Titel: Zur Untersuchung der Benzoësäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 10 (S. 176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi04_10

Zur Untersuchung der Benzoësäure.

Da es nur eine einzige Benzoesäure gibt, so ist bei reiner Benzoesäure ein Nachweis ihres Ursprunges unmöglich. Das Verhalten der sublimirten Harzbenzoesäure gegen übermangansaures Kalium (vgl. 1883 247 143) hat nur einen sehr beschränkten Werth, da es leicht ist, einer Benzoesäure beliebigen Ursprunges durch Zusatz passend gewählter Stoffe genau die gewünschte reducirende Wirkung zu ertheilen, um sie für Harzbenzoesäure ausgeben zu können.

O. Jacobsen (Archiv der Pharmacie, 1884 Bd. 222 S. 366) hat nun, da die arzeneiliche Wirksamkeit der officinellen Benzoesäure nicht ihrem Hauptbestandtheile, der reinen Benzoësäure, sondern nur den Beimengungen derselben zuzuschreiben ist, das bei der Behandlung der aus Siambenzoë sublimirten Benzoësäure mit Sodalösung zur Gewinnung von Natriumbenzoat abgeschiedene Brenzöl untersucht. Dasselbe bildete ein dunkelbraunes, dem Perubalsam ähnliches, aber etwas dünnflüssigeres, in Wasser untersinkendes Oel von dem angenehmen, zugleich vanille- und phenolartigen Gerüche, welcher der empyreumatischen Harzbenzoësäure eigen ist. Die specielle Untersuchung ergab folgende Bestandtheile: Benzoësäure-Methylester, Benzoësäure-Benzylester oder Peruvin, Vanillin, Guajacol oder Methylbrenzcatechin, Brenzcatechin, Acetylguajacol, Benzoylguajacol und Benzophenon; Zimmtsäure-Abkömmlinge waren nicht nachzuweisen.

Mit Bezug auf die arzeneiliche Wirksamkeit der mit jenen Substanzen imprägnirten Harzbenzoësäure wird man wohl dem Brenzcatechin und dem Guajacol die gröſste Bedeutung beizulegen geneigt sein. Von allen genannten Substanzen ist zweifellos auſser dem Vanillin nur der Benzoësäure-Benzylester schon fertig in der Benzoë vorhanden; die übrigen verdanken den beim Erhitzen der Benzoësäure stattfindenden Zersetzungen ihren Ursprung. Guajacol und Brenzcatechin werden, wenigstens zum Theile, als Zersetzungsproducte des Vanillins zu betrachten sein. Die Hauptmenge des in Wasser leicht löslichen Brenzcatechins geht natürlich nicht in das Brenzöl, sondern in das Natrium benzoicum über.

Das Vorkommen des Benzoësäure-Benzylesters in der Harzbenzoësäure ist in so fern bemerkenswerth, als bei seiner Oxydation durch Chromsäure oder übermangansaures Kalium Benzaldehyd entstehen kann. Der Bittermandelölgeruch liefert also keinen absolut sicheren Beweis für eine Verunreinigung der officinellen Benzoesäure mit Zimmtsäure. Brenzcatechin ertheilt der Harzbenzoesäure die Fähigkeit, ammoniakalische Silberlösung zu reduciren; der Gehalt an derselben ist aber meist so gering, daſs bei der ohnehin bräunlichen Farbe der ammoniakalischen Lösung die Silberreduction nicht deutlich erkannt wird. Stets läſst sich das Brenzcatechin nachweisen, indem man aus der Benzoesäure das Natronsalz darstellt, dieses trockne Salz mit Aether behandelt und den ätherischen Auszug verdunsten läſst. Die wässerige Lösung des Verdunstungsrückstandes reducirt schon in der Kälte sofort die ammoniakalische Silberlösung und zeigt auch die übrigen charakteristischen Reactionen des Brenzcatechins.

Dieses Verfahren ist etwas umständlich und verlangt die Anwendung einer verhältniſsmäſsig groſsen Menge Benzoesäure; sonst bezeichnet Jacobsen dasselbe für jetzt, d.h. so lange kein Fabrikant seine Benzoesäure mit Brenzcatechin versetzt, als die beste Methode zur Unterscheidung der sublimirten Harzbenzoësäure von anderer Benzoësäure.

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