Titel: Neue Art, zwischen einem Eisenbahnzuge und einer Station zu telegraphiren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 5 (S. 286–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi06_5

Neue Art, zwischen einem Eisenbahnzuge und einer Station zu telegraphiren.

L. J. Phelps soll kürzlich nach dem Elektrotechnischen Anzeiger, 1885 S. 44 und 49 auf der Harlem River Zweigbahn der New-Haven Eisenbahn, und zwar in New Rochelle, in einer neuen Weise und angeblich durchaus befriedigend von einem fahrenden Eisenbahnzuge nach einer Station zu telegraphiren versucht haben, nämlich nicht so, daſs ein Strom vom Zuge aus unmittelbar in eine feste Leitung übergeführt und so nach der Station entsendet wurde, sondern daſs ein kräftiger Strom bloſs in einer auf dem Eisenbahnwagen befindlichen Leitung in der zum Telegraphiren erforderlichen Weise abwechselnd geschlossen und unterbrochen wurde, wobei jedoch ein am Wagen befestigter Theil der Leitung parallel zu der nach der Station führenden, fest liegenden Leitung lag und daher aus ersterer in letzterer den Schlieſsungen und Oeffnungen jenes Stromes entsprechende Wechselströme inducirt wurden.

Die Annales industrielles, 1885 Bd. 1 S. 398 berichten, daſs die Versuchsstrecke 20km lang gewesen sei und Brücken sowie andere ähnliche Schwierigkeiten enthalten habe. Der von Station zu Station laufende Leiter, ein isolirter Draht, war auf glatter Strecke in eine Holzrinne von quadratischem Querschnitte und 50mm Seitenlänge eingeschlossen, welche mit einem Deckel versehen und mittels Unterlagen auf den Querschwellen befestigt war. An den Kreuzungspunkten, Straſsenübergängen u. dgl. kam anstatt der Holzrinne eine unter der Erde liegende eiserne Röhre zur Verwendung. Von dieser in möglichst sich gleich bleibender Höhe über den Schwellen hingeführten Leitung ganz getrennt war auf einem Wagen ein Stromkreis von etwa 2500m Länge aus isolirtem Kupferdraht hergestellt, welcher in 90 Windungen über einen Rahmen gewickelt war und über die ganze Länge des Wagens lief. Der obere Theil der Windungen lag auf dem Wagendache, der untere Theil derselben in einer Eisenröhre von 50mm unter dem Wagenboden und in einer Entfernung von 175mm von jenem Leitungsdrahte. In den Stationen wurde als Empfänger ein Telephon verwendet und zwar als Klopfer benutzt. Auf dem Wagen war in den Stromkreis der Windungen ein sehr empfindliches Relais in Verwendung, das einen Lokalstrom durch einen Morsetelegraphen schloſs. Jeder durch einen der beiden |287| Stromkreise gesendete Strom übertrug sich dabei durch Induction in den anderen Stromkreis.

Als Ergänzung der vorstehenden Mittheilungen sei aus dem Scientific American, 1885 Bd. 52 * S. 118 noch hinzugefügt, daſs die von Hartem River bis New-Rochelle Junction reichende Versuchsstrecke der New-York, New-Haven und Hartford Eisenbahn eine Länge von ziemlich 20km (12 engl. Meilen) hat. Der Zug fuhr theilweise mit einer Geschwindigkeit von 64km in der Stunde. Die Abbildungen a. a. O. zeigen die inducirende Spule von 2km,4 Drahtlänge zwar ganz unter dem Wagenboden liegend; doch wird. im Texte ebenfalls gesagt, daſs die obere Hälfte der Windungen über den oberen Theil des Wagens laufe, und es wird die Absicht, diese der unteren Hälfte entgegen wirkende Hälfte der Windungen möglichst fern von dem Drahte in der Holzrinne zu führen aus der Bemerkung erklärlich, daſs an einer Stelle der Bahn dieser Draht in 1m,22 Entfernung von der Inductionsrolle habe gelegt werden müssen und daſs selbst an dieser Stelle das Telegraphiren durch die Inductionsströme nicht unmöglich gewesen sei.

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