Titel: Ueber Neuerungen an Wasserröhrenkesseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256 (S. 425–428)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/ar256159

Ueber Neuerungen an Wasserröhrenkesseln.

Patentklasse 13. Mit Abbildungen auf Tafel 26 ff.

(Vgl. die Berichte Bd. 244 * S. 342. Bd. 251 * S. 245. Bd. 254 * S. 363.)

Kessel mit hängenden Röhren.

J. Prégardien in Deutz a. Rh. (* D. R. P. Nr. 24012 vom 7. Februar 1883) hat an den Walzenkesseln mit unten angehängten Wasserrohren eine Anzahl Neuerungen angebracht. Zur bequemen Reinigung der Bohren von auſsen sind dieselben, wie aus Fig. 3 Taf. 26 ersichtlich, am unteren Ende durch einen schüsselförmigen Deckel verschlossen, welcher ohne Verpackung mittels Bügel und Schraube auf eine kegelförmige Verstärkung des Rohrendes aufgepreſst ist. Das gleiche Patent betrifft noch die Anordnung von Schutzwänden, welche zwischen dem Schlammsammler und den Röhren in den Kessel eingesetzt sind und möglichst verhindern sollen, daſs die Niederschläge in die Röhren hinein gelangen.

Die letztere Einrichtung ist bei einer neueren Construction von Prégardien (vgl. * D. R. P. Nr. 27932 vom 11. Januar 1884, Zusatz zu Nr. 24012), welche in Fig. 1 und 2 Taf. 26 veranschaulicht ist, weiter ausgebildet. In dem Kessel ist eine zur Wandung ungefähr concentrische Schale ein wenig geneigt angebracht, in welche ein entgegengesetzt geneigter Zwischenboden BF eingelegt ist, und auf diesen, wie auf den Boden der Schale, sind die senkrechten Bleche E aufgesetzt, welche die Niederschläge zurückhalten sollen. Die Schale reicht mit den Seitenwänden, wie auch an den Enden bei C und F über den höchsten Wasserspiegel hinaus. Das Speisewasser, welches früher in den Schlammstutzen S eingeführt wurde, strömt hier in den oberen Theil der Schale bei A ein und muſs daher erst über sämmtliche Querwände E hinweg flieſsen, ehe es in die Röhren gelangen kann. Die Querwände werden sowohl von A nach B, als von C nach D hin allmählich höher, wodurch den fortschreitend an Menge geringer und specifisch leichter werdenden Niederschlägen ein allmählich wachsender Widerstand geboten werden soll. In den oberen Boden BF der Schale sollen eine Anzahl senkrechter kurzer Röhren eingesetzt werden, welche dem unter BF sich etwa bildenden Dampfe den Abzug gestatten. Der in den Röhren entwickelte Dampf kann zwischen Kesselwand und Schale unbehindert aufsteigen. Da die Schale den Heizgasen nicht ausgesetzt ist, so wird der Schlamm sich leicht aus derselben entfernen lassen; dieselbe ist so eingerichtet, daſs sie im Kessel selbst schnell aus einander genommen werden kann.

F. C. Keller in Stolberg bei Aachen (Erl. * D. R. P. Nr. 21117 vom 13. Mai 1882) hat wie Prégardien bei einer früheren Construction (1881 241 * 90) die Röhren zwischen zwei Kessel eingesetzt, hierbei jedoch, wie aus Fig. 4 Taf. 26 ersichtlich, dem Boden des oberen Kessels eine |426| zum unteren Kessel concentrische Form gegeben, so daſs die radialen Röhren senkrecht zu beiden Wandungen stehen. Hierdurch soll das Einsetzen, Auswechseln und Abdichten der Röhren erleichtert werden. Der nach innen gewölbte Boden hat nur über dem Roste, wo sich keine Röhren befinden, eine besondere Verankerung erhalten. Im Uebrigen sollen demnach die Röhren dem oberen Kessel die nöthige Festigkeit geben, was schwerlich der Fall sein wird.

Der in Fig. 5 Taf. 26 abgebildete Kessel von H. Wilcke in Berlin (Erl. * D. R. P. Nr. 23667 vom 19. Januar 1883), bei welchem ebenfalls die Röhren zwischen zwei Kesseltheilen A und B eingeschaltet sind, hat Aehnlichkeit mit den Kesseln von Kux (1880 238 * 265. 1882 244 * 343). Die Rohrplatten sind wie bei jenen eben. Behufs Erzielung eines lebhaften Wasserumlaufes ist ein Theil der Röhren auſserhalb des Feuerzuges angeordnet. Der Rost befindet sich vor B unter dem überhängenden vollcylindrischen Theile von A, von dem ein Schlammstutzen F mit Umlaufrohr G bis unter den Rost hinabreicht. Hierdurch sollen die Schlamm- und Kesselstein-Ablagerungen der Einwirkung der Heizgase entzogen werden, indem die in F hervorgerufene Wasserströmung das Ansammeln der Niederschläge in dem vorderen Theile von A verhindern soll. Unter Umständen sollen auch in die Röhren C enge Umlaufrohre eingehängt werden.

Behufs bequemer Einbringung der Röhren zwischen zwei feste Wände, insbesondere bei der in Fig. 7 Taf. 26 angedeuteten Anordnung der Röhren innerhalb eines flachen Flammrohres hat C. Oertling in Neumünster i. H. (Erl. * D. R. P. Nr. 21822 vom 5. Juli 1882) die in Fig. 8 Taf. 26 veranschaulichte Befestigungsart der Röhren in Vorschlag gebracht. In die Röhren sind beiderseits kegelförmig abgedrehte Mundstücke eingelöthet. Das untere Mundstück c wird unmittelbar in die untere Rohrwand eingesetzt, das obere aber durch einen in die obere Rohrwand eingeschraubten Kupferring d, welcher mittels eines Bleiringes m abgedichtet wird, gehalten. Die Oeffnung der oberen Rohrwand ist so groſs, daſs man das einzusetzende Rohr zunächst in etwas geneigter Lage von unten durch dieselbe hindurchschieben und dann senkrecht in die untere Rohrwand einstellen kann. Um in der Mitte einer Rohrreihe ein Rohr auszuwechseln, ist es allerdings nöthig, zuvor alle Rohre bis zu dem betreffenden herauszunehmen. Die Vortheile dieser Rohrbefestigung sollen darin bestehen, daſs der Raum über den Röhren (welcher zwar, schon behufs Einbringens der Ringe d, befahrbar sein muſs) nicht so hoch zu sein braucht, als wenn die Röhren von oben eingeschoben werden, und daſs der auf die Rohrplatten wirkende Druck das Dichthalten der Röhren befördert.

Einen stehenden Kessel, bei welchem nach Art des Bergmann'schen (vgl. 1872 204 * 97) eine gröſsere Anzahl Field'scher Röhren in den Boden eingehängt sind und einen mittleren weiten Schlammstutzen kranzförmig |427| umgeben, will Vr. Machovsky in Prag (Erl. * D. R. P. Nr. 22395 vom 6. Juni 1882) mit gewöhnlichen Flammrohr- oder Vorwärmerkesseln durch Stutzen derart in Verbindung bringen, daſs die Röhren von den abziehenden Heizgasen bestrichen werden. Die Einrichtung ist hiernach hauptsächlich zur Vergröſserung der Heizfläche bei bestehenden Anlagen bestimmt.

G. F. Udelhoven in Kalk (* D. R. P. Nr. 24809 vom 23. März 1883) hat den unter Nr. 5094 patentirten Kessel (vgl. 1880 238 * 13) zunächst dahin geändert, daſs die Röhren oben in einen gemeinschaftlichen niedrigen stehenden Kessel g (Fig. 9 und 10 Taf. 26) eingesetzt sind, welcher hauptsächlich als Dampfsammler dient und nur am Boden von den Heizgasen bespült wird. Ferner sind die hohlkugelförmigen guſseisernen Köpfe, welche zum Verschlusse der unteren Röhrenenden dienten, durch cylindrische schmiedeiserne Rohrköpfe ersetzt. Die Verbindung derselben unter einander ist mittels beiderseits eingewalzter Rohrstücke hergestellt. Im Boden jedes Rohrkopfes ist für die Reinigung ein Deckel mit Bügel und Schraube befestigt. Die Röhren erhalten einen inneren Durchmesser von 150mm, die Rohrköpfe einen solchen von 200mm; die Höhe der letzteren beträgt gleichfalls 200mm.

In Fig. 11 bis 15 Taf. 26 ist ein Kessel von St. Lentner in Breslau (* D. R. P. Nr. 29874 vom 29. Mai 1884) abgebildet. Die verhältniſsmäſsig langen Röhren h von 93mm lichter Weite, in welchen die Umlaufröhren b hängen, sind im Boden eines kurzen Walzenkessels befestigt und zwar sämmtlich parallel zu einander, was die Abdichtung der äuſseren Röhren erschweren wird. Die Röhren sind am unteren Ende nicht geschlossen, sondern reihenweise in guſseiserne Kasten c (vgl. Fig. 13 und 15) eingesetzt, welche unter der den Feuerzug nach unten abschlieſsenden Guſseisenplatte g liegen, also den Heizgasen nicht ausgesetzt sind. Die Kasten stehen an beiden Enden mit einander in Verbindung (vgl. Fig. 14) und werden mittels der angegossenen Knaggen d mit einander zu einem starren Ganzen verschraubt. In den Böden derselben sind den Röhren gegenüber Oeffnungen angebracht, durch welche nicht nur die Niederschläge entfernt, sondern auch die Röhren nach unten herausgezogen werden können. Allerdings ist dazu ein hinreichend tiefer Raum unter dem Kessel erforderlich. Die Heizgase werden durch Guſseisenplatten e und f in bekannter Weise mehrfach zwischen den Röhren hindurchgeführt und bestreichen schlieſslich auch noch den Walzenkessel fast in seiner ganzen Ausdehnung.

Hinsichtlich der Ablagerung des Schlammes und Kesselsteines dürfte diese Construction (welche in einzelnen Punkten wohl noch verbesserungsfähig ist) den gewöhnlichen Field'schen und ähnlichen Kesseln, bei welchen die unteren geschlossenen Rohrenden der Einwirkung der Heizgase ausgesetzt sind, vorzuziehen sein, da bekanntlich der Hauptübelstand der letztgenannten Kessel darin liegt, daſs der Schlamm u.s.w., welcher |428| sich namentlich während der Betriebsunterbrechungen (z.B. des Nachts) unten in den Röhren ablagert, später festbrennt, ehe er durch kräftige Wasserströmungen wieder nach oben gerissen werden kann.

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