Titel: Die Schwefelverbindungen des Natriums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 8 (S. 91)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi02_8

Die Schwefelverbindungen des Natriums.

H. Böttger (Liebig's Annalen, 1884 Bd. 223 S. 335) sättigt zur Herstellung von Natriummonosulfid eine alkoholische Lösung von Natriumhydrat mit Schwefelwasserstoff und setzt dann unter Luftabschluſs die gleiche Menge alkoholische Natronlauge hinzu. Die durch Umkrystallisiren erhaltenen Krystalle werden rasch durch Pressen zwischen Flieſspapier und endlich durch kurzes Stehen über Schwefelsäure getrocknet. Beim längeren Stehen über Schwefelsäure verwittern dieselben, indem sie allmählich bis zu 20 Proc. an Gewicht verlieren.

Um Natriumdisulfid herzustellen, löst man in einer so erhaltenen Lösung von Monosulfid die erforderliche Menge Schwefel auf. Im Wasserbade löst sich der Schwefel bald auf und aus der in der Wärme dunkelbraunen, beim Erkalten heller werdenden Lösung scheiden sich beim Erkalten schwefelgelbe, in strahligen Drusen gruppirte Krystalle aus. Dieselben wurden zuerst durch Pressen zwischen Flieſspapier und dann durch Stehen über Schwefelsäure getrocknet. Sie verwittern über Schwefelsäure nicht; ihre Zusammensetzung entspricht der Formel Na2S2.5H2O.

Natriumtrisulfid, in entsprechender Weise hergestellt, gibt bei – 10° dunkelgoldgelbe Krystalle von Na2S3.3H2O.

Natriumtetrasulfid, ebenfalls durch Lösen von Schwefel in Natriummonosulfid erhalten, krystallisirte bei – 15° in orangerothen Krystallen von Na2S4.8H2O. Die Krystalle verwittern leicht über Schwefelsäure und verlieren schon bei 40° einen Theil des in ihnen enthaltenen Krystallwassers. Im Wasserstoffstrome bei 100° verlieren sie keinen Schwefel; bei höherer Temperatur entweicht aber ein Theil ihres Schwefelgehaltes als Schwefelwasserstoff.

In Natriummonosulfid, bereitet aus 183g einer 8,2 Proc. Natrium enthaltenden alkoholischen Natronlösung wurden die zur Bildung des Pentasulfides erforderlichen 42g Schwefel gelöst. Aus der Lösung schieden sich nach einigen Tagen bei Winterkälte Krystalle von Natriumtetrasulfid ab und erst, nachdem aus der Mutterlauge derselben die Hälfte des Alkoholes durch Abdestilliren entfernt war, wurden bei einer durchschnittlichen Temperatur von – 5° dunkel orangegelbe Krystalle des Pentasulfides erhalten, für welches die Analyse die Zusammensetzung Na2S5.8H2O ergab. Das Natriumpentasulfid verliert bereits bei 100° im Wasserstoffstrome einen Theil seines Schwefels; bei höherer Temperatur tritt vollständige Zersetzung ein, unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff. Es vermag, wie schon Berzelius bemerkt, überschüssigen Schwefel aufzulösen, welcher sich beim Erkalten in kleinen Krystallen wieder ausscheidet.

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