Titel: Zur Unterscheidung aromatischer Diamine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 14 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi02_14

Zur Unterscheidung aromatischer Diamine.

Nach E. Lellmann (Liebig's Annalen, 1885 Bd. 228 S. 248) sind Orthodiamine von ihren Isomeren dadurch zu unterscheiden, daſs die Dirhodanate der ersteren beim Erhitzen auf 120 bis 130° Thioharnstoffe der allgemeinen Formel CxHy(NH)2CS bilden, welche durch heiſse alkalische Bleilösung nicht entschwefelt werden, zum Unterschiede von den unter denselben Operationsbedingungen entstehenden Verbindungen CxHy(NHCSNH2)2 der Meta- und Parareihe, welche eine solche Lösung sofort schwärzen. Man versetzt daher ein Salz des zu untersuchenden Diamins in wässeriger Lösung mit Rhodanammonium, dampft zur Trockne, erhitzt 1 Stunde lang auf etwa 120°, wäscht gut mit Wasser aus und behandelt sodann den Rückstand mit alkalischer Bleilösung. War ein Orthodiamin vorhanden, so bleibt selbst die siedende Lösung wasserhell, während bei Meta- und Paraabkömmlingen augenblicklich Schwärzung eintritt.

Wird die Probe mit 2 Mol. Allylsenföl verbunden, so tritt, wenn ein Orthodiamin vorhanden ist, nach dem Schmelzen sofort kristallinisches Erstarren des gröſseren Theiles des Röhrcheninhaltes ein, oder letzterer zerfällt unter Abscheidung einer geringen Menge Flüssigkeit. Zur Sicherheit kann man auch einige Decigramm des Productes bis zur Zersetzung erhitzen, den festen Rückstand vom flüssigen durch Abpressen befreien, ersteren einmal umkrystallisiren und mit alkalischer Bleilösung behandeln; es darf keine Schwärzung eintreten, da beim Orthodiamin folgender Vorgang stattfindet: CxHy(NHCSNHC3H5)2 = CxHy(NH)2CS + CS(NHC3H5)2.

Bei einem Metadiamin tritt dagegen vollständiges bleibendes Flüssigwerden ein; zur Prüfung schmilzt man den Thioharnstoffabkömmling vorsichtig in einem Schwefelsäurebade, welches 5 bis 8° über die mit dem Capillarröhrchen beobachtete Schmelztemperatur erhitzt ist; die Schmelze erstarrt in der Regel nach dem Entfernen des Bades glasig und läſst sich nach einmaligem Umkrystallisiren wieder als unverändertes Product erkennen. Lag ein Paradiamin vor, so tritt ebenfalls vollständiges Schmelzen, aber auch gänzliche Zersetzung ein.

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