Titel: Verfahren zur Gewinnung von Schwefelwasserstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 8 (S. 350–351)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi08_8

Verfahren zur Gewinnung von Schwefelwasserstoff.

Nach H. v. Miller und C. Opl in Hruschau, Schlesien (D. R. P. Kl. 12 Nr. 28067 vom 26. Januar 1884) werden die im Wasser suspendirten Sodarückstände mit Kohlensäure oder Schwefelwasserstoff behandelt, oder aber mit Wasser unter einem Drucke von 5at erhitzt. Die so erhaltene Lauge von Calciumsulfhydrat, welche den sämmtlichen, in Form von Sulfiden in den Sodarückständen vorhandenen Schwefel enthält, soll nun in Kalkhydrat und Schwefelwasserstoff zerlegt werden. Erhitzt man nämlich die Lauge in einem geschlossenen eisernen Kessel o. dgl., welcher passend mit einem Rührwerke versehen wird, mittels direkter Feuerung oder hochgespannten Dampfes zum Kochen, so scheidet sich Kalkhydrat in Form eines feinkörnig kristallinischen Pulvers ab, während der Schwefelwasserstoff durch eine Rohrleitung entweicht; durch passende Condensationsvorrichtungen wird derselbe von Wasserdampf befreit und dann vollständig rein in einen Gasometer geleitet, um von dort aus seiner weiteren Verwendung zugeführt zu werden. Der gefällte Kalk wird durch Filterpressen von der Lauge getrennt und letztere wieder in den Kessel zurückgegeben. Das so gewonnene Kalkhydrat ist vollkommen rein und dadurch zu den verschiedensten technischen Zwecken verwendbar.

Ehe der Schwefelwasserstoff in den Gasometer eintritt, läſst man ersteren noch durch ein anderes Gefäſs streichen, in welchem sich frische Sodarückstände in Wasser aufgenommen befinden. Hier wird die Hälfte des täglich erzeugten |351| Schwefelwasserstoffes absorbirt, indem derselbe wieder Schwefelcalcium löst und so eine Lauge von Calciumsulfhydrat bildet, welche dann wieder in dem beschriebenen Kessel zersetzt wird. Der hierbei bleibende Rückstand, bestehend aus kohlensaurem Kalk, Kokes, Schwefeleisen u. dgl., wird vorher durch Filtration von der Lauge getrennt. Die Reactionen verlaufen also folgendermaſsen:

CaS + H2S = CaSH2S und CaSH2S + 2H2O = CaOH2O + 2H2S.

Der frei bleibende Schwefelwasserstoff kann nun entweder zu Schwefligsaure verbrannt und diese auf Schwefelsäure verarbeitet werden, oder man kann auch denselben nach verschiedenen bekannten Methoden auf Schwefel verarbeiten.

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