Titel: Ergebnisse von Seilzerreiſsungs-Versuchen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 2 (S. 44)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi01_2

Ergebnisse von Seilzerreiſsungs-Versuchen.

In der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 1885 * S. 255 finden sich Ergebnisse von Seilzerreiſsungsversuchen mitgetheilt, welche D. Meyer in Gleiwitz zum Theile mit neuen, zum Theile mit schon gebrauchten und stark abgenutzten, runden Förderseilen aus Stahldraht angestellt hat.

Die Prüfung der Seile wurde auf einer Zerreiſsmaschine von Mohr und Federhaff (vgl. 1882 245 17) vorgenommen, welche einen Zug von 90000k auszuüben vermochte. Das Einspannen der Seile in die Maschine geschieht mittels dreitheiliger, mit Composition gefütterter Klemmkeile, welche Einspannmethode sich bei den Versuchen gut bewährt hat. Zur Messung der jeweiligen Seilbelastung ist eine sehr bequem zu bedienende Laufgewichtswage an der Maschine angebracht, welche Ablesungen bis zu 10k zuläſst. Die Stahldrahtseile von welchen die Proben entnommen wurden, entstammten theils der W. Hegenscheidt'schen Fabrik in Gleiwitz, theils waren sie von Feiten und Guilleaume in Mülheim a. Rh. geliefert worden.

Die Ergebnisse der Versuche sind im Wesentlichen folgende:

Die Festigkeit der Proben ohne Drahtbrüche stimmt mit der rechnungsmäſsigen Bruchfestigkeit gut überein. Die betreffenden Drähte aus Tiegelguſsstahl wiesen im Mittel eine Festigkeit von 120k/qmm auf.

Bei den schon gebrauchten Seilen reiſsen die Drähte meist nicht an den auſsen abgeschliffenen Stellen, sondern im Inneren des Seiles und zwar an den Stellen, wo die Litzen sich gegen einander reiben, welcher Fall stets beim Uebergange des Seiles aus der geraden in die gebogene Lage und umgekehrt stattfindet. Es tritt ein gegenseitiges Durchreiben der Drähte ein und sind daher bei der Untersuchung Seile, welche längere Zeit aufliegen, so weit aufzudrehen, daſs man ihr Inneres besichtigen kann. Das Wasser scheint im Inneren der Seile ebenfalls zerstörend zu wirken, auch wenn die Drähte verzinkt oder verbleit sind, da der schwache Ueberzug sehr bald abgerieben wird.

Aus der Untersuchung der Probestücke mit Drahtbrüchen kann der Schluſs. gezogen werden, daſs man zur Bestimmung der Sicherheit eines Seiles nur zwei Windungen der schlechtesten Stelle desselben in Betracht zu ziehen braucht und daſs, wenn das Seil nach Abzug der gebrochenen Drähte (wobei jeder Drahtbruch als fehlender Draht zu betrachten ist) innerhalb dieser zwei Windungen noch die genügende Sicherheit hat, dasselbe zur weiteren Benutzung zulässig sein dürfte, vorausgesetzt, daſs die Drähte keine groſse Abnutzung zeigen, in welchem Falle die Durchschnitts-Drahtproben des Seiles an der abgenutzten Stelle zu Grunde zu legen sind. Die Reibung, welche ein Drahtstück innerhalb zweier Windungen eines solchen runden Förderseiles erfährt, ist demnach mindestens gleich der Drahtfestigkeit selbst. (Vgl. 1882 245 308.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: