Titel: Vorrichtungen zum Abkühlen der Luft in Fleischtransportwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 2 (S. 420–422)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi09_2

Vorrichtungen zum Abkühlen der Luft in Fleischtransportwagen.

Für Eisenbahnwagen, in welchen Fleisch verfrachtet wird, gibt C. Palmer in Oakland, Californien (* D. R. P. Kl. 53 Nr. 29706 vom 19. December 1883) folgende Einrichtung an: An einem Ende des Wagenraumes stehen zwei abgeschlossene Abtheilungen, deren Trennungswände wie die Wände des ganzen Wagens die Wärme schlecht leiten. In der einen Abtheilung ist eine Luftpreſspumpe |421| aufgestellt, welche von einer Wagenradachse aus durch Riementrieb in Bewegung gesetzt wird; eine selbstthätig wirkende Spannvorrichtung hält den Riemen stets straff, gestattet demselben aber sich hinreichend auszudehnen, wenn der Wagen in einer Curve fährt, oder sich unter der Wirkung der Federn auf- und abwärts bewegt. Die Luft zur Speisung der Pumpe wird entweder aus dem Freien oder aus dem Inneren des Fleischraumes entnommen, dann durch die Pumpe verdichtet und durch eine Leitung in Kessel gedrückt, welche am einfachsten unter dem Wagenkasten angeordnet werden und den Zweck haben, die gepreſste Luft aufzuspeichern. Damit die in den Kesseln herrschende Spannung ein gewisses Maſs nicht übersteige, ist in die genannte Leitung ein Ventil eingeschaltet, welches sich selbstthätig öffnet und Luft ausströmen läſst, sobald der Druck in den Kesseln die gewünschte Höhe erreicht hat; es kann auch statt dessen im Saugrohre der Luftpumpe ein Absperrventil angebracht werden, dessen Stellung von dem Kesseldrucke abhängig gemacht ist, so daſs bei Ueberschreitung eines bestimmten Grades die Luftcompressionspumpe im luftleeren Raume arbeitet. Der in den Kesseln stets herrschende Druck der Preſsluft soll 40 bis 50at betragen. Durch diese Luft wird nun eine Aethercompressionspumpe, welche in demselben Raume wie die Luftpumpe steht, betrieben, indem die Preſsluft durch eine Leitung in einen Treibcylinder geführt wird, in welchem sie auch durch Ausdehnung auf einen Kolben wirkt, dessen Bewegung dann in bekannter Weise auf eine mit Schwungrad versehene Welle übertragen wird; von dieser wird der Kolben eines Aethercompressionscylinders bewegt. Der hier zusammengedrückte Schwefeläther gelangt durch ein Rohr in einen Condensator, der aus Röhren besteht, welche, um Raum zu sparen, in einem abgeschlossenen Theile der genannten Wagenabtheilung angeordnet sind. Diese Röhren erfahren eine Abkühlung theils dadurch, daſs ein Theil der aus der Aethercompressionspumpe entweichenden, sich ausdehnenden Treibluft in den Raum geleitet wird, in welchem die Röhren liegen, theils dadurch, daſs aus einem auf dem Wagendache angebrachten Behälter Wasser nach einer die Röhren umhüllenden Decke aus Faserstoff geleitet wird, so daſs eine Verdunstung des Wassers entsteht. Die abgekühlte Aetherflüssigkeit strömt nach den eigentlichen Kühlröhren, welche in der zweiten erwähnten Abtheilung des Wagenraumes untergebracht sind, nämlich zwischen dem Fleischraume und der ersten Abtheilung und mit dem ersteren durch eine schmale Oeffnung am Boden in Verbindung stehend. In diesen Röhren verflüchtigt sich der durch Einstellung eines Ventiles in geringer Menge eingeleitete Aether und die Luft, welche nun aus dem Fleischraume durch ein von der Schwungradwelle der Luftpumpe aus betriebenes Flügelrad mittels Röhren angesaugt wird, die an der Decke des Fleischraumes befestigt und mit Löchern versehen sind, umspült die Kühlröhren, kühlt sich an denselben ab, sinkt zu Boden und flieſst durch den erwähnten Spalt wieder in den Fleischraum ein. In dieser Weise wird stets eine Abkühlung der Luft des Fleischraumes durch Umlauf erzielt, auch wenn der Wagen längere Zeit still steht, da in diesem Falle die in den Kesseln aufgespeicherte Preſsluft noch längere Zeit zum Betriebe der Aetherpumpe ausreichen wird, um so mehr, da der hierzu nothwendige Betriebsdruck bedeutend kleiner ist als der Druck der Luft in den Kesseln; ein in die Zuleitung der Preſsluft eingeschaltetes Druckverminderungsventil bewirkt diese Verminderung des Kesseldruckes. Der in den Kühlröhren sich verflüchtigende Aether sammelt sich in den oberen Röhren, von wo derselbe durch das Saugrohr der Aetherpumpe entnommen wird. Die Verstopfung der Kühlröhren durch Bildung von Krystallen des Aethers ist durch den weiten Querschnitt der Röhren verhütet. Die gesammte Anordnung sowie die Construction der Einzeltheile scheint zweckmäſsig gewählt zu sein, so daſs die Einrichtung sich für den angegebenen Zweck empfiehlt.

Eine andere Kühleinrichtung war an einem Straßenwagen angebracht, welcher auf der Gesundheits-Ausstellung zu London 1884 von Will. Whiteley in London vorgeführt war. Auch hier ist die Bewegung einer Radachse zum Betriebe der Vorrichtung benutzt; jedoch hört derselbe auf, wenn der Wagen still steht. Es wird ein kleines, als Bläser wirkendes Flügelrad von einer Wagenachse aus durch Riementrieb in Umdrehung versetzt und hierdurch Auſsenluft angesaugt |422| und in eine unter dem Wagenkasten angeordnete Kammer geblasen, in welcher Eisstücke so gelagert sind, daſs sie dem durchstreichenden Luftstrome eine möglichst groſse Oberfläche bieten. Die in dieser Weise gekühlte Luft tritt in den Wagen am Boden desselben ein, durchzieht den Wagenraum, in welchem die Fleischstücke oder andere bei heiſser Jahreszeit dem Verderben ausgesetzte Nahrungsmittel sich befinden, und gelangt dann an der Decke des Wagens ins Freie. Diese einfachere Einrichtung läſst sich leicht an derartigen Versandtwagen anbringen und dürfte sich für solche empfehlen, da solche Wagen stets in Bewegung sind bezieh. nur kurze Stillstände machen.

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