Titel: Ueber das Fett der Oelnüsse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 9 (S. 192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi04_9

Ueber das Fett der Oelnüsse.

C. L. Reimer und W. Will (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1885 S. 2011) untersuchten die seit Kurzem unter dem Namen Oelnüsse in Deutschland eingeführten Früchte von Myristica surinamensis Rol. von der Insel Cariba in Surinam. Dieselben haben die Gröſse und Form einer Kirsche, besitzen eine dunkelgraue, gerippte, sehr zerbrechliche Schale, welche einen hellbräunlichen, harten Kern umschlieſst. Durchschnitten zeigt dieser Kern ein weiſs und braun marmorirtes Fruchtfleisch. Der Geschmack der Früchte ist eigenthümlich, etwas an den von Cocosnuſsöl erinnernd, der Geruch ist schwach aromatisch.

Die Schalen enthalten kein Fett; ihr Gewicht beträgt etwa 16 Procent des Gesammtgewichtes der Nüsse. Die entschälten und gemahlenen Nüsse lieferten mit Aether ausgezogen 73 Procent eines hellbraun gelben, bei 45° schmelzenden Fettes. Dasselbe ist im Vergleiche zu anderen Fetten sehr hart, spröde und fühlt sich nur wenig fettig an. Es besitzt einen schwachen, nicht unangenehmen Geruch. In heiſsem Aether, Benzol und Chloroform ist es leicht und vollständig löslich, in heiſsem Alkohol dagegen nur unvollkommen. In concentrirter Schwefelsäure löst es sich mit prachtvoll fuchsinrother Färbung. Beim Behandeln mit Petroleumäther blieben 6,6 Procent eines harzartigen Rückstandes zurück und Sodalösung entzog 6,5 Procent freie Fettsäuren, wesentlich Myristinsäure.

Das von Harz und freien Säuren befreite Fett ist von heller, graugelber Farbe, noch härter als das rohe Fett und schmilzt bei 47°. Durch Umkrystallisiren desselben aus Aether wurden schneeweiſse, büschelförmig gruppirte, schwach glänzende Nadeln erhalten, welche bei 55° schmolzen und bei fernerem Umkrystallisiren ihren Schmelzpunkt nicht änderten. Dieselben lösen sich in heiſsem Alkohol ziemlich reichlich, dagegen fast gar nicht in kaltem, sehr leicht in heiſsem, weniger in kaltem Aether, leicht in Benzol und Chloroform-

Die Analyse bestätigte die Formel C45H86O6 für Trimyristin. Erhitzt man das aus Aether krystallisirte Trimyristin in einem unten geschlossenen Capillarröhr, so schmilzt dasselbe bei 55°. Nimmt man nun sofort die Flamme weg und läſst erkalten, so erstarrt es deutlich krystallinisch und schmilzt bei abermaligem Erhitzen wiederum bei 55°. Erhitzt man dagegen das geschmolzene Myristin auf 57 bis 58° und läſst dann erkalten, so bildet es nach dem Erstarren eine durchscheinende, porzellanartige Masse, welche bereits bei 49° wieder schmilzt. Erhält man die Temperatur der letzteren Abart aber etwa ½ Minute auf 50°, so wird sie wieder fest und krystallinisch und zeigt den Schmelzpunkt der ersten Abart, d.h. 55°.

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