Titel: Ueber den Einfluſs der Gestalt der Körper auf den Bewegungswiderstand im widerstehenden Mittel, insbesondere in der Luft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 2 (S. 93–94)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi02_2

Ueber den Einfluſs der Gestalt der Körper auf den Bewegungswiderstand im widerstehenden Mittel, insbesondere in der Luft.

Unter Bezugnahme auf die Bestrebungen, die Luftschifffahrt endlich aas dem Stadium des Versuches heraustreten zu lassen, theilt das Genie civils, 1884/5 Bd. 6 S. 269 aus einer in den Mémoires de la Société des Ingenieurs civils, Paris 1884 S. 111 erschienenen kurz gefaſsten Abhandlung Duroy de Bruignac's über den gegenwärtigen Stand der Luftschifffahrt die Ergebnisse der Studien des Verfassers über die Beziehungen zwischen Form und Luftwiderstand bewegter Körper mit, welche in der That allgemeinere Beachtung verdienen.

Danach hat Duroy de Bruignac schon vor mehreren Jahren gefunden, daſs der Luftwiderstand für eine genügend kleine Oberfläche der Gröſse derselben und der dritten Potenz des Sinus desjenigen Winkels proportional ist, unter welchem die Fläche vom Luftstrome getroffen wird. Später wies er nach, daſs dieses Gesetz für eine beliebig ausgedehnte ebene Oberfläche richtig bleibt, daſs indeſs der Mittelpunkt des Druckes sich in dem Maſse vom Schwerpunkte der Fläche entfernt, wie die Abmessung der Oberfläche in der Ebene des Einfallwinkels wächst. In Anwendung dieser Gesetze hat alsdann Verfasser gefunden, daſs der Widerstand der Luft auf ein Luftschiff sehr rasch abnimmt, wenn letzteres im Vergleiche zu seinem gröſsten Querschnitte länger wird, derart daſs, wenn z.B. das Verhältniſs der Längs- zur Querachse bei einem gestreckten Ballonkörper (fuseau) von 1 auf 10 wächst, der Luftwiderstand bei gleicher Geschwindigkeit im Verhältnisse 50 : 1,3 bezieh. 38 : 1 abnimmt. Würde man den Luftwiderstand, worauf es in der Praxis doch ankommt, auf Ballonkörper gleicher Tragkraft und verschiedener Achsenverhältnisse beziehen, so würde die Abnahme desselben eine noch ungleich raschere sein.

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Sollte diese Annahme durch die Erfahrung bestätigt werden, wie angestellte Versuche es hoffen lassen, so würden allerdings die vorhandenen Betriebsmittel genügen, um Luftschiffen eine weit gröſsere Geschwindigkeit zu ertheilen, als bisher erreicht wurde, vorausgesetzt, daſs es gelänge, die Formen derselben recht schlank zu gestalten. Auf Grund seiner Ermittelungen glaubt Duroy de Bruignac noch annehmen zu müssen, daſs das Luftschiff von Renard und Krebs unter sonst gleichen Umständen eine Geschwindigkeit von 10m etwa erreichen würde, wenn dasselbe mit dem schlankeren Ende voran ginge, während bei der gewählten Anordnung, wo das stärkere Ende vorn ist, bekanntlich nur eine Geschwindigkeit von 5m,50 erreicht wurde (vgl. 1884 254 * 24).

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