Titel: Zur Verwendung der Salicylsäure in der Bierbrauerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 8 (S. 423–424)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi09_8

Zur Verwendung der Salicylsäure in der Bierbrauerei.

Ein Brauer in Velden, Niederbayern, hatte Samenhefe mit Salicylsäure versetzt, vor der Verwendung aber wieder gewässert, wurde jedoch trotzdem zu 180 M. Strafe verurtheilt. In Folge Berufung fand die zweite Verhandlung am 10. Februar d. J. statt, welche mit Freisprechung endete, namentlich weil Holzner im Gegensatze zu Emmerich bewies, daſs durch das öftere Abwässern die gesammte Menge der zugesetzten Salicylsäure wieder aus dem Zeuge entfernt war. Ferner ist die Hefe nicht bestimmt, ein Bestandtheil des Bieres zu werden, sondern ist nur Hilfsstoff. Wenn die Hefe mit Salicylsäure gereinigt, diese Säure aber hernach durch Abwässern wieder entfernt wurde, so ist nichts von der zugesetzten Substanz in den Auszug aus Malz und Hopfen gelangt, oder Bestandtheil des Bieres geworden. Da nun von der Säure nichts in das Bier gelangt ist, so konnte dieses eine Aenderung in seiner Beschaffenheit nicht erhalten.

Holzner (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1885 S. 61) hat ferner nachgewiesen, daſs bei der Gährung ein verhältniſsmäſsig groſser Theil der Salicylsäure |424| verschwindet. Als 1hl Würze mit 3g Salicylsäure beim Anstellen versetzt wurde, fanden sich im Biere nur Spuren, jedenfalls weniger als 0g,5 wieder vor, so daſs also mindestens 2g,5 verschwunden waren.

Nach Hilger (Correspondenzen bayerischer Vertreter der angewendeten Chemie, 1885 Nr. 2) werden zum Nachweise der Salicylsäure im Biere 100cc Bier mit 5cc verdünnter Schwefelsäure (1 : 10) angesäuert und dann annähernd mit gleichen Mengen Aether ausgeschüttelt. Die ätherische Ausschüttelung wird im Scheidetrichter von der wässerigen Schicht getrennt und durch ein ätherfeuchtes Filter filtrirt, der Aether abdestillirt und der Destillationsrückstand mit wenig Wasser, dem einige Tropfen Alkohol zugesetzt sind, aufgenommen. Diese Lösung wird mit einem Tropfen einer Kupfersulfatlösung versetzt, aufgekocht, hierauf mit wenig Eisenchloridlösung versetzt und nochmals aufgekocht. Die nach Absetzen des hier stets entstehenden Niederschlages oder nach Filtriren erhaltene Flüssigkeit zeigt beim Vorhandensein der geringsten Mengen Salicylsäure die charakteristische Salicylsäure-Färbung.

E. Prior (Erlaubtes und Verbotenes im bayerischen Brauereiwesen, Würzburg 1885) befürwortet einen Zusatz von Salicylsäure nur für die im Brauen begriffenen und für solche fertigen Biere, welche für die Ausfuhr nach jenen Ländern bestimmt sind, in denen ein Zusatz von Salicylsäure nicht verboten ist.

Nach Versuchen von M. Schwarz (Amerikanischer Bierbrauer, 1885 S. 5) kann man, um Bierwürzen oder Ruhbier vor den Angriffen von Spaltpilzen zu schützen, unbeschadet der Haupt- oder Nachgährung in dem Zusätze von Salicylsäure bis 16g auf 1hl gehen. Dasselbe gilt auch für Bierwürze auf dem Kühlschiffe.

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