Titel: Verfahren zum Rohglasiren von Ofenkacheln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 7 (S. 191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi04_7

Verfahren zum Rohglasiren von Ofenkacheln.

Die bisherigen Bemühungen, die Glasur auf die rohen Kacheln aufzutragen, so daſs Thonmasse und Glasur in einem Feuer gar gebrannt werden, scheiterten daran, daſs diese Glasur leicht abfiel, sich beim Einbrennen zusammenzog und unglasirte Stellen zurücklieſs. Nach E. Krzen wird nun die lufttrockene, staubfreie Kachel zunächst mit Leimwasser von etwa 5° B. begossen und dann etliche Stunden an der Luft trocknen gelassen. Auf die so vorbereitete Kachel kommt als Beguſs die Hafner-Glasurschlempe. Diese Masse wird hergestellt, indem man auf je 100 Th. Hafner-Glasurmasse 3 Th. weiſsbrennenden Thon, welcher zum erdigen weiſsen Kalkbegusse entsprechend ist, hinzufügt. Die Masse wird mit verdünntem Leimwasser (1 Th. Leimlösung von 50 B. und 3 Th. Wasser gemischt) zu einer dem Begusse entsprechenden Schlempe angemacht und damit die Kachel begossen. Alles Uebrige bleibt, wie die Hafner es jetzt ausführen; nur ist es räthlich, bei stark schwindendem Thon einen längeren Zeitraum, als jetzt üblich, bis zum Brennen einzuräumen.

Die angewendete Leimlösung ist sogen. Essigleim und wird auf folgende Weise dargestellt: Gewöhnlicher Tischlerleim, in kaltem Wasser gequollen, wird durch Erwärmen mit der gleichen Menge Essigsäure in Lösung gebracht und dann mit Wasser bis auf die Dichte von 5° B. verdünnt. Zu viel Leim im Leimwasser schadet der Glasurausbreitung auf der Oberfläche der Kachel. Die Essigzugabe verhindert das Gelatiniren der Leimlösung und das schnelle Absetzen der Glasur. (Aus den Mittheilungen des Bayerischen Gewerbemuseums durch die Thonindustriezeitung, 1885 S. 125.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: