eben durch das obere Fenster sichtbaren Feldes des Cylinders, dessen unbeabsichtigte Drehung eine federnde Sperrklinke verhindert, dauernd Aufschluſs darüber, in welcher Stellung sich die Weiche zur Zeit befindet, sobald man nur weiſs, welche Farbe zur Anfangsstellung der Weiche gehört. Aehnlich wie meist bei den Zeigertelegraphen ist jedoch jedes Zeichen des Prismas von den vorhergegangenen abhängig, also nur richtig, wenn das Prisma vorher bei jeder Umstellung der Weiche richtig um einen Schritt gedreht worden ist und nicht (etwa z.B. durch atmosphärische Strömlingen) einmal um einen Schritt sich gedreht hat, ohne daſs gleichzeitig eine Umstellung der Weiche stattgefunden hat. Deshalb wird eine wiederholte |90| Prüfung der Uebereinstimmung des Prismas mit der Weichenstellung sich empfehlen.

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