Titel: Temperaturmessung im Erdinneren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 6 (S. 428)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi09_6

Temperaturmessung im Erdinneren.

Bei einer auf Staatskosten betriebenen und lediglich geologisch-wissenschaftlichen Zwecken dienenden Tiefbohrung zu Schladebach (zwischen Merseburg und Kötschau) wurden auch Temperaturmessungen in der Bohrlochtiefe vorgenommen. Ueber den hierbei angewendeten Vorgang und dessen Ergebnisse berichtet Neubert in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1885 S. 232 folgendes: Eine oben offene, mit Quecksilber gefüllte Glasröhre wird in eine metallene, am Gestänge hängende Röhre derart eingeschlossen, daſs sie gegen Eindringen von Wasser geschützt, der Einwirkung der Temperatur aber zugänglich ist. Sobald diese Glasröhre in höhere Temperatur gelangt, dehnt sich das Quecksilber aus und flieſst ein Theil desselben über den Rand der oben offenen Glasröhre ab. Beim Herausziehen und dem dadurch bewirkten Abkühlen des Quecksilbers nimmt der in der Röhre verbliebene Rest einen geringeren Raum ein. Wird nun die Glasröhre mit diesem Reste im Wasserbade so weit erwärmt, bis das Quecksilber wieder den Rand der Röhre erreicht, so entspricht die Temperatur dieses Wasserbades genau der zu messenden. Auf diese Weise hat man bei einer Tiefe von 1392m (der größten, bis jetzt durch Bohrung erreichten Tiefe) eine Temperatur von 49° gefunden. Nimmt diese Temperatur bei weiterem Vordringen in gleichem Maſse zu, so wird bei etwa 3000m Tiefe der Siedepunkt des Wassers erreicht; bei 75km oder 10 Meilen Tiefe müſste demnach eine Temperatur herrschen, bei welcher das strengflüssigste aller Metalle (Platin) schmilzt. Bei einem Erdhalbmesser von 858 Meilen wäre danach auf ein Verhältniſs der Erdrindendicke zum Erdhalbmesser = 1 : 85 zu schlieſsen.

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