Titel: Ueber durch Sonnenwärme betriebene Maschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 2 (S. 438–439)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi10_2

Ueber durch Sonnenwärme betriebene Maschinen.

Bekanntlich hat der Gedanke, die Sonnenwärme unmittelbar zu Heizungszwecken oder zur Arbeitsleistung auszunutzen, verschiedene Techniker schon seit Jahren beschäftigt (vgl. 1864 173 418. 1876 219 177. 1878 229 97). In der That ist ja die strahlende Wärme der Sonne, welche gewissermaſsen in den Steinkohlen und Hölzern aufgespeichert ist und den Kreislauf des Wassers veranlaſst, im Grunde genommen fast die einzige Kraft- und Wärmequelle, die uns zu Gebote steht, und es liegt daher nahe, einen Theil dieses groſsen Ueberschusses unmittelbar zu verwerthen. So hatte Ericsson schon in den 60er Jahren Maschinen gebaut, welche durch die Sonnen wärme betrieben wurden |439| und damals einiges Aufsehen erregten, ohne indeſs eine weitergehende Verwendung gefunden zu haben. Neuerdings hat nun nach dem Scientific American, 1884 Bd. 50 * S. 310 Ericsson in New-York eine Dampfmaschine hergestellt, deren Kessel durch die mittels eines eigenthümlich construirten Reflectors concentrirten Sonnenstrahlen geheizt werden soll. Der Reflector hat die Form eines parabolischen Hohlcylinders, welcher auf der Innenseite mit Spiegelflächen, hergestellt aus versilberten Glasscheiben, bekleidet ist. Die parallel zu der Achse der Leitparabel des Cylinderspiegels auffallenden Sonnenstrahlen werden folglich alle so zurückgeworfen, daſs dieselben sich in der durch die Brennpunkte der Leitparabeln gelegten Cylinderachse schneiden, und hier befindet sich demnach der lange walzenförmige Dampferzeuger. Selbstverständlich muſs der Reflector zugleich mit dem Dampferzeuger beständig nach dem Stande der Sonne eingestellt werden, was von der durch den in letzterem entwickelten Dampf betriebenen Maschine geschieht. Der Cylinderspiegel hat eine Länge von 3m,45 bei 4m,88 Oeffnung, von welcher Abmessung für den vom Generator beschatteten Theil 0m,305 abzuziehen sind. Es wird daher ein Strahlenbündel von 3,45 × 4,575 = 15qm,75 auf den 3m,45 langen und ungefähr 150mm im Durchmesser haltenden Dampferzeuger concentrirt. In New-York genügte während des verflossenen Sommers die so nutzbar gemachte Sonnenwärme, um den Dampf zum Betriebe einer Dampfmaschine von 152mm,5 Cylinderdurchmesser und 203mm Hub zu liefern, wobei dieselbe bei 2at,5 Ueberdruck 120 Spiele in der Minute ausführte.

In ganz ähnlicher Weise soll die Sonnenwärme in dem Apparate der Société centrale d'utilisation de la chaleur solaire in Paris (* D. R. P. Kl. 42 Nr. 26 737 vom 11. April 1883) nutzbar gemacht werden; nur sind hier als spiegelnde Flächen, wie bei der älteren Anordnung Ericsson's, Kegelabschnitte verwendet, in deren Achse die Dampferzeuger angebracht sind.

In unseren Breiten unter einem während des gröſsten Theiles des Jahres bewölkten Himmel dürften übrigens derartige Einrichtungen kaum Aussicht auf allgemeinere Verwendung haben. Andererseits gibt es groſse Landstriche, wie die Ostküsten von Südafrika und Südamerika, wo der Himmel fast immer ganz wolkenlos bleibt und die strahlende Wärme der Sonne jedenfalls eine stetigere Kraftquelle bieten dürfte als in unseren Breiten der stellenweise viel benutzte Wind.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: