Titel: Fernwasserstandszeiger für Dampfkessel u. dgl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256 (S. 241–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/ar256093

Lefèvre und Renaux's bezieh. Lompert und Langensiepen's Fernwasserstandszeiger.

Patentklasse 13. Mit Abbildungen auf Tafel 16.

Während in der Regel zum Anzeigen des Wasserstandes in einem Behälter auf gröſsere Entfernungen elektrische Leitungen benutzt werden (vgl. z.B. Siemens und Halske 1881 240 * 113. 1882 244 * 293. Silvertown Company 1882 245 107. 192. May 1883 250 * 438), dient bei den nachstehend beschriebenen beiden Apparaten, welche insbesondere für Dampfkessel bestimmt sind, eine Wasserdruckleitung zur Uebertragung. Beide Apparate sind daher geeignet, nicht nur den Wasserstand, sondern zugleich auch die Dampfspannung im Kessel in dem Zimmer des Betriebsleiters einer Fabrik oder an sonstigem Orte jederzeit anzugeben.

In Fig. 1 bis 5 Taf. 16 ist nach den Annales industrielles, 1884 Bd. 2 S. 260 eine Vorrichtung von B. Lefèvre und P. Renaux in Paris (vgl. auch * D. R. P. Nr. 21 779 vom 1. Oktober 1882) abgebildet. In einem senkrecht auf dem Kessel befestigten Rohre e (Fig. 1) bewegt sich ein kleiner Kolben b, dessen Stange unten durch Gelenk mit einem Schwimmerhebel L verbunden ist (vgl. Fig. 4), so daſs der Kolben beim Steigen und Fallen des Wasserstandes in entsprechend geringerem Maſse auf und ab bewegt wird. Dabei wirkt die auch nach oben verlängerte und in ein Gehäuse g eintretende Kolbenstange durch Hebelverbindungen hik zugleich auf einen Zeiger, welcher dem Kesselwärter den Wasserstand angibt. In der Wandung des Rohres e sind, gleichmäſsig vertheilt, eine Anzahl Längskanäle angebracht, deren untere Mündungen auf einer Schraubenlinie liegen, während an ihre oberen Mündungen enge Röhren angeschlossen sind, welche, zu einem Seile E (Fig. 3) zusammengewunden, nach dem Orte führen, wo der Wasserstand angezeigt werden soll. Oberhalb der höchsten Kanalmündung befindet sich im Rohre e eine ins Freie führende Oeffnung f (Fig. 1), so daſs in dem Raume über dem Kolben b, also auch in den über dem Kolben mündenden Leitungsröhren Atmosphärendruck herrscht, während die unter dem Kolben mündenden Leitungen der Kesselspannung ausgesetzt sind. Die Röhren werden sich bald nach der Inbetriebsetzung mit Dampfwasser füllen und damit gefüllt bleiben.

An dem in Fig. 3 und 5 veranschaulichten Anzeigeapparate münden die Röhren (mit Ausnahme einer) in zwei parallelen Gehäusen und zwar jede Röhre in eine durch eine Gummiplatte abgeschlossene Kammer, so daſs ein hinter der Gummiplatte befindlicher, auf einer Feder ruhender kleiner Kolben n um ein bestimmtes Stück, etwa 1mm, zurückgedrängt wird, sobald in der betreffenden Röhre die Kesselspannung eintritt. Die Kolben wirken auf Stellschrauben r, welche sich jederseits in einem oben aufgehängten Hebel befinden, so daſs durch den untersten Kolben ein |242| kleinster, durch den obersten Kolben ein gröſster Ausschlag des Hebels hervorgerufen wird. Durch Gelenkstangen u, Zahnbogen p u.s.w. wird die Bewegung dann weiter auf den oberen Zeiger dieses Apparates (vgl. Fig. 3) übertragen. Der untere Zeiger gehört zu einem gewöhnlichen Manometer, zu welchem eine der Röhren führt. Der Kanal des Rohres e (Fig. 1), von welchem diese Röhre ausgeht, mündet so tief, daſs der Kolben b stets oberhalb seiner Mündung bleibt. Passend angebrachte Federn o1 und o2 (Fig. 5) stellen bei übermäſsigem Dampfdrucke wie bei zu niedrigem Wasserstande Stromschluſs in einer elektrischen Leitung her, wodurch ein Läutewerk o. dgl. zur Wirkung gebracht werden kann.

Nach einer Mittheilung in der Revue universelle, 1884 Bd. 16 S. 167 war diese Einrichtung im Mai 1884 schon 16 Monate in den Werkstätten der Société générale des Téléphonen in Paris und in Bezons im Betriebe und hatte sich dort so gut bewährt, daſs diese Gesellschaft selbst die Ausführung und den Vertrieb des Apparates übernahm. Ein Verstopfen der engen Röhren dürfte (abgesehen von den Kanalmündungen im Rohre e) auch kaum zu befürchten sein, da stets dasselbe Wasser darin bleiben wird. Der Theil des Rohres e, welcher die Kanalmündungen enthält, kann abgenommen und gereinigt werden. Die Herstellung des Rohres e aus zwei in einander verschiebbaren Theilen hat den Zweck, den fertigen Apparat dem Wasserstande jedes beliebigen Kessels bequem anpassen zu können.

Erheblich einfacher ist die in Fig. 7 Taf. 16 in drei Formen B, B1 und B2 schematisch dargestellte Einrichtung von E. Lompert und R. Langensiepen in Buckau-Magdeburg (* D. R. P. Nr. 28325 vom 20. November 1883). An den Kessel A ist oberhalb des höchsten und unterhalb des tiefsten Wasserstandes je eine Rohrleitung a bezieh. b angeschlossen; beide sind mit Wasser gefüllt zu denken. In die Leitung a ist dicht am Kessel ein hinreichend weiter Wassersack a1 eingeschaltet, damit a stets bis zur Mündung in den Kessel mit Wasser gefüllt bleibt. An dem Orte, wo der Wasserstand angezeigt werden soll, sind beide Leitungen durch ein U-förmiges Rohr c verbunden, welches bei B und B1 Quecksilber enthält. Da nun die Wassersäule, welche auf dem Quecksilberspiegel des mit a verbundenen Schenkels lastet, constant bleibt, die andere aber sich mit dem Wasserstande im Kessel ändert, so werden beide Spiegel bei dem Steigen und Fallen des Wasserstandes ein wenig schwanken. Um diese geringen Schwankungen sichtbar zu machen, ist zwischen einem der Schenkel von c und der zugehörigen Leitung a oder b noch ein enges Rohr d eingeschaltet, welches eine weder mit dem Wasser, noch mit dem Quecksilber sich mischende Flüssigkeit enthält und da, wo die letztere mit dem Wasser zusammentrifft, aus Glas besteht. Durch passende Wahl der Querschnitte von c und d ist es leicht zu erreichen, daſs die Schwankungen des Begrenzungsspiegels in d den Schwankungen des Wassers im Kessel gleich sind. Je nachdem die |243| Anzeigeflüssigkeit leichter oder schwerer ist als Wasser, ist das Rohr d wie bei B oder wie bei B1 einzuschalten.

An Stelle des Quecksilbers kann auch wie bei B2 eine biegsame, einerseits durch eine Feder belastete Platte oder ein belasteter Kolben oder auch eine Bourdon'sche Feder zwischen die Leitungen a und b eingeschaltet werden. In diesem Falle läſst sich die Bewegung der Platte bezieh. des Kolbens in bekannter Weise auf einen Zeiger übertragen, wie bei B2 angedeutet ist. Das Rohr d fällt dann fort.

Wenn es erwünscht ist, bei Erreichung des niedrigsten oder des höchsten Wasserstandes ein Nothsignal zu geben, so kann die an B1 angeschlossene Lärmvorrichtung C D benutzt werden. Der eine Schenkel des U-förmigen, gleichfalls Quecksilber enthaltenden Rohres e ist möglichst eng gehalten, um die Schwankungen des Quecksilberspiegels in demselben recht groſs zu machen. Dieser Spiegel tritt bei dem anzukündigenden niedrigsten oder höchsten Wasserstande mit einem Pole einer elektrischen Leitung in Berührung, so daſs, da der andere Pol stets im Quecksilber liegt, ein Stromschluſs hergestellt und ein Läutewerk D in Thätigkeit gesetzt wird. Die Anordnung kann auch leicht so getroffen werden, daſs ein durch Stromschluſs gesperrtes Läutewerk im gegebenen Augenblicke ausgelöst wird.

Um diese Vorrichtungen auf ihre Zuverlässigkeit jederzeit prüfen zu können, kann an die Leitung ein kleiner Cylinder E mit einem von Hand bewegbaren Kolben angeschlossen sein. Sperrt man dann bei g ab, so kann man durch Heben des Kolbens, z.B. in Rohr e, den Stromschluſs herbeiführen. Denselben Zweck kann man auch dadurch erreichen, daſs man an einer Stelle, z.B. bei h, die Leitung schlieſst und durch einen dicht darüber liegenden Hahn i etwas Wasser austreten läſst.

Die für die praktische Anwendung des Apparates bestimmte Ausführungsform ist in Fig. 6 Taf. 16 dargestellt. Das U-förmige Rohr c ist durch einen Napf ersetzt, welcher durch eine in das Quecksilber eintauchende Glocke in die beiden Kammern c1 und c2 geschieden ist. c1 steht durch das Glasrohr d, welches noch von einem weiteren Glasrohre k umschlossen ist, mit der Leitung a und c2 unmittelbar mit der Leitung b in Verbindung. Oben ist ein gewöhnliches Manometer aufgesetzt.

Gegenüber dem erstbeschriebenen französischen Apparate hat der Apparat von Lompert und Langensiepen auſser der gröſseren Einfachheit noch den Vorzug, daſs nicht nur der Wasserstand in einzelnen Stufen, sondern sein stetiges Sinken oder Steigen im Kessel an den entfernten Orten sichtbar gemacht wird.

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