Titel: Münztechnische Notizen; von C. Ernst.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 7 (S. 529–530)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi11_7

Münztechnische Notizen; von C. Ernst.

Neue Methode des Härtens von Münzstempeln u. dgl.: In der Münze zu Philadelphia wird das Härten der Prägestempel nach einer eigenthümlichen Methode durchgeführt, welche dem gravirten Theile desselben groſse Härte und Widerstandsfähigkeit verleihen soll, während seine Hauptmasse zähe bleibt und in Folge dessen unter den Prägeschlägen nicht so leicht unganz wird. Zur Ausführung dient ein runder Kessel von etwa 1m im Durchmesser, welcher mit einem Metalldeckel versehen ist. In dem Deckel sind nahe an dem Rande runde Oeffnungen genau von dem Durchmesser der Hälse der zu härtenden Stempel angebracht. In der Mitte des Deckels ist eine Oeffnung ausgespart, durch welche eine dünne Röhre eingelassen ist, deren unterer aufgebogener Schenkel im Inneren des Kessels genau unter eine der oben angegebenen Oeffnungen gestellt werden kann. Ist nun der Prägestempel auf die gehörige Temperatur geglüht, so wird er in eine der Oeffnungen – mit der gravirten Fläche nach abwärts – eingefügt, wo er durch eine Zange festgehalten wird. Durch die Röhre wird dann ein Strahl Wasser unter groſser Pressung auf die zu härtende Fläche des Prägestempels gerichtet. Dieser Theil nimmt demzufolge eine gröſsere Härte an, als der auſserhalb des Kesseldeckels befindliche und vor der Abkühlung durch den Wasserstrahl geschützte Theil des Stempels. Das Glühen der Stempel geschieht in einer Mischung von thierischer Kohle und Holzkohle.

Reinigung spröden Goldes im Tiegel: J. C. Booth, Beamter der Staatsmünze zu Philadelphia, beschreibt im Journal of the American Chemical Society, 1885 S. 159 das Verfahren, welches er zur Reinigung eines Gusses Münzgold anwendete, der durch zufällige Beimischung eines kleinen Postens unreinen Goldes spröde ausgefallen war, krystallinischen Bruch zeigte und sich daher zur Vermünzung nicht geeignet erwies. Obgleich dieses Verfahren längst bekannt und in allen Scheideanstalten zur vollständigen Reinigung des Goldes angewendet wird, so sei hier der wesentlichste Gang der Behandlung doch mitgetheilt, da deren Ergebniſs bemerkenswerth erscheint. Das 75162,55 Unzen (2337k,817) biegende Gold wurde in 14 Posten von je 5400 Unzen der Reinigung unterworfen. Dies geschah, indem man die Barren in Stücke zerschlug und dann mit Aetzkali und geschmolzenem Borax niederschmelzte. Nachdem sich eine klebrige blasige Schlackendecke über dem geschmolzenen Golde gebildet hatte, wurden nach und nach 1 bis 2 Unzen Salpeter in der Mitte des Metallbades eingetragen, welche, sobald sie zum Schmelzen gelangten, durch die concentrische Bewegung eines Rührers über die ganze Oberfläche verrieben wurden. In dem Augenblicke, da die oxydirende Wirkung sichtlich nachzulassen begann, wurde die Schlacke vorsichtig abgehoben und das Gold darauf ausgegossen.

Auf diese Weise gelang es, binnen 1½ Tage bei sehr geringen Kosten und ohne beachtenswerthen Verlust das ganze Gold wieder geschmeidig zu machen. Wie der Verfasser mittheilt, zeigte nun die Goldpost, welche in ihrem spröden Zustande, der Probe gemäſs, den Normalgehalt von 900 Gold und 100 Zusatz (gewöhnlich 90 Kupfer und 10 Silber) besaſs, nach der Behandlung mit kaum merklicher Veränderung den gleichen Gehalt von 900 Gold. Booth bemerkt, daſs es wohl nicht immer gelingen dürfte, sprödes Gold so erfolgreich und rasch, wie oben beschrieben, zu reinigen; zumal wenn die Beimischung fremder Metalle gröſser wäre, müſste diese Behandlung mehr als einmal wiederholt werden.

Neue Schmelzöfen in Peru: Die peruvianische Münze vergröſsert und verbessert |530| ihre Einrichtung und hat zu diesem Behufe bei der Morgan Crucible Company in Battersea bei London drei Fletcher-Piat'sche Schnellschmelzöfen (vgl. 1878 229 * 107) bestellt. Diese Oefen sind ähnlich den von der gleichen Gesellschaft an die königliche Münze in London gelieferten und für einen sogen. Salamandertiegel von 100k Fassung bestimmt, zeichnen sich durch ihren geringen Brennstoffverbrauch aus, denn sie verzehren beim Schmelzen weniger als halb so viel Brennstoff wie ein gewöhnlicher Silberschmelzofen und dabei hält die Wärme im Tiegel an, bis der letzte Tropfen Metall ausgegossen ist.

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