Titel: Das Klima von Bosnien und der Herzegowina.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 1 (S. 371–372)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi08_1

Das Klima von Bosnien und der Herzegowina.

Bis noch vor wenigen Jahren war die Balkanhalbinsel, namentlich der nördliche Theil derselben, in klimatologischer Beziehung noch völlig unbekannt, indem die Ländergebiete Rumänien, Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina so gut wie nicht erforscht waren. Dem Reichs-Kriegsministerium in Wien gebührt das Verdienst, in Gemeinschaft mit der Centralanstalt für Meteorologie nach Vollendung der Besetzung der Balkanprovinzen durch Oesterreich einige Stationen errichtet zu haben, auf deren Beobachtungsdaten gestützt, man nach Jahren im Stande sein wird, einen Ueberblick über das Klima der Balkanhalbinsel überhaupt zu gewinnen, nachdem die Regierungen der genannten Nachbarländer bereits den Bestrebungen Oesterreichs gefolgt sind und meteorologische Institute gründen. Das Interesse, welches insbesondere der Bautechniker an den herrschenden Witterungsverhältnissen eines Landes zu nehmen gezwungen ist, mag es rechtfertigen, auf eine Abhandlung von Direktor Hann in den Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, Bd. 88 (vgl. Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, 1885 S. 140) einzugehen.

Wegen des Vergleiches mit bekannten Verhältnissen sind der nachfolgenden Tabelle auch die Mittelwerthe Wiens beigefügt:

Ermittelte Seehöhe Temperatur
Winter Frühling Sommer Herbst Jahr
Wien 194m – 0,6 9,8 19,7 9,9 9,70
Banjaluka 170 0,0 11,5 20,6 10,9 10,8
Travnik 500 – 1,0 9,7 19,2 10,0 9,5
Sarajewo 544 – 0,4 9,0 18,6 9,4 9,2
Sofia 520 – 2,7 10,3 20,2 9,8 9,4
Knin 354 4,0 12,9 22,0 12,8 12,9
Mostar 51 6,5 14,5 25,9 16,5 15,9
Lesina 19 9,2 14,3 24,1 17,4 16,2

Diese Tabelle, welche allerdings wegen der kurzen Beobachtungszeit noch keine ganz sicherstehenden Mittelwerthe gibt, drückt aus, daſs im bosnischen Gebirgslande in einer Seehöhe von 500m die mittlere Temperatur jener von Wien gleicht; da aber Mittelwerthe für den Charakter des Klimas weniger maſsgebend sind als die täglichen und monatlichen Wärmeschwankungen, so sei noch die mittlere Schwankung der täglichen Wärmegrenzen angeführt; dieselbe beträgt für:

Winter Frühling Sommer Herbst Jahr
Wien 5,2 9,2 9,9 7,6 8,0
Travnik 7,8 13,0 17,0 10,7 12,1
Sarajewo 8,4 11,7 15,2 9,9 11,3
Mostar 7,7 10,0 12,6 9,1 9,9,

woraus hervorgeht, daſs die Wärmegrenzen im bosnischen Gebirge weiter aus einander liegen als in Wien, d.h. daſs das Klima daselbst schroffere Wechsel erfährt. In der Seehöhe von 500m kommen Schneefälle und Fröste noch regelmäſsig bis gegen Mitte Mai vor. Innerhalb 4 Jahren trat in Sarajewo der letzte Frost am 18. April, der letzte Schneefall am 18. Mai ein und brachte der 28. Oktober schon wieder Schnee.

Bezüglich der Regenvertheilung liegen diese Länder in einem Uebergangsgebiete. Während die dalmatinische Küste bei trockenem Sommer vorzüglich Herbstregen empfängt und der Regenmangel des Sommers nach Süden hin zunimmt, gibt es im Inneren der Balkanhalbinsel bei trockenem Winter vielfach feuchte Sommer. Es beträgt die mittlere Zahl der Regentage:

Sarajewo Mostar Lesina
Im Winter 13,2 23,1 22,4
Frühling 28,8 28,0 24,2
Sommer 25,9 19,4 9,8
Herbst 24,5 31,8 25,3
Jahr 92,4 101,8 81,7.
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Die übrigen Elemente gestatten wegen der kurzen Dauer der Beobachtungsperiode weder die Ableitung von Mittelwerthen, noch die Feststellung der Schwankungen.

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