Titel: Kohnstein's Bestimmung freier Schwefelsäure in Essig.
Autor: Kohnstein, B.
Fundstelle: 1885, Band 256 (S. 128–130)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/ar256056

Verfahren zur Bestimmung freier Schwefelsäure im Essig; von B. Kohnstein, technischer Chemiker.

Es sind bis heute zahlreiche Vorschläge gemacht worden, die betrügerische Beimischung von freier Schwefelsäure im Essig nachzuweisen. Die meisten Angaben zielen aber nur auf einen qualitativen Nachweis |129| hin. Dem Chemiker muſs es aber hauptsächlich auch darum zu thun sein, die Menge an freier Schwefelsäure zu bestimmen.1) Der Nachweis mit Bariumnitrat oder Chlorid gibt keinen Aufschluſs, ob die Schwefelsäure frei oder gebunden, sondern läſst nur die Bestimmung der Gesammtsulfate zu. Wenn man zur Bestimmung der Schwefelsäure im Essig nun denselben Gang einschlägt, wie er bei der Bestimmung der organischen Säuren neben Schwefelsäure in Gerbebrühen nothwendig ist und von F. Simand und mir angegeben wurde (vgl. S. 38 und 84 d. Bd.), so erhält man mit groſser Genauigkeit die einem Essig beigemengten Mengen freier Schwefelsäure. Der Gang der Analyse ist folgender.

100cc des Speiseessigs werden mit so viel frisch geglühtem reinem Magnesiumoxyde geschüttelt, bis die Flüssigkeit nicht mehr sauer reagirt, die Säure also vollständig an Magnesia gebunden erscheint. Ist dies der Fall, so wird filtrirt. 25 bis 30cc des klaren Filtrates werden in einer Platinschale zur vollständigen Trockne gebracht und geglüht. Magnesiumacetat verwandelt sich beim Glühen in Magnesiumcarbonat, während Magnesiumsulfat unverändert bleibt. Das Glühen soll nicht bei zu hoher Temperatur vorgenommen werden; die Umwandlung des Acetates in Carbonat wird dennoch eine vollständige sein und die theilweise Zersetzung des Sulfates ist dabei verhütet. Der Glührückstand wird nun mit Kohlensäure haltigem Wasser eingedampft, damit das Magnesiumcarbonat pulveriger wird und das Magnesiumsulfat leichter auszuwaschen ist; dann wird mit heiſsem Wasser digerirt und filtrirt. Das Magnesiumsulfat geht in Lösung, während am Filter Magnesiumcarbonat zurückbleibt. Dieses wird so lange ausgesüſst, bis ein Tropfen des Filtrates keine Schwefelsäure-Reaction mehr zeigt. Bestimmt man nun im Filtrate, nachdem etwa vorhandener Kalk ausgefällt wurde, die Magnesia als Magnesiapyrophosphat, so kann man die Menge der im Essig enthaltenen freien Schwefelsäure berechnen.

Die folgenden Beleganalysen mögen zeigen, daſs diese Methode sehr zufriedenstellende Ergebnisse liefert.

A) Die nachstehenden Versuche wurden mit chemisch reiner Essigsäure, welcher eine bestimmte Menge Schwefelsaure neben wechselnden Mengen von Alkalisulfaten beigemengt war, durchgeführt:


Versuch
Nr.
100cc Essig enthalten
Unterschied
Zugesetzte
Schwefelsäure-
menge
Gefundene
Schwefelsäure-
menge
1 0,504g 0,492g – 0,012g
2 0,265 0,253 – 0,012
3 0,252 0,246 – 0,006
4 0,162 0,129 – 0,033
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B) Die folgende Versuchsreihe wurde mit einem weingelben käuflichen Speiseessig, welchem wie vorher Schwefelsäure neben Alkalisulfaten zugesetzt war, vorgenommen:


Versuch
Nr.
100cc Essig enthalten
Unterschied
Zugesetzte
Schwefelsäure-
menge
Gefundene
Schwefelsäure-
menge
5 0,252g 0,254g + 0,002g
6 0,119 0,120 + 0,001
7 0,105 0,134 + 0,029
8 0,063 0,068 +0,005

Neben Alkalisulfaten und Kalksalzen kommen im Essig geringe Mengen Magnesiasalze vor, welche die Endzahlen – wenn auch sehr unbedeutend – beeinträchtigen können. Um diesen kleinen Fehler zu beseitigen, ist es angezeigt, 100cc des zu untersuchenden Essigs einzuäschern, die Asche in Salzsäure aufzunehmen, den Kalk abzuscheiden, im Filtrate die Magnesia zu bestimmen und vom gefundenen Ergebnisse in Abrechnung zu bringen. Bei vorstehenden Versuchen wurde dieser Fehler vernachlässigt, da 100cc Essig nur einen Rückstand von 0g,0156 hinterlieſsen und auf Magnesia von der Asche nur 0g,018 Mg2P2O7 entfiel.

Wien, Laboratorium der k. k. Versuchsstation für Lederindustrie, März 1885.

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Vgl. Vogel (1875 215 476). Strohl und Hilger (1876 221 183). Hehner (1877 226 559). Huber (1878 230 370). Donath (1879 233 80). Witz bezieh. Bachmeyer (Zeitschrift für analytische Chemie, 1876 S. 108 u. 1883 S. 229).

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