Titel: Das Telephon im Betriebsdienste der deutschen Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 3 (S. 426–427)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi09_3

Das Telephon im Betriebsdienste der deutschen Eisenbahnen.

Nach den von den Eisenbahnverwaltungen an das Reichseisenbahnamt erstatteten Berichten wird das Telephon auf dem weitaus gröſsten Theile der deutschen Eisenbahnen versuchsweise, zum Theile auch endgültig gebraucht; im Ganzen haben dasselbe 33 Bahnverwaltungen mit zusammen 28436km Bahnlänge in Benutzung.

Auf Bahnstrecken von untergeordneter Bedeutung wird es sowohl im inneren, als auch im äuſseren Betriebsdienste vielfach bereits als ausschlieſsliches Verständigungsmittel verwendet; namentlich auf Bahnen, auf denen schon in Folge ihrer geringen Ausdehnung die Betriebsverhältnisse einfach sind und Zugkreuzungen gewöhnlich nicht vorkommen; aber auch auf gröſseren Bahnstrecken dieser Art konnten die im Interesse der Betriebssicherheit neben den Telephonanlagen noch längere Zeit hindurch beibehaltenen elektromagnetischen Telegraphenverbindungen theilweise auſser Betrieb gesetzt werden.

Auf Hauptbahnen, auf welchen für bestimmte Zwecke ausschlieſslich elektromagnetische Telegraphenverbindungen vorgeschrieben sind, dient das Telephon |427| vorwiegend im inneren Betriebsdienste, zur Verbindung der verschiedenen Amtsräume unter einander. Die an einigen Stellen bemerkten nachtheiligen Einwirkungen, hervorgerufen durch das Arbeiten der Betriebsmaschinen, das Fahren von Zügen und Locomotiven, das Klappern der Morse-Apparate u. dgl., konnten zum gröſsten Theile durch Herstellung abgesonderter, isolirt gelegener Räume für die Aufstellung der Telephone behoben werden. Im äuſseren Betriebsdienste beschränkte sich ihre Verwendung gröſstentheils auf die Verbindung der Stationsamtsstuben mit den Anlagen für Centralweichen- und Signalstellung, sowie mit dem Wärterposten der Eingangs weichen. Auſser der auch hier hervorgetretenen und in ähnlicher Weise beseitigten nachtheiligen Einwirkung des Nebengeräusches machten sich vorzugsweise Störungen durch den Uebertritt der Inductionsströme der übrigen Leitungen auf die an gemeinschaftlichem Gestänge angebrachte Telephonleitung bemerkbar. Durch Anbringung der Telephonleitung an besonderem Gestänge, insbesondere aber durch unterirdische Leitungen konnte diesem Uebelstande begegnet werden; von sehr günstiger Wirkung war die Anwendung einer in sich geschlossenen (doppelten) oberirdischen Drahtleitung, wobei zugleich ein Uebergehen der Morse-Batterieströme in den Erdverbindungen auf die an besonderem Gestänge angebrachte einfache Telephonleitung ausgeschlossen wird. Eine ausgedehntere Verwendung des Telephons im äuſseren Betriebsdienste auf Hauptbahnen erscheint zur Zeit noch nicht zulässig, hauptsächlich weil bisher keine Unterlagen für die stattgehabte Verständigung haben geschaffen werden können. Dieser Mangel fällt allerdings schwer ins Gewicht, da – abgesehen davon, daſs bei etwaigen Unregelmäſsigkeiten oder Unfällen die Ermittelung des Schuldigen schwierig, mitunter sogar unmöglich wird, – sich keine Gelegenheit bietet, unrichtige Betriebsverfügungen rechtzeitig festzustellen und abzuändern. Wenn besondere Bücher geführt wurden, in welche die Telegramme sowohl vom Aufgebenden, als auch vom Aufnehmenden eingetragen und von letzterem zum Beweise des richtigen Verständnisses wieder zurückgegeben werden muſsten, so sollen zwar Miſsverständnisse nicht bemerkt worden sein; bevor aber diese für eine genaue Handhabung des Betriebsdienstes immerhin zeitraubende Einrichtung als unbedingt zuverlässig betrachtet werden kann, müssen noch umfangreichere Erprobungen stattfinden.

Behufs versuchsweiser Verwendung des Telephons auf der freien Strecke sind bereits vor mehreren Jahren in die für die Abgabe der Glockensignale bestimmte Leitung Telephone eingeschaltet und hierdurch die Bahnwärterposten in den Stand gesetzt worden, unter einander sowie mit den nächst gelegenen Bahnstellen zu verkehren. In letzter Zeit sind ferner statt der vorgeschriebenen tragbaren Morse-Apparate in den Zügen versuchsweise Telephone mitgeführt worden, namentlich häufig im Winter bei Schneeverwehungen; durch dieselben soll die Verständigung vom Zuge nach beiden Seitenstationen besser und schneller erfolgt sein als früher durch die auf dem Zuge mitgenommenen Morse-Apparate.

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