Titel: Verfahren zur Herstellung eines Farbstoffes aus Baumwollsamenöl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253/Miszelle 15 (S. 535–536)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/mi253mi12_15

Verfahren zur Herstellung eines Farbstoffes aus Baumwollsamenöl.

J. Longmore in Liverpool (D. R. P. Kl. 23 Nr. 27 311 vom 17. Mai 1883) will den beim Reinigen des Baumwollsamenöles sich bildenden Niederschlag schmelzen und mit gepulvertem Aetznatron oder Natronlauge verseifen. Die Lauge, welche die Farbstoffe des Baumwollsamenöles enthält, läſst man absetzen, die erhaltene Seife wird wieder mit so viel Wasser versetzt, bis sie |536| vollständig aufgelöst ist; hierauf wird frisches Aetzkali oder kaustische Lauge von 20 bis 30° zugesetzt und die Behandlung wiederholt, bis die Seife genügend rein ist.

Soll der Farbstoff zum Zwecke seiner Verwendung als Druckerfarbe gewonnen werden, so setzt man der sehr dunkel gefärbten Unterlauge, nachdem dieselbe abgezogen und filtrirt worden, allmählich in kleinen Mengen Alaun, schwefelsaure oder essigsaure Thonerde, Chlorcalcium oder andere lösliche Calciumsalze zu, bis der ganze Farbstoff gefällt ist, so daſs die Flüssigkeit über dem Niederschlage klar wird; letzterer wird getrocknet und ist dann als Farbstoff zum Gebrauche fertig.

Zur Darstellung eines Farbstoffes zum Färben von Wolle wird die die Farbsubstanzen enthaltende Lauge zuerst durch den Zusatz von Schwefelsäure, Essigsäure oder Chlorwasserstoffsäure oder von Kohlensäure unter Druck neutralisirt und hierauf reichlich mit Säure übersättigt. In Folge dieser Behandlung wird die Farbsubstanz gefällt und man läſst nun die Flüssigkeit ruhen, so daſs der Niederschlag sich vollständig absetzt. Die klare Lösung wird hierauf abgegossen, der Bodensatz filtrirt und endlich in Alkohol gelöst In dieser Lösung wird die zu färbende Wolle eingeweicht, erhitzt und hierauf gewaschen, womit der Färbeprozeſs beendet ist. Sollen Baumwoll- oder Leinenstoffe gefärbt werden, so müssen dieselben vorher mit Alaun, Sumach o. dgl. in der üblichen Weise gebeizt werden, bevor man dieselben in die Farbstofflösung bringt. Der Farbstoff selbst wirkt auch als Beize für viele Anilinfarben.

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