Titel: Ueber das Verhalten feuerfester Steine gegen Salze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 4 (S. 329)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi07_4

Ueber das Verhalten feuerfester Steine gegen Salze.

Auf der Generalversammlung des Vereins deutscher Fabriken feuerfester Producte berichtete Otto nach der Thonindustriezeitung, 1885 S. 102 über die Zerstörung der Seitenwände eines Kokesofens durch den starken Kochsalzgehalt der Kohlenbeschickung. Auf einer Zeche in Westfalen zeigte sich bei neu erbauten Kokesöfen bereits nach mehrmonatlichem Betriebe eine so starke Abnutzung der Seitenwände, daſs der Kokeskuchen nicht mehr gedrückt werden konnte, und es war eine Erneuerung der Seitenwände nothwendig. Beim Abbruche der Seitenwände stellte es sich heraus, daſs die inneren Züge derselben eine vollständige Kochsalzglasur hatten. Man kam dadurch auf den Gedanken, daſs ein Kochsalzgehalt der Kohlen die Ursache der Zerstörung sei. Eine vorgekommene Untersuchung der Seitenwandsteine der Kokesöfen ergab in der That, daſs der den Kohlen zunächst gelegene Theil der Steine bis zu 7 Proc. Natron enthielt. Weitere Prüfungen ergaben, daſs das zum Waschen der Kohlen verwendete Grubenwasser einen so starken Kochsalzgehalt hatte, daſs mit jeder Kohlenbeschickung bis zu 14k Kochsalz in den Ofen gekommen waren.

Die Zerstörung war offenbar in der Weise vor sich gegangen, daſs das Kochsalz sich bei Gegenwart von Wasser in Natron und Salzsäure zersetzt hatte. Das Natron verband sich mit den Silicaten der Steine und die Salzsäure entwich mit den übrigen Kohlengasen. In der That wies die Analyse einen bedeutenden Salzsäuregehalt der entweichenden Gase nach. Durch die fortgesetzt neu beschickten Kochsalzmengen fand eine bedeutende Anreicherung der der Kohlenbeschickung zunächst liegenden Steintheile statt, diese wurden schlieſslich so leichtflüssig, daſs sie die in dem Ofen herrschende Temperatur nicht mehr aushielten, schmolzen und dadurch die Wände rauh und uneben machten.

Nachdem das Kochsalz als Ursache der Zerstörung erkannt war, wurde sofort bei der Wäsche der Gebrauch des Salz haltigen Wassers abgestellt und süſses Wasser verwendet. Bei den neu eingebauten Wänden hörte alsdann sofort jede Zerstörung auf.

Aehnliche Erscheinungen wurden auch auf anderen Kokereien beobachtet, so daſs bei Kohlenwäschen auf den Salzgehalt des verwendeten Wassers Rücksicht zu nehmen ist.

Ein Brennofen für feuerfeste Producte war mit Gasfeuerung und höchstmöglicher Wärmeausnutzung der abgehenden Feuergase versehen; während der Brand in völliger Weiſsglut vor sich ging, zogen die Gase in der Regel nur mit 110 bis 150° in den Schornstein. In der Sohle des Feuerkanales nahe am Schornsteine wurden saure wässerige Niederschläge in erheblichen Mengen angetroffen, welche in 1l 5g Chlorwasserstoffsäure und 14g Schwefelsäure enthielten; beide Säuren stammten aus der verwendeten Steinkohle.

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