Titel: Anlage zur Herstellung von Preſskohlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 4 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi10_4

Anlage zur Herstellung von Preſskohlen.

Auf der Antwerpener Ausstellung 1885 zeigten die Kohlenwerke von Couillet in Belgien Erzeugnisse und Pläne ihrer Anlage zur Herstellung von Preſskohlen aus kleineren Stücken und Staub von Steinkohlen. Die Preſskohlen sind in Ziegelform, wenn sie mit Asphalt, oder in Form von Cylindern mit geraden oder abgerundeten Endflächen, von Kugeln und Ellipsoiden, wenn sie aus erdiger Kohle und Schlämmen hergestellt werden. Während letztere eine zweckmäſsige Verwendung zum Heizen von Oefen finden, werden die Kohlenziegel, welche bei einer Gröſse von 30cm Länge, 20cm Breite und 10cm Dicke durchschnittlich 7k,5 wiegen, in mehreren Gütesorten geliefert, wovon die besseren zum Heizen von Dampfkesseln, zur Feuerung von Glüh- und Brennöfen, die geringeren zur Stubenheizung u. dgl. benutzt werden. Die Kohlenziegel werden erzeugt: 1) aus gewaschenen Kohlen erster Güte mit höchstens 5 bis 7 Proc. Aschengehalt, 2) aus halbfetten, gewaschenen Kohlen von bis auf 7,5 Proc. herabgemindertem Aschengehalte, 3) aus unmittelbar geförderten, also nicht gewaschenen Kohlen und 4) aus den Rückständen bei der Wäsche der Kleinkohlen.

Die ganze Anlage (vgl. Zeche Karoline 1883 249 * 159) umfaſst nun 2 Aufbereitungsanlagen, 3 Einrichtungen zur Herstellung von Preſsziegeln, 2 Einrichtungen zur Herstellung von rund geformten Preſskohlen, die nöthigen Einrichtungen zur Dampferzeugung (6 Flammrohrkessel von je 50e) und Kraftmaschinen, sowie den übrigen Baulichkeiten. Jede Aufbereitungsanlage hat eine Anzahl Siebtrommeln und Stoſsherde, welche die kleineren Förderkohlen in Stücke von 40 bis 60mm, von 8 bis 40mm und in Staub abtheilen. Die |467| gröſsten Stücke werden von Hand ausgelesen und für sich in den Handel gebracht; die kleineren Stücke kommen auf eine Kohlenwäsche (System Meynier) und werden dort wieder in drei Gröſsen sortirt, welche auch in den Handel kommen. Nur der Staub und die klare Kohle unter 8mm Korngröſse bleiben zurück und werden dann in Trockenthürme gebracht. Die Maschinen und Apparate zur Herstellung der Preſskohlen (vgl. 1879 235 * 97) sind in einer 60m langen und 15m breiten Halle untergebracht und umfassen für jede Einrichtung zur Herstellung der Preſsziegel: 1 Zimmermann'scher Apparat, 1 Carr'sche Schleudermühle, 1 Zerkleinerungsvorrichtung für den Asphalt, 1 Ueberhitzungsapparat, 1 Knet- und Mischmaschine und 1 Hanrez'sche Presse mit Drehtisch, welche bei jedem Kolben Wechsel 2 Ziegel herstellt und 18 Kolbenwechsel in der Minute macht, sowie die nothwendige Betriebsmaschine (50e) und Transportvorrichtungen. Die Leistung einer solchen Einrichtung beträgt hiernach (bei Berücksichtigung des oben angegebenen Ziegelgewichtes) 388t in 24 Stunden, so daſs die Leistung aller drei Einrichtungen, wenn Störungen, Stillstände u. dgl. mit berücksichtigt werden, auf 1200t täglich zu veranschlagen ist.

Jede der beiden Einrichtungen zur Herstellung der rund geformten Preſskohlen (vgl. Billan 1882 245 * 109) umfaſst: 1 Mischmühle zur Verkleinerung und Mischung, 1 Knetmaschine, 1 Middleton'sche Presse für die noch mit Asphalt dargestellten Preſskohlen und 1 Presse mit offenen Formen zur Herstellung der Preſskohlen aus magerem Staube. Die Middleton'sche Presse liefert stündlich 5t Formstücke von 4k,5 oder 1k,5 Gewicht, während die andere Presse 100 Kugeln in der Minute liefert. Die nassen Stücke werden vom Drehtische der Pressen von Hand abgenommen und auf eiserne Hürden, die auf Wagen angebracht sind, gelegt, auf welchen sie in 15m lange Trockenöfen gefahren werden und 8 Stunden zur vollkommenen Austrocknung darin verbleiben. Diese Trockenöfen, von denen 14 vorhanden sind, werden von den abziehenden Gasen der Dampfkessel geheizt.

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