Titel: Die Heizungs- und Lüftungsanlage des Krankenhauses zu Nancy.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 3 (S. 477–478)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi11_3

Die Heizungs- und Lüftungsanlage des Krankenhauses zu Nancy.

Das Krankenhaus zu Nancy enthält zwei über einander liegende Krankensäle mit je 16 Betten; zur Erwärmung dieser Säle sind kaminartige Schüröfen angeordnet, welche zugleich zur Lüftung dienen. Solcher Oefen stehen je zwei in der Längsachse jedes Saales und ferner befinden sich die beiden Oefen des oberen Saales unmittelbar über denjenigen des unteren Saales. Die Oefen besitzen einen kaminartigen Feuerraum mit offenem Feuer; die Feuergase des unteren Ofens ziehen durch einen in der Ofenmitte angebrachten cylindrischen Kasten und hierauf durch ein Rohr in den gleichartigen Kasten des oberen |478| Ofens, woselbst sie sich mit den Feuergasen dieses letzteren vereinigen und zusammen durch ein lothrechtes Rohr über Dach ziehen. Die Oefen sind mit viereckigem Mantel versehen; in diesen tritt von unten durch je zwei im Fuſsboden liegende und an den Auſsenseiten der Gebäude-Längswände mündende Kanäle frische Auſsenluft ein, zieht durch 8 Röhren, welche lothrecht durch den Heizkasten führen, ferner durch den Zwischenraum zwischen Mantel und Heizkasten, erwärmt sich und tritt theilweise in Kopfhöhe durch vier vergitterte Oeffnungen des Ofenmantels in den Saal aus; theilweise aber wird die erwärmte Luft in einem das Rauchrohr umgebenden Rohre senkrecht durch den Saal geleitet und tritt nahe der Decke desselben in den Saal aus. Diese Luftzuführung ist für beide Säle gleichartig. Für die Entfernung der Abluft sind in jedem Saale in den Wänden desselben je acht lothrechte Kanäle angeordnet, welche in gebräuchlicher Weise für die Sommerlüftung mit einer Mündung nahe der Decke, für die Winterlüftung mit einer solchen nahe dem Fuſsboden versehen sind. Diese Kanäle münden in einen auf dem Dachboden liegenden Sammelkanal, aus welchem je zwei Luftwege zu einem Rohre führen, welches im Dachboden das Rauchrohr umgibt und gleichfalls über Dach führt, woselbst dasselbe unterhalb der Rauchausströmung mit einem Aufsatze versehen ist, aus welchem die Abluft ins Freie gelangt.

Unsere Quelle, die Annales industrielles, 1884 Bd. 2 * S. 84 ff., tadelt mit Recht, daſs nicht für jedes Bett ein Abluftkanal angebracht, ferner daſs die ganze Anordnung nur für gleichzeitiges Heizen beider Säle berechnet ist; es erscheint aber auch die Art der Luftzuführung von auſsen nicht empfehlenswerth, da die im Boden liegenden Kanäle nicht gereinigt werden können und für andere Reinigung der Luft keine Vorkehrungen getroffen sind; dann ist die ganze Einrichtung der Lüftung überhaupt nicht zweckmäſsig, da dieselbe nur im Winter wirksam sein wird, im Sommer aber die Einführung der für das Bett verlangten 60cbm frischer Luft nur ermöglicht, wenn in den Oefen nur ein leichtes Lockfeuer unterhalten wird.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: