Titel: Verfahren zur Gewinnung von Schwefel aus Schwefelwasserstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 9 (S. 143)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi03_9

Verfahren zur Gewinnung von Schwefel aus Schwefelwasserstoff.

Die Oesterreichische Sodafabrik in Hruschau (D. R. P. Kl. 12 Nr. 30746 vom 26. Juli 1884) läſst den Schwefelwasserstoff durch erhitzte Sulfate von Alkalien oder alkalischen Erden streichen, wobei der Sauerstoff dieser Salze sich mit dem Wasserstoffe des Schwefelwasserstoffes zu Wasser verbindet, während das betreffende Schwefelmetall zurückbleibt und freier Schwefel abflieſst. Durch darauf folgendes Einblasen von atmosphärischer Luft bei fortdauernder Einwirkung von Hitze kann das Schwefelmetall wieder zu Sulfat oxydirt werden, welches neuerlich Verwendung findet.

Bei der praktischen Durchführung dieses Prozesses, welcher zur Verwerthung der bei der Sodafabrikation nach dem Leblanc'schen Verfahren sich ergebenden Rückstände besondere Vortheile bieten soll, wird der zu verarbeitende Schwefelwasserstoff durch ein zur Rothglut erhitztes, vorzugsweise mit Gypsstücken gefülltes Röhrensystem geleitet, dessen anderes Ende mit einem Condensator für den flüssigen Schwefel in Verbindung steht. Die hierbei stattfindende Reaction wird durch folgende Gleichung ausgedrückt: CaSO4 + 4H2S = CaS + 4H2O + 4S.

Um bei dem Prozesse jede Möglichkeit einer Verbindung des frei werdenden Sauerstoffes mit dem Schwefel zu verhüten, leitet man beständig einen Ueberschuſs an Schwefelwasserstoff zu, so daſs jedes Sauerstoffatom im Entstehen immer eine genügende Menge der gröſsere Affinität besitzenden Wasserstoffatome vorfindet. Der auf diese Weise in die Condensationskammern gelangte Schwefelwasserstoff wird wieder in die zur Herstellung dieses Gases dienende Lauge (vgl. H. v. Miller und C. Opl 1884 253 350) geleitet und so weiter verarbeitet.

Ist sämmtlicher Gyps zu Schwefelcalcium reducirt, so leitet man das zu zersetzende Schwefelwasserstoffgas durch einen Apparat gleicher Einrichtung, in welchem sich der Prozeſs in gleicher Weise vollzieht, während man in den ersten Apparat atmosphärische Luft einbläst, um das Schwefelcalcium wieder zu Calciumsulfat zu oxydiren.

Behufs Verwerthung der bedeutenden Menge von Wärme, welche bei diesem Oxydationsprozesse frei wird, sind die beiden im Vorstehenden erwähnten zusammengehörigen Röhrensysteme so mit einander verbunden, daſs die in einem Röhrensysteme frei werdende Wärme das Alkali- oder Erdalkalisulfat im anderen Röhrensysteme erhitzt.

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