Titel: Ueber das Vorkommen des Cholins im Hopfen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 12 (S. 520)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi11_12

Ueber das Vorkommen des Cholins im Hopfen.

Das Cholin oder Neurin, (CH3)3C2H4.OH.N.OH, ein nie fehlender Bestandtheil des Gehirnes, ist von P. Grieß und G. Harrow (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1885 S. 717) nunmehr auch im Hopfen aufgefunden worden. Um dasselbe zu gewinnen, mischt man einen stark concentrirten, mit etwas Salzsäure versetzten Hopfenauszug mit einer Lösung von Jod in Jodwasserstoffsäure. Der erhaltene schwarzbraune Niederschlag von Cholinperjodid wird von der Mutterlauge getrennt, dann mit Wasser gekocht, so daſs sich unter Abscheidung einer harzigen Masse leicht lösliches jodwassersoffsaures Cholin bildet, aus welchem durch Behandlung mit Silberoxyd die freie Base gewonnen wird. Beim Eindampfen der filtrirten Lösung auf dem Wasserbade bleibt das Cholin im Rückstande. Um es vollkommen rein zu erhalten, muſs man es in sein Goldsalz (CH3)3C2H4.OH.Cl.AuCl3 überführen und daraus nach bekannten Regeln wieder abscheiden. Seine bei Wasserbadtemperatur möglichst weit eingedampfte wässerige Lösung erstarrte im Exsiccator zu einer äuſserst hygroskopischen, stark alkalisch reagirenden und rasch Kohlensäure anziehenden, krystallinischen Masse, welche einen kaustischen, etwas bitteren Geschmack besaſs, aber vollkommen geruchlos war und sich in höherer Temperatur unter Bildung von Trimethylamin zersetzte. Fast ebenso zerflieſslich, wie die freie Base, zeigte sich auch ihre Verbindung mit Salzsäure.

Man erhält auf diese Weise aus dem Hopfen etwa 0,02 Proc. Cholin. Es ist nicht unwahrscheinlich, daſs sich das Cholin, mit Harz gepaart, in dem Hopfen vorfindet und daſs es in dieser Verbindungsweise den in Wasser leicht löslichen Bitterstoff des letzteren bildet. Es wurde ermittelt, daſs eine selbst sehr verdünnte, wässerige Lösung von Cholin verliältniſsmäſsig sehr bedeutende Mengen von Hopfenharz aufzulösen vermag, wodurch derselben ein stark bitterer Geschmack ertheilt wird.

In angegebener Weise konnte das Cholin auch im Biere nachgewiesen werden. Ob dieser Thatsache auch irgend welche physiologische Bedeutung zukommt, ist noch festzustellen; jedenfalls aber kann es nicht ohne Werth sein, daſs ein so eigenthümlicher und nie fehlender Bestandtheil der Gehirnsubstanz, wie das Cholin, auch in einem der wichtigsten Nahrungs- und Genuſsmittel zugegen ist.

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