Titel: H. Gruson und R. Handrick's geschlossener Wärmemotor.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256 (S. 156–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/ar256067

H. Gruson und R. Handrick's geschlossener Wärmemotor.

Mit Abbildung auf Tafel 10.

Die Erzielung eines geschlossenen Kreisprozesses ist bei den geschlossenen Heiſsluftmaschinen gelungen und bei den Dampfmaschinen durch Zurückführung des benutzten Abdampfes in den Dampfkessel herbeizuführen versucht. Die Rückführung des benutzten Arbeitsgases nach vollbrachter Arbeitsleistung in den Ursprungsbehälter wollen nun H. Gruson und R. Handrick in Buckau-Magdeburg (* D. R. P. Kl. 46 Nr. 22 786 vom 13. August 1882) durch einen Strahlapparat herbeiführen, welcher die zum Betriebe des Motors gebrauchte elastische Flüssigkeit nicht in condensirtem, sondern in elastisch flüssigem (gasförmigem) Zustande in den Kessel zurücktreibt und also die aus der bisherigen Maschine unausgenutzt entweichende Wärme für die beständige Unterhaltung des Beharrungszustandes wieder nutzbar macht. Theoretisch beruht also die Erfindung auf einer Verallgemeinerung des dem Giffard'schen Injector zu Grunde liegenden mechanischen Prinzipes, d.h. auf der Anwendung dieses Injectors zum Ansaugen und Treiben von Dämpfen und bleibenden Gasen. Bei dem gewöhnlichen Giffard'schen Injector strömt mehr oder weniger stark gespannter Dampf (gewöhnlich Wasserdampf) über ein Gefäſs, in welchem sich eine tropfbare Flüssigkeit (gewöhnlich Wasser) befindet, deren Temperatur so bemessen ist, daſs sich der einströmende Dampf bei der Berührung mit der Flüssigkeit niederschlägt. In Folge dieser Condensation vermindert sich das Volumen des Dampfes, während die demselben innewohnende lebendige Kraft unvermindert bleibt, und hierdurch sind die ursprünglichen dampfförmigen, nunmehr tropfbar flüssigen Theilchen im Stande, nicht nur selbst in ein Gefäſs (Kessel), in welchem sich Dampf von höherer Spannung befindet, einzudringen, sondern auſserdem auch andere mitgerissene flüssige Theile in denselben zu befördern.

Die bisherigen Constructionen des Giffard'schen Injectors nutzen dieses Prinzip lediglich zum Ansaugen einer tropfbaren Flüssigkeit bezieh. zum Speisen eines Kessels mit derselben aus; dagegen läſst es sich theoretisch übersehen, daſs auch eine elastische (gasförmige) Flüssigkeit unter gewissen Voraussetzungen dem gegebenen Antriebe folgen und in einen unter Druck stehenden Behälter geschafft werden muſs, wenn die Grundbedingung der Raum Verminderung der saugenden Flüssigkeit erfüllt ist. Dies ist aber der Fall, wenn der Betriebsdampf des Injectors physikalisch so beschaffen ist, daſs er sich bei der Berührung mit dem zum Betriebe der Maschinen dienenden Dampfe condensirt, und ein zu dem Zwecke gebauter Apparat wirkt unter der Bedingung, daſs für den Injector und für den Motor zwei Dämpfe von verschiedenen Condensationstemperaturen angewendet werden, derart, daſs sich der |157| Dampf des Injectors bei der Berührung mit dem Dampfe des Motors verflüssigt. Die Richtigkeit der vorstehenden Schlüsse wurde durch ausgedehnte praktische Versuche, welche die Erfinder mit einer Dampfmaschine anstellten, bestätigt.

Bei der in Fig. 15 Taf. 10 dargestellten Anordnung wird der Inhalt des Kessels A zum Betriebe der Maschine und der Kessel B zum Betriebe des Injectors C benutzt. Während das Betriebsgas durch ein Rohr D in die Maschine gelangt, wird es durch das Rohr E in den Injector C geschafft. Will man z.B. den Injector anwenden, um in eine gewöhnliche Wasserdampfmaschine den verbrauchten Abdampf zurückzuführen, so müſste der Injector mit solchem Dampf betrieben werden, welcher sich bei der Berührung mit Wasserdampf condensirt, also z.B. mit Quecksilber- oder ähnlichen Dämpfen von hoher Condensationstemperatur.

Praktisch dürfte nun die Erfindung eben wegen der hohen Condensationstemperaturen und der damit verbundenen Unzuträglichkeiten in dieser Richtung nur ausnahmsweise verwendet werden. Wird zum Betriebe des Injectors Wasserdampf oder Dampf von ähnlicher physikalischer Beschaffenheit benutzt, so könnten zum Betriebe des Motors dienen: Aether, Alkohol, Aceton, Chloroform, Chlorkohlenstoff, Schwefelkohlenstoff, Ammoniak, Schwefligsäure u.s.w., bei deren Berührung mit Wasserdampf letzterer sich verflüssigt.

Die eigentliche Wärme- und Arbeitsquelle ist der Injectorkessel B, da der Injector die Wärmemenge, welche in der Maschine in Arbeit umgesetzt wird, sowie diejenige, welche durch Abkühlung u.s.w. nach auſsen verloren geht, ersetzt und die in dem Behälter A befindlichen Dämpfe theoretisch auf ihrer Spannung erhält, ohne daſs denselben weitere Wärme zugeführt wird. Da demgemäſs für die Wirkung des Apparates nur die Spannung und die niedrige Temperatur der Kesseldämpfe maſsgebend ist, welche die Injectordämpfe condensiren lassen müssen, so kann man an Stelle des Kesseldampfes ebenso gut ein nicht verflüssigbares Gas nehmen, wenn man dasselbe auf mechanischem Wege in dem Behälter A bei niedriger Temperatur verdichtet. Bei der gezeichneten Maschine ist als ein solches Gas atmosphärische Luft vorausgesetzt.

Der Kessel A ist mit verdichteter Luft gefüllt. In dem Kessel B wird Wasserdampf erzeugt. Die in den Injector gelangende, gebrauchte Arbeitsluft wird dann den durch das Rohr F strömenden Wasserdampf niederschlagen und von diesem wieder zurück in den Kessel A gepreſst. Das niedergeschlagene Dampfwasser sammelt sich am Boden des Kessels und wird durch eine Pumpe in den Kessel B gedrückt.

Da der Injector mehr Dampf verbraucht, als demselben theoretisch zur Herbeiführung des Beharrungszustandes in dem Prozesse zugeführt werden müſste, so ist es nöthig, die überflüssige Wärme durch Abkühlung zu entfernen, wie z.B. durch einen Kühlapparat H, aus welchem |158| das Rohr E ununterbrochen berieselt wird. Noch einfacher gestaltet sich die Maschine, wenn man an Stelle der verbrauchten Luft dem Kessel durch den Injector beständig frische Luft zuführt und die erstere entweichen läſst; dann fallen das Rohr E und der Kühlapparat H fort, d.h. es treten an Stelle derselben je eine einfache Oeffnung in dem Injector und dem Motor, während die übrige Maschine unverändert bleibt. Druckverluste gleicht die kleine Pumpe J aus.

Für eine zweite in der Patentschrift veranschaulichte Maschine ist als Betriebsflüssigkeit im Kessel A Ammoniakgas vorausgesetzt.

Um die abzukühlende, condensirende Wirkung dem betreffenden Gase nicht allein zu überlassen, bringen Gruson und Handrick (D. R. P. Kl. 46 Zusatz Nr. 23 435 vom 2. September 1882) behufs beschleunigter Abkühlung des Injectordampfes Wasser mit demselben in Berührung.

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