Titel: Ueber Neuerungen an Tischlerwerkzeugen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256 (S. 108–110)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/ar256043

Ueber Neuerungen an Tischlerwerkzeugen.

Patentklasse 38. Mit Abbildungen auf Tafel 8.

Ein von A. Augst in Langenöls, Schlesien (* D. R. P. Nr. 27855 vom 25. December 1883) vorgeschlagener Zahnleisten-Hobel soll die Herstellung von Zahnleisten in der Weise gestatten, daſs in ein Brett parallele dreikantige Nuthen eingearbeitet werden; wird das Brett nun senkrecht zur Richtung dieser Nuthen durchschnitten, so erhält man Zahnleisten gleicher Theilung.

Fig. 1 bis 3 Taf. 8 veranschaulichen einen gewöhnlichen Hobel A für dreikantige Nuthen mit dem Vorschneider a, dem schrägen Hobeleisen b und dem mit schrägen Schlitzen zu verstellenden Auflauflineale c. An A sind zwei Schrauben C befestigt, welche durch die Anschlagwand B1 gesteckt werden und die Muttern D wie die Gegenmuttern E tragen. An B1 wird eine zweite Anschlagwand B mittels der Schrauben d, für welche man Muttern e in die Anschlagwand B1 einsetzt, befestigt.

Man bedient sich nun der Anschlag wand B, nachdem man mittels der Muttern D und E die Anschlagwand B1 in die gewünschte Entfernung zum Hobel A gebracht hat, um in der in Fig. 1 dargestellten Weise die erste Nuth zu hobeln. Bringt man den Hobel A ziemlich dicht an B1 , so kann man in dieser Weise auch den Grat stoſsen. Ist die erste Nuth fertig, so wird B von B1 abgeschraubt und, nachdem A in den verlangten Abstand zweier Zähne von dem Anschlage B1 gebracht ist, letzterer in die fertige Nuth gesetzt und die nächste Nuth gehobelt (vgl. Fig. 3) und so nach Fertigstellung jeder Nuth weiter gerückt, bis die Länge der Zahnleisten erreicht ist.

Der combinirte Nuth- und Spundhobel von H. Hassenstein in Rathenow (* D. R. P. Nr. 26503 vom 1. August 1883) gestattet die Verwendung zu beiden Arbeiten und soll die Anschaffungskosten ermäſsigen.

Wie aus Fig. 11 Taf. 8 zu entnehmen, erleidet der gewöhnliche Hobel nur insofern eine Aenderung, als er für beide Zwecke dienlich gemacht werden soll. Zu diesem Behufe erhält zur Anfertigung von Federn der Hobel an betreffender Stelle eine Nuth, welche oberhalb zu beiden Seiten mit einem Grat versehen ist, in welchen, vor wie hinter dem Eisen, messingene Platten h eingeschoben werden, die an beiden Enden der Hobel durch Schrauben f, f1 und in den Hobel eingelassene Muttern verschlossen werden.

Soll nun der Hobel für Nuthen eingerichtet werden, so hat man nur diese Messingplatten h herauszuziehen und statt ihrer die Messingfeder e (Fig. 10) einzuschieben und gleichfalls zu verschrauben.

Das für die Breite der Feder bezieh. Nuth dienende Eisen a ist genau passend in das für die Brüstungen bestimmte Eisen b gearbeitet; ersteres besitzt am oberen breiteren Theile zu beiden Seiten Falze, welche sich auf bezieh. in letzteres legen. Auſserdem ist in diesem Theile des Eisens ein Schlitz d, durch welchen die Klappenschraube c führt, und kann durch Anziehen der |109| letzteren die Klappe mit den beiden anderen Eisen a und b zusammengepreſst werden, so daſs das Eisen a in der bestimmten Stellung erhalten wird.

Um die Holzflächen während der Arbeit von den sich bildenden Spänen und Staub frei zu halten, schlägt H. Hering in Berlin (* D. R. P. Nr. 25492 vom 15. Juli 1884) die Anbringung einer Fegbürste vor, welche beim Vorstoſsen des Hobels die Arbeitsfläche abstreicht, sich aber beim Rückgänge abhebt.

Wie aus Fig. 12 (Rückgang des Hobels) bezieh. Fig. 13 Taf. 8 (Vorgang des Hobels) zu erkennen ist, besteht der „Handhobel mit Vorfeger“ aus der Klammer a, welche durch Stellschraube bei s vorn am Hobelkasten befestigt wird und mittels Gelenkes c den mit Bürste b versehenen Feger f trägt. Die Bürste kann durch Lösen der Schiene t nach Bedarf ausgewechselt werden.

Die Bürste wird gehoben durch eine Feder g, während der zweiarmige Hebel i i1 welcher am Arme i1 eine Roller oder einen die Hobelfläche nicht beschädigenden Knopf trägt, von oben auf die Bürste b einwirkt und dieselbe auf die Hobelfläche aufdrückt. Durch diese beiderseitige Einwirkung des Hebels i i1 und der Feder auf die Bürste b soll nun der beabsichtigte Zweck erreicht werden: Beim Vorgange des Hobels ruht die Roller auf der Hobelfläche und der Arm i drückt die Bürste b nieder und reinigt die Holzfläche. Beim Zurückziehen des Hobels, welcher bekanntlich nicht flach zurückgezogen, sondern aufgekantet wird, um nicht den Hobelstahl stumpf zu machen, wirkt die Feder g, da die Rolle r nicht mehr an der Hobelfläche Gegenlage findet und in Folge dessen sich nach unten bewegt, und hebt den Feger f hoch, so daſs derselbe beim Rückgange von der Hobelfläche abgehoben ist und nicht die Hobelspäne u.s.w. mit zurückzieht.

Eine neue Lösung der Aufgabe, den Bohrer möglichst leicht und sicher in den Bohrkopf einzusetzen, hat F. Rudhart in Isny (* D. R. P. Nr. 28020 vom 27. November 1883) angegeben.

Der Bohrkopf B (Fig. 14 Taf. 8) ist wechselbar angebracht und kann mittels Schraube a befestigt werden. Am Bohrkopfe befindet sich eine Metallhülse b, welche über den Kopf eingesteckt und mittels einer in den Schraubengang c eingreifenden Schraube s befestigt wird. Ist ein Bohrer d eingesteckt, so wird die Hülse b vorwärts gedreht, bis solche unter dem am Bohrer angebrachten Ansätze sitzt; hierauf wird die Hülse mittels Schraube s befestigt und der Bohrer hierdurch festgehalten. Nach Lösen der Schraube a und Abnehmen des Bohrkopfes B kann solcher als Handbohrerheft verwendet werden.

Für Holzbildhauer und Möbelarbeiter ist der in Fig. 4 bis 7 Taf. 8 dargestellte Universalkralzer von P. A. Günther in Altenburg i. S. (* D. R. P. Nr. 27854 vom 20. December 1883) bestimmt.

In Ermangelung einer Fräsmaschine bedient man sich beim Verfertigen von Stuhllehnen, Füſsen und anderen geraden und geschweiften Gegenständen des einer Ziehklinge ähnelnden sogen. Kratzers, um mit dem in denselben eingesetzten Messer die gewünschten Nuthen einzuarbeiten. Das seither angewendete Werkzeug besteht aus einem aufgeschlitzten Stücke Holz mit einem Anschlage an der einen, für gewisse Theile auch an der anderen Seite und zwei Schrauben zum Einklemmen des Messers in den Schlitz; dasselbe erfüllt seinen Zweck insofern nicht ganz, weil das Messer, wenn harte Stellen im Holze sind, sich während der Arbeit nach und nach verschieben kann. Ferner muſs man, um mehrere Nuthen mit demselben Messer neben einander zu arbeiten, stets das Messer losspannen und in der gewünschten Entfernung vom Anschlage von Neuem festspannen, wobei man auch den Tiefgang des Messers jedesmal wieder genau stellen muſs. Im Uebrigen sind diese Kratzer nur einseitig zu gebrauchen, ferner von Holz, deshalb, um haltbar zu sein, zu dick und daher nicht recht handlich.

Diese Mängel soll der in Fig. 5 Taf. 8 in Ansicht in der Stellung für breite |110| Gegenstände mit einem eingespannten Messer gezeichnete Universalkratzer beseitigen. Mitten in dem runden Stahlstabe a befindet sich ein Schlitz b zur Aufnahme des Messers c. Hier, rechts am Ende des Schlitzes, wird der Stab excentrisch, indem er oben mit dem starken Theile gleich bleibt und unten etwas Raum läſst. Um das Messer festzuspannen, ist der starke Theil des Stabes in seiner Länge durchbohrt und vorn ein Gewinde eingeschnitten. In dieser Bohrung bewegt sich leicht der stählerne Bolzen d, welcher durch die Schraube e gegen das Messer gepreſst wird. Auf dem starken, wie auf dem schwachen Theile des Stabes a lassen sich guſseiserne Anschläge, welche mit Holzheften verbunden sind, beliebig verschieben und mittels Schlitzschraube feststellen. In dem Anschlage f ist das Holzheft g befestigt, welches durchbohrt ist, damit es sich mit dem Anschlage über den Stab hinwegschieben läſst. Die Schraube h dient dazu, den Anschlag auf jeder beliebigen Stelle festklemmen zu können, und greift mit dem unteren Ende in eine 3mm breite Nuth, welche längs des Stabes eingefräst ist, ein. Die Nuth läſst den Anschlag beim Lösen und Verschieben nicht herumgleiten und bietet während der Arbeit mehr Halt.

Hat man einen gebogenen Gegenstand so zu kratzen, daſs der Anschlag an die krumme Innenseite zu liegen kommt, so würde derselbe an zwei Punkten anliegen, was bei der Arbeit störend wirkt. Um dies zu vermeiden, ist die eine Hälfte des Anschlages abgerundet, wie die punktirte Linie i (Fig. 4) andeutet. Man löst daher die Schraubet, zieht das Heft g mit dem Anschlage f ab und dreht es halb herum, so daſs die Schraube h, welche wieder festgezogen wird, nach unten steht, wo ebenfalls eine Nuth längs in den Stab eingefräst ist.

Der Anschlag l besitzt eine excentrische Bohrung und rechts nach oben einen kurbelartigen Ansatz m. Hier befinden sich nun Bohrungen n (vgl. Fig. 7), in welche der Zapfentheil des eisernen Ansatzes o vom Hefte p eingeschoben und durch die Schraube q bezieh. q1 festgestellt werden kann. In den Zapfen ist eine Nuth eingedreht, in welche die Schraube q oder q1 greift, um dem Hefte einen festen Stand zu geben. Fig. 5 zeigt also die Stellung des Kratzers für breite Gegenstände, wo ein zweiter Anschlag im Wege sein würde; durch die excentrische Einrichtung nun steht derselbe und auch das Heft nach oben.

Hat man Gegenstände mit parallel laufenden Seiten zu bearbeiten, z.B. Stuhlbeine, Leisten u. dgl., so bedient man sich beider Anschläge. Man löst die Schraube k1 im Anschlage l, zieht denselben ab, steckt umgekehrt auf und zieht die Schraube k1 wieder fest. Bevor man die Schraube q gelöst hat, nimmt man das Heft p ab, schiebt es über den schwachen Theil des Stabes a hinweg und mit dem Zapfen o in die andere Bohrung n hinein. Auf diese Weise kann man nun die Anschläge dem Messer, gleichviel ob von rechts oder von links, nähern und entfernen, ohne das Messer loszuspannen.

Ist ein Stück zu bearbeiten, welches zwei parallel laufende Seiten, aber eine Anschlagfläche von 10mm auf der einen Seite zu viel hat, oder auch, wenn die Verlängerung m im Wege ist (vgl. Fig. 6), so spannt man das Messer umgekehrt ein, so daſs seine Schneide da aus dem Schlitzloche hervorsteht, wo der starke und der schwache Theil des Stabes a eine Linie bilden. Nun hat man auf der einen Seite eine Anschlagfläche r und auf der anderen Seite eine Anschlagfläche f; das Heft zieht man ab und befestigt es in der anderen Bohrung, welche sich in der Verlängerung m befindet. Soll die zu kratzende Nuth tief werden, so stellt man das Messer etwas zurück und stellt es später nach, was bei der Art der Festspannung ohne Zeitverlust geschieht, da das Messer, so oft man es auch durch die Schraube e löst, immer wieder in dieselbe Lage kommt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: