Titel: Zur Kenntniſs des Steinkohlentheeres.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 15 (S. 392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi09_15

Zur Kenntniſs des Steinkohlentheeres.

Nach Versuchen von E. Nölting (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 385) enthält das über 300° siedende Steinkohlentheeröl wahrscheinlich die Phenole des Anthracens und Phenanthrens, sicher aber auſserdem noch eine groſse Anzahl anderer phenolartiger Verbindungen.

K. E. Schulze (daselbst 1884 S. 1203) erhielt durch Fractioniren der zwischen 200 und 300° siedenden Antheile des Steinkohlentheeres, nach vorheriger Entfernung der Phenole, Amine u. dgl., ein wesentlich zwischen 245 und 255° siedendes Oel, welches beim Abkühlen auf – 15° erstarrte. Nach dem Auspressen bestand die Masse wesentlich aus β-Methylnaphtalin. War im Theeröle wirklich Diphenyl vorhanden, so muſste es in so geringer Menge vorkommen, daſs es von den bei nahe liegenden Temperaturen siedenden Oelen in Lösung gehalten wurde. Diese Oele bestehen im Wesentlichen aus Mono- und Dimethylnaphtalin. Da das Naphtalin und seine Homologen beim Schütteln mit Schwefelsäure mit Leichtigkeit in Sulfosäuren übergehen, so wurde die erwähnte Fraction mit etwa 75 Vol.-Proc. Schwefelsäure bei einer Temperatur von etwa 40 bis 50° behandelt. Die Oele gingen in Form von Sulfosäuren in Lösung und der noch flüssige Rückstand zeigte den charakteristischen Geruch des Diphenyles, welches durch Abkühlen, Absaugen, Pressen und Umkrystallisiren aus Alkohol leicht rein erhalten werden konnte. Später fand sich auch in der von 242 bis 245° übergehenden Fraction noch Diphenyl. Nach gründlicher Behandlung mit Schwefelsäure erstarrte das rückbleibende Oel schon in der Wärme und ein einfaches Abpressen genügte, um den Schmelzpunkt des Productes auf 680 zu bringen. Einmaliges Umkrystallisiren aus Alkohol lieferte das Diphenyl, C12H10, rein. Auch die Homologen des Diphenyles scheinen im Theere vorhanden zu sein.

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