Titel: Nachweis von Caramel in Wein oder Rum.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 8 (S. 142–143)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi03_8

Nachweis von Caramel in Wein oder Rum.

Versetzt man nach C. Amthor (Zeitschrift für analytische Chemie, 1885 S. 30) eine mit Caramel gefärbte alkoholische Flüssigkeit mit Paraldehyd, so bildet sich ein brauner Niederschlag und die Flüssigkeit wird entfärbt.

Zur Ausführung des Nachweises werden dem entsprechend 10cc der zu untersuchenden Flüssigkeit in einem engen hohen Gefäſse mit senkrechten Wänden mit 30 bis 50cc Paraldehyd (je nach der Stärke der Färbung), hierauf mit absolutem Alkohol versetzt, bis sich die Flüssigkeiten mischen. Bei Wein sind 15 bis 20cc Alkohol nöthig. War Caramel vorhanden, so hat sich nach 24 Stunden am Boden des Gefäſses ein bräunlichgelber bis dunkelbrauner, fest anhaftender Niederschlag abgesetzt. Man gieſst jetzt die überstehende Flüssigkeit ab und wäscht zur Entfernung des Paraldehyds mit etwas absolutem Alkohol nach. Den Niederschlag löst man in heiſsem Wasser, filtrirt und engt auf 1cc ein. Aus der Stärke der Farbe kann man ungefähr auf die Menge des vorhandenen Caramels schlieſsen.

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Sind die in zu untersuchendem Weine vorhandenen Caramelmengen sehr gering, so muſs man über Schwefelsäure, am besten mit Zuhilfenahme einer Luftpumpe auf ½ oder ⅓ einengen, filtriren und nun wie oben verfahren. Eindampfen durch Erwärmen ist unbedingt zu vermeiden, da sich sonst leicht caramelartige Producte bilden können, welche zu Täuschungen Anlaſs geben. So gab ein schwach gefärbter, ganz reiner Naturwein die Caramel-Reaction nicht; dieselbe entstand aber sehr deutlich, nachdem der Wein auf ⅓ eingekocht und dann wieder auf das frühere Volumen gebracht worden war.

Zur Herbeiführung der Reaction mit Phenylhydrazin wird die filtrirte Lösung des mit Paraldehyd erzielten Caramel haltigen Niederschlages in eine frisch bereitete, klare, salzsaure Phenylhydrazinlösung von der durch E. Fischer (1884 252 483) angegebenen Concentration eingegossen. Der Niederschlag entsteht schon in der Kälte; doch kann dessen Entstehung durch ganz kurzes Erwärmen auf dem Wasserbade befördert werden. Ist sehr wenig Caramel vorhanden, z.B. wenn die Lösungen nur hellgelb gefärbt sind, so entsteht anfangs Trübung und der Niederschlag setzt sich erst nach 24 Stunden vollständig ab. Man schichtet, da die Phenylhydrazinlösung schon nach kurzem Stehen rothbraune, harzartige Producte bildet, welche die Reaction vorzüglich bei kleinen Mengen verdecken könnten, eine etwa 2cc hohe Aetherschicht in dem Reagensglase über die Flüssigkeit; der Aether nimmt, namentlich wenn man das Glas mehrmals sanft umkehrt, die harzartigen Körper mit Leichtigkeit auf und bildet damit eine mehr oder weniger gefärbte Lösung, In der unten stehenden wässerigen Flüssigkeit setzt sich der amorphe schmutzig- oder rothbraune Caramelniederschlag ab.

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