Titel: Wäscherei-Maschinen auf der Londoner Gesundheitsausstellung 1884.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 1 (S. 91–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi02_1

Wäscherei-Maschinen auf der Londoner Gesundheitsausstellung 1884.

Die zahlreiche Vorführung von Maschinen zur Reinigung von Wäsche auf der vorjährigen Gesundheitsausstellung in London zeigte, daſs sich diese englischen Maschinen keineswegs auf dem ausgebildeten Standpunkte übriger Arbeitsmaschinen in England befinden. Die auſserordentlich zahlreich – von über 4000000 Personen – besuchte Ausstellung scheint das Bedürfniſs der Wäschereinigung mit Hilfe von Maschinen erst verallgemeinert zu haben, wie die nicht unbedeutenden von Ausstellern gemachten Geschäfte bezeugen, ebenso das seit Beginn der Ausstellung in London erscheinende, der Aufklärung in Wäscherei fragen gewidmete Fachblatt: The Laundry News.

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In den für gröſsere Waschanstalten berechneten, durch motorische Kraft betriebenen Maschinen fand sich nur das sogen. französische Verfahren (vgl. 1883 249 * 78) vor, wo die Wäsche in drehenden Trommeln der Einwirkung der Waschlauge ausgesetzt wird, während in den anderen auch für die Haushaltung berechneten Maschinen neben diesem Verfahren das einer mehr mechanischen Bearbeitung der Wäsche auftrat.

Th. Bradford und Comp. in Manchester hatten zwei vollständige Waschanstalten, eine für Hand-, die aridere für Motorenbetrieb vorgeführt, welche immer im Gange waren. Die Waschmaschinen bestehen aus mit Zinkblech ausgelegten achteckigen Trommeln, welche die vorher gekochte Wäsche mit der Waschlauge aufnehmen und dann 15 bis 20 Minuten lang umgedreht werden; die gröſsere Maschine ist mit einem Dampfzuleitungsrohre versehen, um die Lauge in der Trommel kochend zu erhalten. Ueber der Trommel befindet sich eine Walzenwringmaschine, durch welche die einzelnen Wäschestücke aus der Trommel gelassen werden, so daſs die Waschlauge in der Trommel zurückbleibt und die ausgepreſste Wäsche sofort zum Blauen und Stärken oder zum Trocknen gelangen kann. Es entfällt also das Spülen der Wäsche zur vollständigen Entfernung der schmutzigen Waschlauge gänzlich, was jedoch als ein Vorzug dem deutschen Verfahren gegenüber nicht anzusehen ist. Zur Trocknung dient ein Schiebertrockenapparat (vgl. 1883 249 * 83) und eine durch einen Ofen geheizte Kammer, in welcher die Wäschestücke auf schraubengangförmig an einer Säule angebrachte Stabe gehängt werden. Das Mangeln der getrockneten Wäsche geschieht auf einer Kastenmangel noch mit der etwas unvollkommenen Kastenbewegung durch Kette, oder auf einer Walzenmangel, an welcher die Druckertheilung durch eine Blattfeder erfolgt. Die Enden der gebogenen Blattfeder liegen nicht auf den Zapfenlagern oder einer geraden Schiene über denselben auf, sondern tragen kleine Rollen, welche auf seitlich aufsteigenden krummen Flächen der Schiene über den Lagern liegen. Die Einrichtung ermöglicht ein sehr leichtes Anspannen der Feder und gibt einen der Dicke der zwischen den Walzen durchgehenden Stücke immer entsprechenden Druck. Für glatte Tücher ist zum Bügeln noch eine Mangel mit geheizten Eisenwalzen vorhanden.

Eine zweite vollständige Waschanstalt für Motorbetrieb von Clements und Comp. in London war in einem besonderen aus wetterfestem Papiere nach Willesden's Patent hergestellten Hause untergebracht und im Gange. Die Waschmaschinen bestehen aus Gittertrommeln von 1m,8 im Durchmesser, welche in einer festen Trommel abwechselnd nach verschiedenen Seiten umgedreht werden. Die selbstthätige Umsteuerung der Bewegung erfolgt immer nach 3 Umdrehungen. Bei der Waschmaschine von Stephens und Woodmann in London liegt eine ebenso groſse Trommel frei auf 4 Gummirollen auf, welche in abwechselnde Umdrehung nach verschiedenen Seiten versetzt werden und der Trommel, welche die Wäschestücke an den Stirnseiten aufnimmt, diese Bewegung ertheilen. Die Trommel ist mit einem Dampfzuleitungsrohre versehen und ändert immer nach einem Umgange ihre Drehungsrichtung.

Andere namentlich auch für Hausbedarf berechnete Waschmaschinen lassen in ähnlicher Weise eine die Wäsche aufnehmende Schaufeltrommel in einem verschlossenen, bis ungefähr an seine Mitte mit der Waschlauge gefüllten Troge umdrehen. Der Trog wird unten beständig durch Dampf, Gas oder ein Kohlenfeuer erwärmt und die Waschlauge dadurch kochend erhalten, so z.B. die Maschinen von J. Greenall in Manchester sowie von Heap und Mitchell in Leeds. Die Waschmaschine von J. Heselwood in Leeds (vgl. * D. R. P. Kl. 34 Nr. 28676 vom 29. December 1883) ist ähnlich, nur daſs die Trommel aus gewelltem Blech hergestellt ist und die äuſseren Vertiefungen desselben zu Schaufelzellen ausgebildet sind, welche die Waschlauge an der tiefsten Stelle aufnehmen und an der höchsten Stelle dann durch Löcher in das Innere der Trommel auf die Wäschestücke ausgieſsen. Es findet somit ein stetiges Begieſsen der Wäschestücke mit der Waschlauge statt, welches Begieſsen später auch mit kaltem Wasser zur Reinspülung erfolgen kann, nachdem die Waschlauge abgelassen und die Schaufeln der Trommel kaltes zuflieſsendes Wasser aufnehmen.

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Während im Allgemeinen in den verschiedenen Waschmaschinen eine kochende Behandlung der bewegten Wäsche erfolgt, findet sich nur bei einigen Maschinen ein mechanisches Behandeln der Wäsche. Die Maschine von Benham und Söhne in London ist genau der Maschine von Noske (1883 249 * 82) nachgebaut; bei der Waschmaschine von Kenworthy in Oldham wird die Wäsche in einem runden Bottiche von einem frei hängenden, auf und nieder bewegten Kolben, welcher aus mehreren in einander gesteckten Kupferblechtrichtern zusammengesetzt ist, bearbeitet und bei der Waschmaschine der Highbury Company in London wirft ein abwechselnd nach verschiedenen Seiten gedrehter Flügel die Wäschestücke in einem Bottiche umher. Die beiden letzten Maschinen sind auf keinen Fall empfehlenswerth, da die Behandlung der Wäsche in denselben eine groſse Abnutzung der letzteren verursacht.

Unter den vielen vorhandenen Wringmaschinen sei nur die auch in Deutschland patentirte Maschine von J. P. Rothwell in Lytham (* D. R. P. Kl. 34 Nr. 25497 vom 11. Mai 1883) erwähnt. Die Walzenzapfen laufen bei derselben zur Verminderung der Reibung auf Rollen; zur Druckerzeugung sind Hebel in Verbindung mit Spiralfedern an Stelle der Gewichte vorhanden und an der oberen Walze sind zwei Laufrollen angebracht, welche die ausgepreſsten Wäschestücke über dieselbe wieder nach vorn zur Aufgabestelle befördern.

Von Bügelmaschinen hatten Davey und Fabian in London die Maschine von R. Amblin in London (* D. R. P. Kl. 34 Nr. 23361 vom 28. Januar 1883) im Betriebe vorgeführt. Die zu bügelnden Tücher werden bei derselben auf eine langsam sich drehende, gepolsterte Walze aufgelegt, auf welcher sich eine mit Dampf geheizte anschlieſsende Mulde in der Längsrichtung der Walze hin und her bewegt. Die Mulde kann erforderlichen Falles beim Einführen von Wäschestücken von der Walze abgehoben werden. Eine zweite Plättmaschine von H. Podger und Söhne in Bromley, über welche Engineering, 1884 Bd. 38 * S. 340 berichtet, hat ein kurzes und schmales, mit Dampf geheiztes Bügeleisen, das an einer festen Bahn hängend hin und her bewegt wird. Unter diesem Bügeleisen ruht auf einem Fuſstritte der drehbare und verschiebbare Bügeltisch, welcher durch den Fuſstritt fest an das Bügeleisen in die Höhe gedrückt wird. Es ist mit dieser Maschine auch möglich, Hemden u. dgl. zu bügeln, da der Tisch jede Bewegung leicht gestattet.

R.

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