Titel: Ueber die Zersetzung Stickstoff haltiger Düngemittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 7 (S. 174–175)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi04_7
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Ueber die Zersetzung Stickstoff haltiger Düngemittel.

Bei der Fäulniſs Stickstoff haltiger organischer Stoffe findet bekanntlich ein Verlust an Stickstoff statt und zwar durch Entbindung von freiem, gasförmigem Stickstoff. A. Morgen berichtet in den Landwirthschaftlichen Versuchsstationen, 1884 Bd. 30 S. 200, daſs ein Zusatz von Gyps zwar in den meisten Fällen, aber nicht überall vermindernd auf diesen Stickstoffverlust bei der Fäulniſs von Blut, Knochenmehl oder Hornmehl wirkt. Ein Zusatz von Boden vermochte in keinem Falle den Stickstoffverlust zu beseitigen; im Gegentheile wurde der Verlust durch den Zusatz von Boden bis um das 4fache vergröſsert. Nur bei dem Knochenmehle zeigte sich bei Zusatz von Ackererde eine Verminderung, jedoch nicht vollständige Aufhebung des Verlustes. Die Menge des bei der Fäulniſs gebildeten Ammoniaks steht in gewisser Beziehung zu dem Stickstoffverluste. Je gröſser der Verlust, um so gröſser war auch die Menge des gebildeten Ammoniaks. Ein Zusatz von Kainit vermochte beim Hornmehle den Stickstoffverlust zu vermindern, und zwar waren 10 Proc. Kainit zur vollständigen Beseitigung des Verlustes ausreichend. Ueberall, wo gröſsere Verluste an Stickstoff stattgefunden hatten, zeigte die gefaulte Masse eine alkalische oder neutrale Reaction, während in den Fällen, wo der Verlust nur gering war oder gar nicht beobachtet wurde, die Reaction eine schwach saure war.

Dietzel fand, daſs bei der Fäulniſs Salpetrigsäure und zwar in freiem Zustande auftritt, und führt den Stickstoffverlust auf die bekannte Umsetzung der Salpetrigsäure mit Ammoniak und Amiden unter Entbindung von freiem gasförmigem Stickstoff zurück. Es ist klar, vorausgesetzt, daſs diese Beobachtung sich bestätigt, daſs die Salpetrigsäure nur durch Oxydation entstehen kann und daſs demnach, wie dies auch schon andere Forscher vermuthet haben, Oxydationsprozesse als die erste Ursache des Stickstoffverlustes anzusehen sind. Nehmen wir dies als erwiesen an, so ist es aber verständlich, daſs der Stickstoffverlust um so gröſser wird sein müssen, je gröſser die Porosität der faulenden Masse ist, sowie daſs derselbe von dem Feuchtigkeitsgrade der Masse abhängt.

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