Titel: Selbstthätige atmosphärische Aufziehvorrichtung für Uhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 6 (S. 90)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi02_6

Selbstthätige atmosphärische Aufziehvorrichtung für Uhren.

Nachdem schon früher die Längenveränderungen metallener Stäbe in Folge der Temperaturschwankungen für das selbstthätige Aufziehen von Uhren dienstbar gemacht worden sind (vgl. Silberberg 1883 250 * 348), benutzt neuerdings R. v. Loessl in Wien nach der Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architectenvereins, 1884 * S. 121 zu diesem Zwecke die Volumenänderungen einer eingeschlossenen Luftmenge.

Der Aufziehapparat besteht demnach im Wesentlichen aus einem je nach Bedarf gröſseren oder kleineren gasdichten Behälter, in welchem die erforderliche Luftmenge eingeschlossen ist, und einem mit diesem Behälter in Verbindung stehenden, aus einer gröſseren Anzahl gewellter federnder Scheiben blasbalgartig zusammengesetztem Gefäſse, welches durch die Volumenänderungen der Luft seine Gestalt ändert und dessen Bewegung mittels eines entsprechenden Zwischenmechanismus zum Wiederaufziehen des Uhrwerkes verwendet wird, ganz in ähnlicher Weise wie dies bei Silberberg der Fall ist. Selbstverständlich kann das Uhrwerk Feder- oder Gewichtsantrieb haben; es muſs nur so eingerichtet sein, daſs es während des Aufziehens nicht stehen bleibt.

Die Volumenänderungen der eingeschlossenen Luft werden bedingt sowohl durch die Barometerschwankungen, als auch in noch höherem Maſse durch die Temperaturänderungen. Bei einem Zusammentreffen beider Momente könnte nun unter Umständen die eingeschlossene Luft eine verhältniſsmäſsig sehr hohe Spannung annehmen, wodurch nicht nur die Behälterwandungen übermäſsig stark gemacht werden müſsten, sondern auch das bis zur Grenze seiner Bewegung ausgedehnt federnde Gefäſs kleineren Temperaturschwankungen nur im geringeren Maſse Folge leisten würde. Aus diesem Grunde ist die Anordnung eines Druckregulators nothwendig, eines Luftventiles, welches durch den Deckel des federnden Gefäſses bei dessen äuſsersten Stellungen geöffnet wird und einen Ausgleich der Spannungen der eingeschlossenen Luft ermöglicht. Hierdurch wird nicht nur das Eintreten einer zu groſsen Formänderung des federnden Gefäſses verhindert, sondern auch bewirkt, daſs derselbe Apparat an Orten sehr verschiedenen mittleren Barometerstandes gleich gut arbeitet und bei der Construction auf den Aufstellungsort nicht Bedacht zu nehmen ist.

Auf der internationalen elektrischen Ausstellung zu Wien 1883 war eine solche Uhr vor dem Südthore aufgestellt und blieb auch nach der Ausstellung dort stehen; dieselbe hat während der Dauer von 8 Monaten durchaus keiner Nachhilfe bedurft und wurde insbesondere ihr Betriebsgewicht durch den oben beschriebenen Aufzugsapparat stets auf derselben Höhe erhalten, welche es bei der Ingangsetzung einnahm. Diese sogen, autodynamische Uhr zeigt daher, daſs es recht gut möglich ist, wenn schon das Aufziehen durch Menschenhand erspart werden soll, auch aller anderen Betriebskräfte, welche künstlich erzeugt und herzugeleitet werden müssen, wie z.B. Preſsluft, Druckwasser und Elektricität, zu entbehren. Auch unterliegt es keinem Zweifel, daſs auf dieselbe Weise wie Uhren auch andere Apparate, z.B. Registrirvorrichtungen mannigfaltigster Art, betrieben werden können.

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