Titel: Wittkowski's Preſspulver zur Herstellung von Parkettafeln und plastischer Gegenstände.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1885, Band 258/Miszelle 8 (S. 530)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj258/mi258mi11_8

Wittkowski's Preſspulver zur Herstellung von Parkettafeln und plastischer Gegenstände.

Um das Hurtig'sche Preispulver (1885 255 490) zur Herstellung von erhabenen Gegenständen geeigneter zu machen, werden demselben nach dem Vorschlage von C. Wittkowski in Berlin (Zusatz D. R. P. Kl. 38 Nr. 33339 vom 12. März 1885) Stoffe beigemengt, welche gröſsere Bildsamkeit besitzen.

Sollen flache Reliefs aus dem Preſspulver erzeugt werden, so wird den mit Seifenwasser und Kalkmilch behandelten Sägespänen, nachdem sie an der Luft völlig getrocknet sind, eine Mischung von Caseïn und gebranntem, an der Luft in Staub zerfallenem Kalk hinzugefügt. Hierbei ist zu beobachten, daſs diese Mischung erst dann zugesetzt wird, wenn der erwähnte Kalk das Caseïn bereits zu einer breiartigen Flüssigkeit aufgelöst bezieh. zersetzt hat. Sind die Sägespäne von dieser Flüssigkeit gänzlich durchfeuchtet und durchdrungen, so werden dieselben wiederum an der Luft getrocknet und sind nun preſsfähig. Brauchbare Ergebnisse werden erzielt, wenn man die vorstehend genannten Stoffe in der angegebenen Weise in folgenden Verhältnissen verarbeitet. Man nimmt 5 bis 30l Sägespäne, 0,1 bis 0l,5 Fettseife, 0,5 bis 3l gelöschten Kalk und 3 bis 8l Caseïn, welches letztere durch Mischung mit 0,5 bis 3l gebranntem, an der Luft in Staub zerfallenem Kalk in eine breiartige Flüssigkeit verwandelt wurde.

Zur Herstellung stark erhabener Gegenstände aus tiefen Formen ist die Bereitung eines Preſspulvers nothwendig, welches neben groſser Bildsamkeit und gröſserer Leichtigkeit hervorragende elastische Eigenschaften besitzt, damit der aus der erhitzten Form herauszunehmende Gegenstand durch Sprödigkeit nicht beschädigt wird, oder gar zerbricht, sondern noch bis zu einem gewissen Grade biegsam bleibt, so lange er noch warm ist, und seine Festigkeit erst im Erstarren erhält. Man läſst reife Kartoffeln mit den Schalen in Dämpfen von mindestens 100° so lange dämpfen bezieh. sieden, bis der gröſsere Wassergehalt, etwa 20 bis 30 Procent des Eigengewichtes, verdampft ist. Hierauf zerstampft und zerreibt man dieselben und fügt denselben fein pulverisirte Kieselguhr (Infusorienerde) sowie etwas Burgunderharz1) hinzu. Diese Mischung, gut mit einander vereinigt, wird den Sägespänen im feuchten Zustande hinzugefügt, hierauf Alles gut durch einander gemengt und dann an der Luft getrocknet. Es ist vortheilhaft, daſs die Kartoffeln mit Schalen verwendet werden, damit das Schalengewebe sowie die Eiweiſsstoffe der unmittelbar unter der Schale liegenden Zellschicht der Mischung erhalten bleiben. Man erhält auch brauchbare Masse mit geschälten Kartoffeln, jedoch sind diese minder gut. Bei Anwendung von Kartoffeln und Infusorienerde wird eine gröſsere Leichtigkeit der ganzen Masse erreicht.

Brauchbare Massen werden erzielt, wenn man die vorerwähnten Stoffe in der angegebenen Weise in folgenden Verhältnissen verarbeitet. Man nimmt 10 bis 30l Sägespäne und fügt denselben eine Mischung hinzu, welche besteht aus 5 bis 40l wie oben behandelte Kartoffeln und Zusatz von 1 bis 5l fein pulverisirter Kieselguhr nebst 0,5 bis 2l,5 gemahlenem Burgunderharz.

|530|

Unter Burgunderharz (pois de Bourgogne, pois blanche) versteht man weiſses gereinigtes Fichtenharz.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: