Titel: Herstellung von Maschinentheilen u. dgl. mit harten Arbeitsflächen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 3 (S. 132–133)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi03_3

Herstellung von Maschinentheilen u. dgl. mit harten Arbeitsflächen.

Die bisherige Methode, Zapfen, Bolzen und ähnliche runde Maschinentheile aus Feinkorneisen oder weichem Stahl herzustellen und nach der Fertigbearbeitung durch Einsetzen und direkt darauf folgendes Ablöschen in Wasser oberflächlich hart zu machen, hat zwei wesentliche Nachtheile: einmal wird das Material krystallinisch und es haben daher die Gegenstände nur geringe Festigkeit; dann aber ist auch die Härte nur eine oberflächliche, ungleichmäſsige und nicht der Glashärte auch nur annähend nahekommende. Nach längerem Gebrauche zeigen die so hergestellten Zapfen eine ungleiche Abnutzung und arbeiten sich oval, indem das unterliegende weiche Material bei der geringen Dicke der harten Schicht nachgibt, selbst in den Fällen, wo die gehärtete Oberfläche ein Abschleiſsen verhindert. Treibt man die Temperatur beim Einsetzen so hoch, daſs die Kohlung tiefer eindringt und die Rinde eine höhere Härte annimmt, so werden die Stücke bekanntlich so brüchig, daſs ihre Verwendung für Maschinen höchst bedenklich ist. (Vgl. dagegen Glaser 1884 252 388.)

Textabbildung Bd. 253, S. 132

Um diesen Uebelständen zu begegnen, bringt die Firma A. Mannesmann in Remscheid (* D. R. P. Kl. 49 Nr. 24882 vom 18. Februar 1883) folgendes Verfahren in Vorschlag: In eine Guſsschale (Coquille) wird harter Stahl gegossen und sofort nach dem Guſse ein mehrtheiliger Eisenkern, wie derselbe beistehend im Schnitte abgebildet ist, eingestoſsen, welcher allfälligem äuſseren Drucke nachgeben kann. Dieser Kern zwingt den flüssigen Stahl, in Form einer Röhre in der Guſsschale in die Höhe zu steigen. Sobald sich um den theilbaren Kern eine genügend dicke erstarrte Stahlschicht gebildet hat, wird der Kern herausgezogen, die entstehende Höhlung mit weichem Stahle vollgegossen, sofort ein zweiter kleinerer theilbarer Eisenkern eingestoſsen und nach dem Erstarren des flüssigen Stahles entfernt. Man erhält also auf diese Weise dickwandige Guſsstahlröhren, auſsen hart und innen weich. Durch Umwechselung des Stahles und Eisens oder |133| weichen Stahles können in gleicher Weise äuſserlich weiche und innen harte Röhren hergestellt werden. Sollen Zapfen und Bolzen aus Stahl hergestellt werden, so fällt das Einstecken des zweiten theilbaren Kernes fort, so daſs man in diesem Falle massiven, auſsen harten, innen weichen combinirten Guſsstahl erhält.

Dieser „combinirte Guſsstahl“ hat nun noch den Nachtheil, daſs beim Härten vermöge der verschiedenen Contraction des harten und weichen Materials an der Verbindungsfläche beider sehr bedeutende Spannungen entstehen, welche bei gröſseren Abmessungen leicht ein Losschälen der Verbindungsfläche herbeiführen kann und die Festigkeit und Haltbarkeit der daraus hergestellten Gegenstände entsprechend vermindert. Dieser Nachtheil wird beseitigt und der Stahl zur Fabrikation von Zapfen, Bolzen und Büchsen geeigneter gemacht, indem derselbe längere Zeit der Gelbglühhitze ausgesetzt wird. Dabei findet ein Ausgleich des Kohlenstoffgehaltes der benachbarten Theile statt, so daſs die Uebergänge weniger schroff werden. Die Härtespannung theilt sich dann auf einen gröſseren Querschnitt und wird ein Losschälen der harten Theile dadurch vermieden.

Sollen aus dem so behandelten Stahle Bolzen oder Zapfen gefertigt werden, so sind dieselben zunächst auf gewünschte Gröſse und Form zu schmieden, auf Maſs abzudrehen und durch Abschrecken der rothglühenden Stücke, am besten in Kochsalzlösung, zu härten. Sollen dagegen Büchsen o. dgl. hergestellt werden, so sind die beschriebenen röhrenförmigen Blöcke über einen Dom im Gesenke auszuschmieden, zu bearbeiten und wie oben zu härten. Die so hergestellten Stücke sollen eine vollkommene Glashärte erlangen, so daſs die Feile sie nicht angreift; sie sind deswegen dem Verschleiſse weniger unterworfen, besitzen eine groſse Festigkeit und lassen sich im gehärteten Zustande trotz der einseitigen Glashärte richten.

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