Titel: Hochofen-Gebläse-Compoundmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 1 (S. 419–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi09_1

Hochofen-Gebläse-Compoundmaschine.

Für die Rimamurány-Salg⊣-Tarjáner Eisenwerks – Actiengesellschaft in Ungarn sind nach Stahl und Eisen, 1885 * S. 196 von der Märkischen Maschinenbau-Anstalt vormals Kamp und Comp. in Wetter a. d. Ruhr (Direktor Alfr. Trappen) zwei Gebläsemaschinen construirt und erbaut, auf dem neuen Hochofen werke in Likér bei Nyustia aufgestellt und im Herbst vorigen Jahres mit Erfolg in Betrieb gesetzt worden.

Die zu liefernde Luftmenge wurde für jede Maschine minutlich auf 650cbm von atmosphärischer Dichtigkeit, gepreſst auf 0at,43 Windspannung festgestellt. Die ferneren Vorschriften bezogen sich auf möglichste Oekonomie im Dampfverbrauche und auf zuverlässigste Construction; im Uebrigen wurden die Vorschläge der ausführenden Maschinenfabrik erbeten. Die Vorschläge derselben waren: 1) Liegendes System; bei richtiger Construction hält Trappen die liegenden Maschinen für ebenso dauerhaft als die aufrechten, spricht denselben aber gröſsere Uebersichtlichkeit, bequemere Wartung und leichtere Zugänglichkeit zu den einzelnen Theilen zu, alles Eigenschaften, welche im Betriebe gewiſs gewürdigt und anerkannt werden müssen. 2) Compoundsystem mit Rücksicht auf Dampfökonomie und reichlich zu Gebote stehendes Injectionswasser. 3) Mittlere, der Steigerung noch sehr zulässige Geschwindigkeit, so daſs jede Maschine in sich schon eine starke Reserve bildet.

Die Maschinen erhielten folgende Abmessungen:

Durchmesser des kleinen Dampfcylinders 1,100m
groſsen 1,650
der Windcylinder 2,250
Gemeinschaftlicher Hub 1,700

Die verlangte Luftmenge wird bereits bei 25 Umdrehungen in der Minute |420| erreicht, also bei einer Kolbengeschwindigkeit von 1m,42 in der Secunde; diese Geschwindigkeit kann aber ohne jede Besorgniſs bis 30 minutlichen Umdrehungen und mehr gesteigert werden. Der Dampfdruck in den Kesseln beträgt 6at Ueberdruck; der Einströmdruck ist zu 5at,4 angenommen worden. Die Kolbenfläche des kleinen Dampfcylinders beträgt nach Abzug der Kolbenstange 9292qc, des groſsen Cylinders nach Abzug der Kolbenstange 21128qc, das Verhältniſs der Kolbenflächen mithin 1 : 2,26. Das durchlaufene Kolbenvolumen in beiden Cylindern ist 654cbm,5; ein Windverlust durch den höchst geringen schädlichen Raum ist bei bisherigen Ausführungen nicht nachzuweisen gewesen.

Die Arbeit in den beiden Windcylindern berechnet sich bei einem mittleren Drucke von 0,425k/qc zusammen zu 620e. Nach vorliegenden Erfahrungen verhält sich die Winddruckarbeit zur Dampfarbeit wie 0,85 : 1, so daſs also beide Dampfcylinder zusammen 730e entwickeln müssen, welche sich bei den gewählten Verhältnissen ziemlich gleichmäſsig auf beide Cylinder vertheilen. Diese Dampfarbeit wird erreicht bei ¼ bis ⅕ Füllung des kleinen Dampfcylinders, so daſs also die ganze Ausdehnung des Dampfes das 9 bis 11 fache beträgt; da wohl selten mit 0at,43 geblasen wird, so ist in Wirklichkeit die Ausdehnung des Dampfes eine noch gröſsere. Das Volumen der Zwischenräume zwischen kleinem und groſsem Cylinder beträgt, den Zwischenbehälter (Receiver) einbegriffen, das 1,2fache Volumen des kleinen Dampfcylinders. Die doppeltwirkende Luftpumpe hat einen Durchmesser von 0m,630, einen Hub von 0m,850 und ist nach Horn's Patent construirt.

Was nun die übrige Construction der Maschine anbelangt, so ist dieselbe auf einem in der ganzen Länge der Maschine einheitlich durchgehenden, starken Bette breit und derart aufgelagert, daſs die Mittellinie der Maschine auf das knappste Maſs, nur ganz wenig über der Auflagerungsfläche liegt, also alle schädlichen Hebelarme möglichst herabgemindert sind, gleichzeitig aber die festeste Verbindung zwischen den Windcylindern, den Dampfcylindern und den Schwungradlagern hergestellt wird. Beide Cylinder sind mit Präcisionssteuerung versehen, von denen diejenige des kleinen Cylinders durch den sehr empfindlichen Porter'schen Regulator, diejenige des groſsen Cylinders von Hand eingestellt wird. Trappen hält die Anbringung eines guten Regulators namentlich deshalb für sehr nützlich, weil bei vorkommenden Entlastungen der Windcylinder, welche zwar vorbereitet im Betriebe, unvorbereitet dagegen bei Unfällen vorkommen können, jede Gefahr des Durchgehens der Maschine beseitigt ist; die fast absolute Gleichförmigkeit des Ganges der Maschine ist jedenfalls auch eine groſse Annehmlichkeit. Der Regulator kann für verschiedene Geschwindigkeiten mit Leichtigkeit eingestellt werden. Der Zwischenbehälter ist lothrecht zwischen beiden Cylindern stehend angeordnet; sowohl dieser als die beiden Dampfcylinder sind mit Dampfmänteln versehen, welche mit frischem Kesseldampf gespeist werden; durch Filzumhüllung und Blechmäntel sind Cylinder und Zwischenbehälter auſserdem gegen Wärmeausstrahlung möglichst geschützt. Am Zwischenbehälter sind die sämmtlichen Manometer für Dampf und Wind, sowie ein Vacuummeter angebracht, so daſs der Maschinenwärter beim Anlassen der Maschine diese sämmtlichen Apparate unmittelbarvor Augen hat. Die Kolbenstangen der Dampfmaschine bestehen aus Stahl, diejenigen der Windcylinder aus feinkörnigem, festem Guſseisen; letztere sind mit aller Sorgfalt aufrecht gegossen.

Die Maschinen arbeiten auſserordentlich ökonomisch; das Hochofenwerk hat zum Betriebe einer der beschriebenen Gebläsemaschinen und eines groſsen Gichtaufzuges, System Gjers, 3 Dampfkessel in Gebrauch; auf 1e indicirt ergibt dies 0qm,67 Heizfläche.

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