Titel: Ueber destructive Destillation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 10 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi05_10

Ueber destructive Destillation.

Die Destillation von Calciumhydrat, Calciumcarbonat, Kaliumacetat o. dgl. liefert immer gleiche und bestimmte Ergebnisse. Wie Mills im Journal of the Society of Chemical Industry, 1885 S. 325 ausführt, zeigt auch die destructive Destillation von Kohle, bituminösen Schielern, Wolle o. dgl. ähnliche immer wiederkehrende Regelmäſsigkeiten und ist nicht von so unbestimmter Natur wie gewöhnlich angenommen wird.

Es steht wohl sicher, daſs Kohle aus Holzsubstanz oder unreiner Cellulose, nC6H10C5, unter Einfluſs von Hitze, Druck und Zeit entstanden ist. Aus Violett's Ergebnissen über Destillation von Holz geht hervor, daſs die Hitze hauptsächlich Wasser abspaltend wirkt und es entspricht nC6H8O4 einer Temperatur von etwa 185° und nC6H6O3 von 220°; bei etwa 430° ist der Destillationsrückstand nC6H2O. Der Endzustand wäre jedenfalls nC6 oder 2nC3. Es kann dies aber nicht durch gewöhnliche Versuchsbedingungen erreicht werden.

Auch aus Versuchen von Foster (Proceeding of the Institute of Civil Engineers, April 1884) geht hervor, daſs wahrscheinlich den organischen Substanzen, welche verschiedene Arten Kohle zusammensetzen, eine fundamentale Einheit C3 zu Grunde liegt und daſs bei der Destillation wahrscheinlich ein einfaches Verhältniſs des im Theere, im Gase und im freien Zustande abgeschiedenen Kohlenstoffes besteht. Wenn die organischen Substanzen nach nC3 zusammengesetzt sind, also C3 als Einheit besitzen, so kann die Vertheilung des Kohlenstoffes in Theer, Gas und rückständiger Kohle nur nach dieser Einheit oder Vielfachen derselben geschehen. Mills zeigt durch eigene zahlreiche Versuche, daſs auch Destillation von Cellulose, Cannose und Wolle immer mit ziemlicher Regelmäſsigkeit nach dieser C3-Einheit oder Vielfachen derselben vor sich geht. Eine Ausnahme hiervon fand sich nur bei der Destillation von Jute, wahrscheinlich weil letztere ziemlich viele aromatische Bestandtheile enthält.

Mills verfolgte die destructive Destillation von Harz, indem er die von einer 4000l haltenden Blase kommenden Destillate auf das specifische Gewicht und mit Brom untersuchte. Es zeigte sich, daſs mit der Zunahme des specifischen Gewichtes während des Verlaufes der Destillation die Bromabsorption ziemlich regelmäſsig abnimmt. Für die zwischen 0,9068 und 1,0308 liegenden Destillate entspricht 1 Proc. Brom dem specifischen Gewichte 0,000585.

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