Titel: Verfahren zur Verwerthung Phosphor haltiger Metallschlacken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 7 (S. 135–136)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi03_7

Verfahren zur Verwerthung Phosphor haltiger Metallschlacken.

Das von G. Rocour in Lüttich (vgl. 1883 249 445) angegebene Verfahren hat im Zusatzpatente Nr. 25258 vom 5. April 1883 folgende Abänderung erfahren. Beim reducirenden Schmelzen der Phosphor haltigen Metallschlacke im Schachtofen erhält man einen Lech mit 20 bis 20,5 Proc. Phosphor. Derselbe wird zu feinem Pulver zerkleinert und mit einer bestimmten Menge ebenfalls fein zerkleinerten, wasserfreien, schwefelsauren Natrons gemischt und zwar im Verhältnisse von 3 oder 7 Th. zu 1 Th. des in dem Leche enthaltenen Phosphors. Das Gemisch wird in einem mit möglichst wenig oxydirender Flamme brennenden Ofen auf Rothglut gebracht, in Folge dessen ein groſser Theil des Phosphors unter Wärmeentwickelung in phosphorsaures Natron übergeht, während ein Theil des Eisens und Mangans sich in Phosphate, Schwefelverbindungen und Oxyde umsetzt. Die Masse wird dann aus dem Ofen genommen und mit Wasser behandelt, um durch Krystallisation das phosphorsaure Natron aus der Flüssigkeit zu gewinnen, welches durch spätere Auskrystallisirung nicht ausgeschieden werden kann. Der unlösliche Rückstand wird, wenn derselbe noch eine beträchtliche Menge unlösliches Eisen- und Manganphosphat enthält, getrocknet, fein zerkleinert und im Verhältnisse zu dem darin enthaltenen Eisenphosphate mit einer neuen Menge schwefelsauren Natrons und mit Kohlenpulver gemischt.

Die Mischung gelangt dann im Flammofen bei reducirender Flamme zur Rothglut, wodurch das schwefelsaure Alkali in die Schwefelverbindung übergeht und letztere unter dem Einflüsse sehr hoher Temperatur und unter Umrühren der Masse das Eisen- und Manganphosphat in das Alkaliphosphat und die metallischen Schwefelverbindungen umwandelt.

Die abgekühlte, mit Wasser behandelte Masse ergibt auf diese Weise eine neue Menge löslichen, krystallisirbaren Alkaliphosphates. Der unlösliche Rückstand kann nach der Röstung, durch welche der Schwefel ausgeschieden wird, als an Mangan reiches Eisenerz verwendet werden. Das Alkaliphosphat findet Verwendung bei der Herstellung künstlichen Düngers. Es kann auch die Auslaugung der Masse zwischen den beiden hinter einander folgenden Behandlungen im Flammofen unterbleiben, so daſs nur eine Auslaugung stattfindet, die auf einmal das Alkaliphosphat ergibt.

Diese Behandlungsweise soll eine schnellere und hinsichtlich der Herstellungskosten eine billigere sein; die Reactionen sind jedoch nicht so vollkommen und verliert man dabei eine gröſsere Menge nicht in Alkaliphosphat umgewandelten Phosphors.

An Stelle des schwefelsauren Alkalis kann man auch Soda oder Potasche verwenden, oder die salpetersauren Verbindungen derselben Basen; die Sulfate sollen jedoch mit mehr Vortheil angewendet werden.

Der Phosphorlech kann auch folgendermaſsen behandelt werden. Nach Maſsgabe seiner Herstellung im Kupol- oder Hochofen oder nach seiner Umschmelzung im Kupolofen verbläst man ihn in einer Bessemerbirne mit basischem Futter unter Zusatz von 2 oder 4 Th. Dolomit oder Kalk auf 1 Th. in dem Leche enthaltenen Phosphor. Um das Schmelzen der sich bildenden Phosphorsäure haltigen Metallschlacke zu befördern, kann man etwas Alkali zusetzen; nur muſs man dabei Sorge tragen, den Kalk nach und nach und zwar nach Maſsgabe der Verbrennung des Phosphors zuzufügen, welcher die nöthige Hitze zu seiner Umsetzung in Phosphorsäure haltige Metallschlacke liefert. Es ist |136| vorzuziehen, den Kalk vorher zu erhitzen. Vor dem vollständigen Entphosphoren des metallischen Bades gieſst man die Phosphorsäure haltige Metallschlacke ab und setzt nun aufs Neue Kalk zu, um das vollständige Entphosphoren des Metallbades nach dem basischen Verfahren zu erzielen. Man erhält eine Phosphorsäure haltige Metallschlacke, welche verhältniſsmäſsig nur wenig Eisen oder Mangan enthält, aber ein um so gröſseres Verhältniſs an Phosphorsaure, als der Zusatz an Kalk gering und die Temperatur sehr hoch gewesen ist. Diese Schlacke soll zerkleinert direkt als Düngemittel, oder nach Behandlung mit Säuren als Superphosphat verwendet werden.

Das zweite angegebene Verfahren der Behandlung des Phosphorlechs liefert den Phosphor in Form eines Handelsartikels von geringerem Werth, als der aus der Behandlung mit schwefelsauren Alkalien hervorgehende. Unter gewissen Umständen kann jedoch der Werth des Metalles im Leche, das in derselben Hitze in Stahl umgewandelt wird, diesen Werthunterschied angeblich ausgleichen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: