Titel: Verfahren zur Entzuckerung der Melasse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 8 (S. 48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi01_8

Verfahren zur Entzuckerung der Melasse.

Wenn man nach V. L. Ch. Daix in St. Quentin und A. L. Possoz in Paris (D. R. P. Kl. 89 Nr. 30686 vom 9. Mai 1884) bei einer Temperatur von 0 bis 15° 18 bis 20 Proc. Zucker haltige Flüssigkeiten für je 100 Th. Zucker mit 100 bis 120 Th. Kalk mischt, so bleibt das Gemenge so flüssig, daſs es durch Filterpressen getrieben werden kann. Wenn man dagegen unter denselben Temperatur- und Lösungsverhältnissen und mit den gleichen Mengenverhältnissen pulverisirten Aetzkalk mit Lösungen von Exosmose-Melasse von dem gleichen oder von noch höherem Zuckergehalte mengt, so läſst sich dieses Gemenge nicht durch die Filtertücher der Filterpressen treiben; dasselbe ist nicht flüssig, hat vielmehr die Form einer steifen Gallerte. Wenn man aber die Temperatur über + 40° erhöht, so beginnt diese Gallerte flüssig zu werden, ist zwischen 60 und 120° ganz flüssig und bleibt flüssig; dagegen entsteht ein reichlicher pulverförmiger Niederschlag, welcher ein ganz, eigenthümliches Kalksaccharat darstellt. Dieser Niederschlag läſst sich sehr gut in der Filterpresse filtriren und mit heiſsem Wasser und Dampf aussüſsen. Wenn man die Mutterlaugen und Waschwässer auf diese Weise durch ein- oder mehrmaligen Zusatz von Kalk behandelt, wird fast aller Zucker aus denselben gewonnen. Dieselbe Erscheinung der Gallertebildung in der Kälte findet statt, wenn man die Exosmosewässer mit den Wässern der Reosmose oder den letzten Melassen der Osmose mischt.

Durch Darstellung dieses sogen. „osmotischen Super-Kalksaccharates“ soll nun erreicht werden, aus den Osmosewässern und anderen Osmoserückständen die gröſstmögliche Zuckermenge zu erzielen, um dasselbe alsdann zur Reinigung des Rübensaftes und der osmosirten Melassen und Syrupe zu verwenden.

Man kann auch aus den Osmosewässern und anderen Rückständen der Osmose ein osmotisches dreibasisches Kalksaccharat in der Weise erzielen, daſs man Kalk in diesen Osmoserückständen in einem Verhältnisse, welches nöthig ist, um den Zucker mit 1 Aeq. Kalk zu verbinden, löst und die Lösung auf 100 bis 130° erhitzt. Diese decantirte oder filtrirte und auf 100 bis 130° erhitzte Lösung ergibt als Niederschlag ein dreibasisches Kalksaccharat, welches sich ebenso gut wie das mit anderen Stoffen als den Osmose- und Exosmoserückständen erzielte pressen und warm aussüſsen läſst und zum Reinigen der osmosirten Syrupe verwendet werden kann. Ersteres Verfahren soll jedoch eine bessere Ausbeute geben.

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