Titel: L. Bollmann's Dynamomaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 256/Miszelle 7 (S. 565–566)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj256/mi256mi12_7

L. Bollmann's Dynamomaschine.

Eine sehr wirksame Dynamomaschine, welche nach Art der Maschine von Ferranti und Thomson (vgl. 1883 247 * 450. 1884 251 7. 254 * 476) die Foucault'schen Ströme ausnutzt, hat L. Bollmann in Wien hergestellt. Die umlaufende Scheibe besteht nach der Zeitschrift für Elektrotechnik, 1885 * S. 199 aus 52 Segmenten, welche jedes in eigenthümlicher Weise aus 10 einzelnen Theilen zusammengesetzt sind, und läuft zwischen den Polen von 16 Elektromagnetpaaren um, welche entweder sämmtlich mit knapp an die Scheibe herantretenden Polschuhen versehen, oder abwechselnd eines um das andere durch bogenartig über den Rand der Scheibe hinweg gehende Verbindungsstücke vereinigt sind, so daſs ihre Pole geschlossen werden und nicht auf die Scheibe wirken können, dafür aber durch die eisernen Ständer, woran sie sämmtlich befestigt sind, ihre Kraft auf die neben denselben stehenden übertragen. Im letzteren Falle wechseln die im Kreise herum angeordneten Pole nicht in ihrer Polarität ab, sondern auf der einen Seite der Scheibe sind bloſs Nordpole, auf der anderen nur Südpole in Wirksamkeit.

Bei der ausgeführten Versuchsmaschine standen nur 12 (nicht 16) Paar Magnete im Kreise und zwar mit offenen Polen. Die Polschuhe waren im |566| äuſseren Kreise 95mm breit und die Zwischenräume nur 55mm, Die Magnete waren in 4 Reihen je 6 Stück hinter einander und diese dann parallel verbunden und im Nebenschlusse geschaltet. Das Gewicht aller 24 Magnete mit ihren Windungen war 312k.

Die Ankerscheibe hatte ein Gewicht von 30k und war zwischen den Magneten 12mm dick und am äuſseren Umfange 60cm. Die Theile waren in 4 Stromkreise getheilt, wovon jeder 40 Windungen und 17m Länge hatte; davon kam die halbe Länge auf die radialen Theile und die andere Hälfte auf die kreisbogenförmigen Theile. Die 4 Stromkreise waren einzeln unmittelbar mit dem Commutator neben einander verbunden; es waren deren immer 2 und 3 unter den Bürsten. Der innere Widerstand der Scheibe betrug 0,002 Ohm. Das Gewicht der ganzen Maschine betrug 700k. Bei einer Geschwindigkeit von 725 Umläufen in der Minute war die Spannung 38 Volt, bei 775 Umläufen 55 Volt.

Es wurden Glühlampen von je 12 Kerzen Lichtstärke benutzt und bis 700 Stück eingeschaltet. Da die Maschine viel zu schwach gebaut war, so durfte dieselbe nicht ohne Gefahr höher beansprucht werden. Wenn die Lampen von 700 bis 100 Stück vermindert wurden, so schwankte die Spannung nur 5 Volt. Zwischen 100 und 300 Lampen war die Abweichung 3 Volt und zwischen 700 und einer einzelnen 8 Volt. Es wurde dann die Umlaufzahl vermindert und unverändert erhalten und 1000 Lampen eingeschaltet; es zeigte sich, daſs sich bei Ausschaltung von Lampen die Spannung ebenso wenig änderte. Eine mechanische Regulirung war nicht vorhanden. Die Scheibe und die Magnete blieben kalt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: