Titel: Ueber die Bestimmung des Kohlensäuregehaltes der Luft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 6 (S. 349–350)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi08_6

Ueber die Bestimmung des Kohlensäuregehaltes der Luft.

Nach M. Ballo (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 1097) ist bei der sogen, minimetrischen Kohlensäure-Bestimmung der Luft derselbe Grad der Trübung bei verschiedenen Versuchen nur sehr schwer zu erreichen (vgl. Lunge 1879 231 331). Geringere Mengen Kohlensäure werden von Kalkwasser, ohne eine deutlich sichtbare Trübung hervorzubringen, absorbirt. Es kommt hierbei nicht allein auf die Schärfe des Gesichtes an, als auch auf die Form des Absorptionsgefäſses und auf die Schnelligkeit, mit welcher die Luft hindurchgepreſst wird, und bei so verdünnter Kohlensäure, wie die in Frage stehende, können durch zu rasches Hindurchpressen bedeutende Kohlensäuremengen in Verlust gerathen.

Schüttelt man in einer Halbliterflasche die zu untersuchende Luft mit einer gewissen Menge des mit Phenolphtaleïn roth gefärbten Kalkwassers, unter erneuertem Zusatz desselben, bis keine Entfärbung mehr erfolgt, so läſst sich auf diese Art die Kohlensäure mit annähernder Genauigkeit bestimmen. Allein ein so stark verdünntes Kalkwasser wirkt zu wenig rasch absorbirend und der Versuch erfordert ¼ bis ½ Stunde, auch wenn man statt der gewöhnlichen Flaschen flache Feldflaschen verwendet, welche die Absorption ungemein befördern. Ballo hat deshalb anstatt Kalkwasser ein energischer wirkendes Absorptionsmittel gesucht und ist schlieſslich bei einem Gemische von Kali- oder Natronlauge mit einer Chlorbariumlösung stehen geblieben. Eine solche Lösung von genügender Verdünnung läſst sich mit Hilfe titrirter Lauge sehr schnell herstellen und die Absorption ist in etwa 10 Minuten so weit vollendet, daſs die erreichte Genauigkeit für die meisten praktischen Zwecke genügt. Die Ausführung des Versuches ist einfach. Man leert die mit Wasser gefüllte Feldflasche, deren |350| Inhalt gemessen wurde, in jenem Räume aus, dessen Luft auf ihren Kohlensäuregehalt geprüft werden soll, und verschlieſst den Hals der Flasche mit einem Kautschuckstopfen. Alsdann läſst man so viel der mit Phenolphtaleïn gefärbten Flüssigkeit hinzuflieſsen, als dem Normalkohlensäuregehalte der Luft entspricht, und schüttelt. Ist der Kohlensäuregehalt irgend ein bedeutender, so erfolgt die Entfärbung in 1 bis 2 Minuten. Man läſst noch einmal so viel Flüssigkeit nachflieſsen und schüttelt gelinde 2 Minuten. Erfolgt eine Entfärbung, so ist der Kohlensäuregehalt der Luft mehr als doppelt so groſs als wie der normale; man setzt dies so lange fort, bis nach mindestens 3 Minuten Schütteln die Flüssigkeit noch deutlich roth bleibt. In einer zweiten Luftmenge kann nach dieser Vorermittelung durch cubikcentimeterweisen Zusatz der Absorptionsflüssigkeit der Kohlensäuregehalt nöthigenfalls noch genauer ermittelt werden.

Wesentlich denselben Vorschlag macht R. Blochmann a. a. O. S. 1017.

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