Titel: Neuerungen an Wasserpfosten (Hydranten).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258 (S. 391–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/ar258134

Neuerungen an Wasserpfosten (Hydranten).

(Patentklasse 85. Fortsetzung der Berichte Bd. 255 S. 14 und 362).

Mit Abbildungen auf Tafel 25.

G. Oesten in Berlin (* D. R. P. Nr. 32056 vom 31. Januar 1885) hat einen Wasserpfosten angegeben, welcher sich sowohl durch seine höchst einfache, als eigenartige Einrichtung auszeichnet. Derselbe besteht aus einem unmittelbar auf das Wasserleitungsrohr aufgesetzten Erdrohre, welches innen genau ausgedreht ist; in diesem bewegt sich dicht schlieſsend ein voller Kolben c (Fig. 7 Taf. 25), welcher durch eine Zahnstange und einem von Hand zu drehenden Getriebe bis über die Oeffnungen d gehoben werden kann, so daſs in dieser Stellung der Ausfluſs des Wassers bei e erfolgt. Nach Benutzung des Wasserpfostens schiebt man den Kolben wieder nach unten und hält ihn mittels einer Sperrklinke in der gezeichneten Lage fest. Mit dieser Abwärtsschiebung ist aber die denkbar vollkommenste Entwässerung verbunden, weil die ganze im Erdrohre befindliche Wassermenge wieder in das in frostfreier Tiefe gelegene Wasserleitungsrohr zurückgedrückt wird, also auch eine Durchfeuchtung der Umgebung des Wasserpfostens vermieden.

So einfach und sinnreich erdacht diese Einrichtung auch ist, so scheinen doch ihrer Anwendung verschiedene praktische Bedenken entgegen zu stehen. Vor Allem ist die Kolbendichtung sehr schwer vollkommen dicht zu halten. Die Folge ist, daſs Wasser aus dem Leitungsrohre im Erdrohre in die Höhe steigt und dasselbe füllt. Beim nächsten Froste wird dann dasselbe aus einander platzen. Andererseits ist die |392| Benutzung des Wasserpfostens von einem oftmaligen Umdrehen der Kurbel abhängig, was sehr umständlich werden kann, wenn man bedenkt, daſs die Zahnstange eine Länge von ungefähr 2m hat. Abgesehen hiervon kann der Apparat in der gezeichneten Einrichtung nur an bestimmten Stellen, welche vom Verkehre nicht allzu stark berührt werden, aufgestellt werden, weil nach Ingangsetzung die Zahnstange bis auf eine Höhe von 8m heraussteht. Als Unterflurhydrant ist die Einrichtung in der gezeichneten Anordnung unbrauchbar.

Der Wasserpfosten von Ernst Sattler in Königshütte, Oberschlesien (* D. R. P. Nr. 31894 vom 7. December 1884) verlangt zu seiner Aufstellung einen Schacht, weil derselbe ein eigentliches Erdrohr nicht hat. Der Hydrant besitzt, wie Fig. 9 Taf. 25 veranschaulicht, ein durch den Wasserdruck und einen Gewichtshebel g schlieſsendes Ventil, welches mit einem Röhrenkolben d fest verbunden ist; letzterer dient dem Ventile nebenbei als Führung. Ueber dem Ventilgehäuse ist ein Cylinder angeordnet, welcher so groſs ist, daſs derselbe das nach der Benutzung des Wasserpfostens im Steigrohre befindliche Wasser aufnehmen kann. In diesem Cylinder gleitet ein Kolben c, welcher mit der Zugstange z, durch die der Apparat in Thätigkeit gesetzt wird, und dem Gewichtshebel g verbunden ist. Auf der Unterseite des Bodens hat der Kolben c eine Lederscheibe, die sich dichtschlieſsend auf das obere Ende des Röhrenkolbens d aufsetzt. Will man den Wasserpfosten in Gang setzen, so muſs die Stange z heruntergedrückt werden. Befindet sich der Kolben c in seiner tiefsten Lage, so ist das Ventil a geöffnet und gestattet dem Wasser freien Durchgang. Hört der Druck von oben auf den Kolben auf, so wird das Ventil durch den Wasserdruck geschlossen, jedoch ganz langsam, da zugleich der Kolben c in die Höhe zu drücken ist, wobei das Gewicht des Hebels g mitwirkt. Durch den engen Spielraum des Röhrenkolbens d in seinem Sitze b kann bloſs wenig Wasser unter den Kolben c dringen, weshalb derselbe nur langsam in die Höhe geht und dadurch den schnellen Schluſs des Ventiles hindert. In dem Augenblicke, wenn das Ventil a abschlieſst, hebt sich der Kolben c vom Röhrenkolben d ab, geht unter Einwirkung des Gewichtshebels weiter in die Höhe und läſst durch die frei gewordenen Oeffnungen das Wasser des Steigrohres rasch in den unter dem Kolben frei werdenden Raum treten, in welch letzterem dieses Wasser angesammelt wird, bis man den Kolben wieder herabdrückt, wobei zunächst das aufbewahrte Wasser durch den Röhrenkolben d und die Laternenführung des Ventiles a herausgedrängt wird. Wenn nun der Kolben c sich wieder auf den Röhrenkolben d aufsetzt, wird derselbe geöffnet und läſst das noch unter dem Kolben befindliche Wasser schnell heraustreten, ermöglicht dem Kolben c, weiter herunterzugehen und ebenso das Ventil a ganz zu öffnen. Es ist nothwendig, daſs der Kolben c den Röhrenkolben d oben abschlieſst, damit während des langsamen Schlieſsens des Ventiles a kein oder nur |393| wenig Wasser unter den Kolben c treten kann und erst nach Schluſs von a die Oeffnung wieder frei gegeben wird.

In Fig. 10 Taf. 25 ist ein von Franz Sedivak in Prag (Oesterreich-Ungarisches Patent vom 22. August 1883) vorgeschlagener Wasserpfosten veranschaulicht, welcher sowohl als Ueber-, wie auch als Unterflurhydrant zu seiner Aufstellung eines Schachtes bedarf. Als Abschluſsventil wird ein mit einem Theilerventile verbundenes Kegelventil c benutzt; ersteres trägt einen elastischen Ring zur besseren Abdichtung. Die Bewegung des Ventiles wird durch eine Schraubenspindel bewirkt. Das Entwässerungsventil f schlieſst sich durch Feder- und Wasserdruck beim Oeffnen des Hydrantventiles. Wird dagegen letzteres geschlossen, so drückt die einstellbare Scheibe k das Entwässerungsventil nach unten, so daſs das im Steigrohre befindliche Wasser durch den Kanal h entweichen kann.

Die Einrichtung von A. und E. Raffour in Besançon (* D. R. P. Nr. 31861 vom 6. December 1884) bezweckt, einen Wasserpfosten an jeder beliebigen Stelle der Leitung anbringen zu können, ohne dieselbe abstellen zu müssen. Es ist deshalb das Ventilgehäuse A (Fig. 11 und 12 Taf. 25) mit einem Rohre C verbunden, welches mittels einer Schelle wagerecht am Wasserleitungsrohre angeschlossen wird (vgl. Fig. 8 Taf. 25). Dieses Rohr hat am freien Ende eine engere Bohrung C1, gegen das Leitungsrohr hin aber eine weitere Bohrung, in welcher eine Kugel k liegt. Diese ist im Stande, das Rohr C gegen auſsen dicht abzuschlieſsen, indem sie sich gegen den engeren Theil C1 des Rohres anlegt. Vor dieser Kugel setzt sich auf C ein rechtwinkelig gebogenes Rohr a auf, an welchem das Ventilgehäuse A und das Hydrantensteigrohr D angeordnet ist. Behufs Anbringung des Wasserpfostens an die Leitung verbindet man das Rohr C in der gezeichneten Weise mit dem Leitungsrohre und führt dann in das Rohr C nach Hebung des Kugelventiles k in das Rohr a einen Bohrer ein. Man bohrt dann das Leitungsrohr an und zieht, wenn die Wand desselben durchbrochen ist, den Bohrer zurück. Es fällt dann das Kugelventil wieder vor seinen Sitz, wird von dem nachströmenden Wasser gegen denselben gepreſst und dadurch das Rohr C1 abgeschlossen. Der Wasserpfosten kann nun benutzt werden. Das Hydrantventil besteht aus einer Klappe E, welche auf der anderen Seite ihres Drehzapfens einen schräg nach oben stehenden Arm E1 trägt; auf letzteren wirkt bei der Drehung der Spindel O der Arm P der letzteren ein, so daſs das Hydrantventil geöffnet, das fest mit demselben verbundene Entwässerungsventil s dagegen geschlossen wird. Der feste Abschluſs des Hydrantventiles wird dadurch erzielt, daſs der Arm P der Spindel O auf eine schräg ansteigende Fläche der Klappe E einwirkt.

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