Titel: Die elektrische Entladung in Gasen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 4 (S. 214)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi05_4

Die elektrische Entladung in Gasen.

Umfassende Versuche von O. Lehmann (Annalen der Physik, 1884 Bd. 22 S. 305) über elektrische Entladungen in Gasen ergaben u.a., daſs die zusammengesetzten Dämpfe durch die leuchtende Entladung auſserordentlich rasch zersetzt werden, daher dieser Umstand nicht als eine die Entladung begleitende Erscheinung anzusehen ist, sondern als das eigentliche Wesen derselben. Vielleicht beruht das Erforderniſs eines bestimmten Potentialgefälles zur Erzeugung leuchtender Entladung auf der Nothwendigkeit einer Zerreiſsung der Moleküle durch elektrische Kräfte, während das Leuchten selbst durch den chemischen Prozeſs der Wiedervereinigung erzeugt wird. Es würde dann Entladung und Leuchten überhaupt nicht gleichzeitig sein, sondern das Leuchten später erfolgen und die Entladung vielleicht verhältniſsmäſsig erheblich überdauern.

Da ferner bei Erhöhung der Temperatur das Leuchten bei ungeänderten Versuchsumstanden aufhört, so begünstigt Temperaturerhöhung die Zerstreuung oder Fortführung der Elektricität auf mechanischem Wege (Convection) ganz auſserordentlich, so daſs das zur leuchtenden Entladung nöthige Potentialgefälle im Allgemeinen nicht mehr erreicht wird.

Als Hauptresultat ergibt sich aus den Versuchen, daſs es zwei Arten von elektrischer Entladung in Gasen gibt, die convective und die leuchtende. Bei höherer Temperatur, z.B. beim elektrischen Bogenlichte, ist die erstere die vorherrschende.

Sämmtliche Erscheinungen der leuchtenden elektrischen Entladung in Gasen erklären sich nach Faraday's Theorie, wenn man jederzeit berücksichtigt, in welcher Weise sich der Verlauf der Kraftlinien und das Gefälle des Potentials ändern, theils durch das Fortschreiten der Entladung selbst, theils durch Elektrisirung einzelner Luftschichten und der Wände des Gefäſses. Der scheinbare qualitative Unterschied zwischen positiver und negativer Elektricität beruht lediglich auf der secundären Wirkung der an der Oberfläche der Elektroden auftretenden Reibungs- (Thermo-) Elektricität der Luft, was leichtere Entladung an der Kathode und damit alle die beobachteten Verschiedenheiten der positiven und negativen Seite verursacht, welche sich in verschiedener Färbung und Gestaltung der Lichterscheinung äuſsern, sowie auch durch Aenderung der Schlagweite mit der Form der Elektroden, durch verschiedenes Verhalten gegen magnetische Kräfte und die eigentümlichen Formen der Lichtenberg'schen Figuren. Die leuchtende Entladung ist in allen Fällen intermittirend.

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