Titel: Zur Theorie des Telephons.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 3 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi05_3
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Zur Theorie des Telephons.

Im Centralblatt für Elektrotechnik, 1884 * S. 790 veröffentlicht V. Wietlisbach in Bern einen Beitrag zur Theorie des Telephons. Im Anschlusse an die früher von H. Helmholtz bezieh. H. Aron in Wiedemann's Annetten, 1878 Bd. 5 S. 448 bezieh. 1879 Bd. 6 S. 403 für den Fall der Verwendung eines magnetelektrischen Telephons als Geber oder eines Mikrophons in dem nämlichen Schlieſsungskreise mit dem empfangenden Telephon gefundenen Formeln, nach denen im ersteren Falle die hohen Töne, im zweiten die tiefen Töne den anderen gegenüber verstärkt wiedergegeben werden, entwickelt Verfasser zunächst die Formeln für die Annahme, daſs das Mikrophon und das Telephon in zwei verschiedenen, durch eine Inductionsspule mit einander verbundenen Stromkreisen liegen, und findet, daſs dabei je nach den Verhältnissen entweder die tiefen, oder die hohen Töne verstärkt werden können. Er erörtert dann den Einfluſs der Constructionsverhältnisse des Telephons auf das magnetische Feld und die Veränderungen der Intensität desselben durch die Bewegungen der Membran vor dem Pole bezieh. den Polen des Magnetes und findet, daſs es besser sei, wenn die Membran annular magnetisch, als wenn dieselbe transversal magnetisch wird. Richtige Abmessung des Magnetismus des Eisenkernes genügt bei den einfachen. Büschen Telephonen, diesen Zweck zu erreichen. Man wendet aber auch verschiedene künstliche Mittel an; Ader belegt zu diesem Zwecke den Rand der Membran mit einem massigen Eisenringe (der „surexcitatrice“); d'Arsonval bildet – wie dies vor ihm auch schon Werner Siemens gethan hat – den Magnet hufeisenförmig, den zweiten Pol ringförmig und legt denselben auf den Rand der Membran; Fein begnügt sich, den zweiten Pol in die Nähe des Randes der Membran zu bringen. Ein sehr häufig benutztes Mittel, die Entwickelung eines Transversalmagnetes zu verhindern, ist die Anwendung eines hufeisenförmigen Magnetes, dessen beide Pole der Membran symmetrisch gegenüber gestellt werden. Man erhält alsdann entsprechend den zwei Polen des Magnetes zwei solche, aber von entgegengesetzten Zeichen in der Membran. Es ergeben sich dadurch zwei Angriffspunkte der Kraft, welche aber excentrisch angreifen. Dieser letztere Umstand hat noch einen wesentlichen Nachtheil. Bekanntlich kann eine Membran eine ganze Reihe von Tönen geben, welche durch verschiedene Knotenlinien charakterisirt sind. Es ist nun vorauszusehen, daſs in vorliegendem Falle, wo die Membran unter dem Einflüsse von zwei excentrisch angreifenden Kräften schwingt, diejenigen Töne hervorgerufen werden, deren Bäuche durch jene Angriffspunkte hindurchgehen. Eine solche Membran wird deshalb auſser den erzwungenen noch freie Schwingungen ausführen, welche jenen Bäuchen entsprechen, und die Klangfarbe dadurch geändert werden. In der That geben die Telephone mit Hufeisenmagneten die Klangfarbe nie ganz rein wieder, sondern immer mehr oder weniger entstellt und selten so, daſs der Sprechende sofort erkannt werden könnte; sie eignen sich hauptsächlich als Sender, wo die freien Schwingungen der Membran durch die Luftschwingungen vernichtet oder wenigstens stark gedämpft werden.

Ein anderer wichtiger Umstand ist der remanente Magnetismus der Membran. Es ist klar, daſs, je mehr remanenten Magnetismus die Platte aufnimmt, sie um so weniger empfindlich gegen die kleinen Schwankungen des Kraftfeldes wird, in welchem die Platte sich befindet. Die Membranen sind daher aus möglichst weichem Eisenbleche herzustellen. Die nöthige Elasticität läſst sich denselben leicht durch Hämmern ertheilen.

Wietlisbach theilt dann noch eine Reihe von Versuchen mit, deren Zahlenergebnisse eine Bestätigung der von ihm angestellten theoretischen Untersuchungen liefern und die sich dahin zusammenfassen lassen, daſs die zweipoligen Membranen am meisten Kraftlinien absorbiren und daſs mit der Zunahme der Masse der Platten die Absorptionsfähigkeit derselben nur langsam wächst. Es ist also im Allgemeinen vortheilhafter, nicht groſse Membranen zu verwenden, besonders bei einpoligen Telephonen; auch ein zu starker Magnet nutzt nichts. Zu einer vollständigen Beurtheilung des Telephons fehlt nun bloſs noch die Berücksichtigung der Biegsamkeit der Membran.

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