Titel: Ueber den rotirenden Sodaofen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 254/Miszelle 6 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj254/mi254mi07_6

Ueber den rotirenden Sodaofen.

Der rotirende Sodaofen oder „Revolver“ ist ein Beispiel der vielen Bestrebungen, die theure Handarbeit durch Anwendung mechanischer Apparate zu ersetzen. Die erste Idee der Darstellung von Rohsoda in drehbaren Apparaten stammt von Elliot und Russell (vgl. 1854 131 * 441). Dieselben probirten mit mehreren von der Maschinenfabrik Robinson Cooks und Comp. in St. Helens gebauten Oefen. Die eigentlichen Schwierigkeiten wurden jedoch erst durch J. C. Stephenson in der Fabrik der Jarrow Chemical Company in South-Shield überwunden. Der erste Revolver wurde im J. 1854 an diese Gesellschaft ebenfalls von Cooks in St. Helens geliefert, aber erst im J. 1868 wurden von Gaskell, Deacon und Comp. in Widnes und von A. G. Kurtz in St. Helens die ersten weiteren Drehapparate eingeführt. Von dieser Zeit an haben diese Apparate in fast allen Sodafabriken Eingang gefunden. Der gröſste bis jetzt gebaute Revolver wurde aber von der genannten Maschinenfabrik in St. Helens für die Widnes Alkali Company in Widnes gebaut und verrichtet nach dem Engineer, 1884 Bd. 58 * S. 110 die Arbeit von 18 Handöfen, bedeckt aber nur den Raum von drei derselben; der Drehapparat liefert täglich 80 bis 90t Rohsoda.

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Der Apparat besteht wesentlich aus drei Theilen: aus der Feuerung, aus dem. eigentlichen Drehcylinder (Revolver) und aus der Maschine, um letzteren in Bewegung zu setzen. Die Feuerung bedeckt eine Grundfläche von 5m,1 × 3m,1 (17 × 10 Fuſs engl.) und erfordert stündlich 1t,27 Kohle. Der eigentliche Revolver besteht aus einem schmiedeisernen, mit feuerfesten Steinen ausgefütterten (Minder, welcher mit zwei Stahltragringen nach dem Systeme Cook versehen ist. Früher wurden diese Tragringe allgemein aus Guſseisen angefertigt und in der Hitze mit Reifen von Stahl oder Schmiedeisen überzogen. Diese Reifen waren jedoch ein beständiger Uebelstand, da dieselben sehr oft lose wurden. Durch die Verbesserung von Cook wird diese Schwierigkeit vollkommen beseitigt, da die Ringe aus einem einzigen massiven Stücke Guſsstahl bestehen. Die Tragringe ruhen auf vier kleinen Rädchen. Der Revolver wird durch eine Zahnradübersetzung durch zwei gekuppelte Dampfmaschinen in Bewegung gesetzt.

Die gleichen Drehöfen, nur in kleinerem Maſsstabe, sind von Robinson, Cooks und Comp. auch für einige der groſsen Glasfabriken in St. Helens gebaut worden.

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