Titel: Ueber Neuerungen an Kleindampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259 (S. 1–9)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/ar259001

Ueber Neuerungen an Kleindampfmaschinen.

Patentklasse 14. Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 1 ff.

1) Mit dem Dampferzeuger verbundene Maschinen.

Gleichwie die alte Savery'sche Dampfpumpe in dem Pulsometer in neuerer Zeit wieder aufgelebt ist, ist jetzt auch Newcomens' atmosphärische Dampfmaschine von H. Davey in Leeds, England (* D. R. P. Nr. 30101 vom 17. Juni 1884 und Zusatz * Nr. 31596 vom 11. November 1884) als Kleinmotor wieder eingeführt worden. Wie in der Newcomen'schen soll auch in der Davey'schen Maschine der Dampf ohne Ueberdruck nur in der Weise benutzt werden, daſs durch Condensation desselben auf einer Seite des Kolbens eine Leere erzeugt wird, so daſs der auf der anderen Seite vorhandene atmosphärische Druck zur Wirkung gelangt. Eine vortheilhafte Ausnutzung der Wärme ist dabei allerdings nicht zu erreichen; dagegen hat die Maschine den groſsen Vorzug, daſs alle vom Ueberdrucke des Dampfes bedingten Gefahren beseitigt sind und man dem Dampferzeuger jede beliebige, sonst passend erscheinende Form geben kann. Die Speisepumpe fällt fort und die Speisung ist leicht in einfacher, zuverlässiger Weise zu regeln. Dagegen ist allerdings ein Condensator mit Luftpumpe erforderlich.

In Fig. 1 bis 3 Taf. 1 ist die neuere Form der Davey'schen Dampfmaschine dargestellt. Der Dampferzeuger besteht aus einem -förmigen guſseisernen Kasten, welcher in dem unteren Ausbaue die Feuerbüchse A in dem oberen den von oben eingeschobenen Cylinder E enthält. An die Feuerbüchse schlieſst sich das Feuerrohr G an, welches zur Vergröſserung der Heizfläche bei der ersten Anordnung von einer Anzahl eingewalzter Querrohre, bei der neueren einfacheren Form, wie in Fig. 1 dargestellt, nur von einem hohen, schmalen, eingegossenen Kanäle H durchzogen wird. Die Feuerbüchse ist mit einem Roste y für gewöhnliche Feuerung versehen; auſserdem kann jedoch behufs Verminderung der nöthigen Bedienung neben dem Dampferzeuger ein als Füllschacht dienendes Rohr X aufgestellt werden, aus welchem der Brennstoff in einen unter dem Boden befindlichen Brennraum Y sinkt. Die Luft tritt |2| dabei durch den senkrechten Rost z ein. An den Dampferzeuger sind die Böcke für die Wellenlager sowie die cylindrische Kreuzkopfführung unmittelbar angegossen.

Der Schieber der Maschine lag ursprünglich frei im Dampfraume, ist jetzt jedoch in einen Kasten eingeschlossen, in welchen der Dampf, vom Regulator R mittels eines Kolbenschiebers mehr oder weniger (unter 1at) gedrosselt, durch eine Oeffnung des Deckels einströmt.1) Der Abdampf gelangt durch Rohr O in den Condensator, welcher entweder als Einspritz- oder, wie in der Figur, als Oberflächen-Condensator ausgeführt wird. Im letzteren Falle besteht der Condensator aus zwei durch mehrere dünne Röhren verbundenen Kasten k und k1, welche in einem hinter dem Dampferzeuger aufgestellten hohen, flachen Wasserbehälter K untergebracht sind. Ist das Kühlwasser schlecht zu beschaffen, so wird der Behälter K oben und unten durch je ein Rohr mit einem möglichst groſsen offenen Gefäſse verbunden, in welchem das zu einem fortdauernden Umlaufe veranlaſste Wasser soviel Wärme an die äuſsere Luft abgibt, als es in K aus dem Dampfe aufnimmt, so daſs stets dasselbe Kühlwasser benutzt wird. Aus dem unteren Kasten k1 führt ein Rohr k2 in die von einer Stirnkurbel an der Schwungradwelle getriebene einfach wirkende Luftpumpe P (Fig. 2), deren langer Kolben keine Liderung erhalten hat, sondern nur durch darüber stehendes Wasser abgedichtet wird. Am Ende des Kolbenniederganges flieſst durch eine Oeffnung in der Wand des Pumpencylinders jedesmal ein wenig Wasser ein, welches am Ende des Aufganges über den Cylinderrand wieder zurückflieſst. Das Druckventil liegt frei und das Saugventil kann durch den Sitz des ersteren nach oben herausgehoben werden.

Die Speisung des Dampferzeugers erfolgt aus dem oberen Theile des Behälters K durch ein Rohr k3, welches in einen mit dem Dampferzeuger durch zwei Röhren verbundenen, durch eine Glasplatte abgeschlossenen Kasten W führt. Ein in diesem befindlicher Schwimmer w1 trägt in einem angehängten Bügel eine Ventilplatte, welche sich bei genügend hohem Wasserstande gegen die nach unten gerichtete Mündung des Rohres k3 legt und so einen weiteren Wasserzufluſs verhindert. Die normale Betriebsspannung soll noch etwas unter dem Atmosphärendrucke liegen. Auf den Deckel des Dampferzeugers wird ein nicht belastetes Sicherheitsventil aufgesetzt, oder es dient auch der über dem Cylinder lose aufgelegte Deckel als solches. Die beiden Stopfbüchsen für Kolben- und Schieberstange brauchen wegen des geringen Ueberdruckes nur lose angezogen zu werden. Die Dichtung zwischen dem Auſsen- und Innenkörper des Dampferzeugers wird nach Iron, 1884 Bd. 24 * S. 245 mittels in Aussparungen eingestampfter, Cement ähnlicher Masse bewerkstelligt, |3| Cylinder und Kolben sind, um ihre Schmierung unnöthig zu machen, aus Bronze hergestellt.

Der Motor ist nach Obigem trotz der Anwendung eines Condensators im Ganzen recht einfach und kann ohne Bedenken längere Zeit sich selbst überlassen werden. Derselbe wird in England von der Firma Hat hörn, Davey und Comp. in Leeds, in Frankreich von Albaret in Liancourt und in Nordamerika von Ch. P. Willard und Comp. in Chicago gebaut.

In der Revue industrielle, 1885 S. 93 wird über einige Versuche berichtet, welche bezüglich der Leistung des Davey'schen Motors angestellt wurden. Bei dem am längsten (10 Stunden) dauernden Versuche, bei welchem die Maschine im Mittel 125,7 Umläufe in der Minute machte und an der Bremse 1e,07 leistete, ergab sich für 1e und 1 Stunde ein Verbrauch an Kokes (einschlieſslich des beim Anheizen verbrannten) von 5k,04, ein Bedarf an Speisewasser, welches im Condensator auf 44° erwärmt war, von 28k,5 und ein Erforderniſs an 18° Kühlwasser von 723k. Das Anheizen bis zum Ingangsetzen erforderte 37 Minuten.

In Fig. 4 Taf. 1 ist ein Kleinmotor von A. Pifre in Paris (* D. R. P. Nr. 32848 vom 23. Januar 1885) veranschaulicht. Kessel und Maschine stehen neben einander auf Sockeln, welche auf eine gemeinschaftliche Grundplatte aufgegossen sind. Der Kessel besteht aus zwei Blechcylindern, welche oben und unten durch Ringe verbunden sind und einen Füllschacht einschlieſsen. Zur Vergröſserung der Heizfläche sind in letzterem enge Röhren in einer der beiden dargestellten Anordnungen angebracht. Ein von oben eingesetzter, bis in die Nähe der Röhren reichender Blechcylinder L scheidet den Abzugskanal der Heizgase von dem Füllraume ab. Der Kesselmantel ist auſsen mit Filz o. dgl. umkleidet und in gewöhnlicher Weise ausgerüstet. Der Rost E kann mittels eines Handgriffes hin- und hergeschoben und auch ganz herausgezogen werden.

An den Sockel N der Maschine sind die beiden Kurbellager O und P einseitig angegossen, so daſs die Welle auf einem Ende die Kurbelscheibe, auf dem anderen, ziemlich weit überhängend, Schwungrad und Riemenscheibe frei trägt. Der Schieber wird durch eine Gegenkurbel, die Speisepumpe a durch ein besonderes Excenter getrieben. An das den Cylinder tragende Hohlgestell sind vier Führungsrippen für den Kreuzkopf angegossen. Cylinder, Schieberkasten, Kolben und Schieber sollen auch bei dieser Maschine aus Bronze hergestellt werden. Die Vermeidung der Schmierung, welche hierdurch ermöglicht wird, hat hier, wie bei der Davey'schen Maschine, den Zweck, das in einem Condensator niedergeschlagene Dampfwasser wieder zur Speisung des Kessels verwenden zu können. Der Kolben ist mit stulpenartigen Ringen aus Antifrictionsmetall gedichtet, welche (ähnlich wie die Lederstulpen bei den Pumpen) durch den Dampfdruck angepreſst werden sollen. Der Schieber ist behufs Verkürzung der Dampfkanäle getheilt ausgeführt.

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Der hier benutzte, aus Doppelröhren f bestehende Oberflächen-Condensator hat nur den Zweck, das Dampfwasser zur Speisung des Kessels wiederzugewinnen. Dasselbe läuft zunächst, unter Aufnahme von etwas Luft (wodurch es zur Speisung geeigneter werden soll) in einen offenen Kasten g, aus welchem es dann in die Speisepumpe einflieſst. Das durch den Auſsenraum der Doppelröhren f mit Gegenstrom geleitete Kühlwasser tritt bei c ein und flieſst bei d ab. An Stelle der Speisepumpe soll unter Umständen ein den Wasserstand selbstthätig regelnder Speiseapparat, im Wesentlichen aus einem sich drehenden Hahnkörper bestehend, benutzt werden. Die Patentschrift enthält noch eine für kleine Schraubendampfer bestimmte Anordnung des Motors.

Für ganz kleine Leistungen ist der in Fig. 7 Taf. 1 abgebildete Motor von A. A. Daussin in Lille (* D. R. P. Nr. 25939 vom 19. Januar 1883) bestimmt. Der Dampferzeuger, bestehend aus einem Guſskörper A mit kurzen, angegossenen, unten geschlossenen Röhren, einem darauf geschraubten Deckel B und einem hohen Kasten C, soll mit seiner Flansche unmittelbar in einen Koch- oder Stubenofen hineingehängt werden, so daſs eine besondere Feuerung für denselben nicht nöthig ist. Der Kasten C, auf einer Seite durch eine aufgeschraubte Platte geschlossen, dient zugleich als Dampfdom und als Ständer für das Maschinchen, dessen Cylinder um zwei Zapfen schwingt. Die Kurbelwelle ruht in einer durch den Kasten C gehenden und denselben zugleich verankernden Hülse. Zur Steuerung dient eine auf den einen Hohlzapfen des Cylinders aufgesteckte Scheibe R (vgl. Fig. 5 Taf. 1), welche durch eine Nase y an der Drehung verhindert und durch eine Feder s gegen die ebene Cylinderwand gedrückt wird. Durch ein etwas biegsames Rohr D tritt der Dampf, dessen Ueberdruck höchstens 0at,8 betragen soll, von der Seite in die Scheibe R ein, um durch Oeffnungen t in der Dichtungsfläche in den Cylinder ein- und durch Oeffnungen v aus demselben wieder auszuströmen. Ein Absperrventil ist nicht vorhanden. Die Steuerscheibe R bildet zugleich eine Art Sicherheitsventil, indem der Dampf, sobald er die festgesetzte Spannung überschreitet, die Scheibe R unter Zusammendrückung der Feder s zurückdrängt und ins Freie entweicht. Um die Wartung zu beschränken, wird die Speisung des Dampferzeugers mittels eines besonderen Speiseapparates selbstthätig geregelt. Zu dem Zwecke ist in der Höhe des normalen Wasserstandes in der Wand von C eine Welle G gelagert, auf welcher innen eine hohle Scheibe F, auſsen ein Zahnrad I befestigt ist; letzteres wird bei jeder Umdrehung der Kurbelwelle durch einen auf derselben befestigten Daumen um einen Zahn fortgeschoben, so daſs G eine Umdrehung macht, während die Kurbelwelle etwa 40 Umläufe ausführt. Bogenschütze g und b in der einen Wand von F treten dabei während der einen halben Umdrehung mit Kanälen k und m in einer festliegenden Scheibe j (vgl. Fig. 6 Taf. 1) in Verbindung, von denen Röhren zu einem höher liegenden |5| Wasserbehälter führen. Der in F etwa vorhandene Dampf entweicht dann durch k nach jenem Behälter, während durch m Wasser einflieſst. Bei der folgenden halben Umdrehung ist dann F von k und m abgeschlossen, dagegen durch l und n mit dem Inneren von C in Verbindung, so daſs sich der Wasserstand in beiden ausgleicht. Je niedriger derselbe in C ist, um so mehr Wasser wird zuflieſsen und umgekehrt. Zum An- und Abstellen der von dem Motor betriebenen Arbeitsmaschinen (Drehbänke, Nähmaschinen u.s.w.) sowie zur Regelung ihrer Geschwindigkeit soll eine besondere Bremsvorrichtung benutzt werden. Die Patentschrift enthält noch mehrere zur Anbringung an Kochöfen geeignete Formen des Dampferzeugers mit und ohne Ueberhitzer.

Der ursprünglich ziemlich unvollkommen erscheinende Dampfmotor von B. C. Hoffmeister und E. Friedrich in Meidling bei Wien (* D. R. P. Nr. 11384 vom 28. März 1880 mit Zusätzen * Nr. 13084 vom 7. September 1880, vgl. 1881 239 * 423, * Nr. 19874 vom 2. März 1882 und * Nr. 30002 vom 9. Mai 1884) ist durch die weitere Ausbildung zu einem nunmehr recht brauchbaren Motor geworden, welcher bereits gröſsere Verbreitung gefunden hat. In Fig. 11 bis 14 Taf. 1 ist die durch das zweite Zusatzpatent Nr. 19874 geschützte Anordnung dargestellt. Auf einem guſseisernen, ausgemauerten Ofen ruht der kleine Dampferzeuger, bestehend aus einem flachen Kasten, einer Anzahl an den Boden desselben angehängter Röhren d und einem guſseisernen Dampfdome D, welcher über einer groſsen Oeffnung des Kastens aufgenietet und auf dessen oberem Rande der Dampfcylinder E mit breiter Flansche aufgehängt ist. Auf letzterem steht ein Kasten F, welcher die Kurbelwelle trägt, die Kreuzkopfführung enthält und durch Thüren f und g zugänglich ist. Der Kessel ist mit vollständiger Ausrüstung versehen. Der Abdampf der Maschine wird in einem Oberflächencondensator – einem doppelwandigen, in einen Wasserbehälter P eingesetzten Blechcylinder J – niedergeschlagen, damit das Wasser wieder zur Speisung verwendet werden kann. Durch den Behälter P muſs so viel Kühlwasser hindurchgeleitet werden, daſs dasselbe die gesammte Dampfwärme aufzunehmen im Stande ist. Die Speisepumpe steht auf dem Cylinder und wird durch ein Excenter getrieben, an dessen Gelenkkopf seitlich die Schieberstange angehängt ist (vgl. Fig. 14). Da die Speisepumpe auch für die gröſste Leistung der Maschine ausreichen muſs, so wird sie beim gewöhnlichen Betriebe etwas Luft mit ansaugen und ist deshalb mit Entlüftungsventilen versehen. Der Verlust an Dampf bezieh. Wasser, welcher für 1e etwa 2l täglich ausmachen soll, wird aus dem Gefäſse P ersetzt.

Zur Regelung der Geschwindigkeit der Maschine dient der in Fig. 11 und 12 dargestellte, mit dem Regulator durch den Hebel p mit Gelenkknopf o verbundene cylindrische Drosselhahn lm, welcher auch zugleich als Absperrventil benutzt werden kann. Sehr wesentlich ist bei einem solchen nur sehr wenig Wasser enthaltenden Kleinkessel eine selbstthätige |6| Regelung der Verbrennung. Dieselbe soll hier mit Hilfe einer gewellten Platte, welche einerseits vom Dampfdrucke belastet ist, erreicht werden; ein andererseits auf der Platte stehender Stift wirkt mittels des Hebels S auf die um x drehbare Feuerthür t derart, daſs die Thür geöffnet wird, wenn die Dampfspannung eine bestimmte Grenze überschreitet. Dabei nimmt ein an der Thür befestigter Stift den gleichfalls um x drehbaren Arm v mit, welcher durch den Arm z die Zugklappe w offen hielt, so daſs diese zugleich geschlossen wird. Es wird also dann die Luftzufuhr von unten abgeschnitten und zugleich oben kalte Luft in gröſserer Menge zugelassen, wodurch in sehr wirksamer Weise die Dampfentwickelung gehemmt wird. Ueber Brems versuche, welche mit einem solchen von H. C. Hoffmeister in Wien-Meidling gebauten Motor angestellt wurden, ist bereits früher (1885 255 394) berichtet worden. Für Deutschland hat die Ausführung dieser Motoren die Maschinenfabrik von A. Altmann und Comp. in Berlin übernommen (vgl. 1884 254 134).

Da abgesehen von den geringen Wasserverlusten und zeitweiligem Ausblasen stets dasselbe Wasser benutzt wird, auſserdem auch in den geneigten Röhren eine kräftige Strömung hervorgerufen wird, so dürfte ein Ansetzen von Kesselstein kaum zu befürchten sein. Dennoch zeigte es sich als wünschenswerth, die Röhren bequem reinigen zu können, da es trotz eines zwischen Condensator und Pumpe eingeschalteten Behälters mit einer Füllung von Wolle, Hanf oder Kokes doch nicht zu vermeiden ist, daſs aus der Maschine Fett- bezieh. seifige Theile in den Kessel mit eingeführt werden. Aus diesem Grunde ist dem Dampferzeuger nach dem 3. Zusatzpatente * Nr. 30002, welches an C. H. Hoffmeister allein ertheilt ist, jetzt die in Fig. 8 Taf. 1 veranschaulichte Form gegeben. An den liegenden flachen Kasten a, dessen Deckplatte nicht wie früher umgebördelt, sondern mittels Winkeleisen angenietet wird, ist ein stehender Kasten e angehängt, in welchen die hinteren Rohrenden befestigt sind. Den Rohrmündungen gegenüber ist eine gröſsere Oeffnung mit aufgeschraubtem Deckel h angebracht, nach dessen Fortnahme die Röhren zugänglich sind. Der untere Theil dieses Kastens dient als Schlammsack. Ober- und unterhalb der Röhren h wird der Kasten von den kurzen Rauchröhren n durchdrungen, durch welche die Heizgase in den bei m aufzusetzenden Schornstein gelangen. Der Kasten a ist durch gleichmäſsig vertheilte Stehbolzen d verankert, sein Boden auſserdem durch ein quer angenietetes Winkeleisen versteift.

Der in Deutschland von der Actien-Gesellschaft für Eisengieſserei und Maschinenfabrikation, früher J. C. Freund und Comp. in Charlottenburg, in Oesterreich von Friedrich und Jaffé in Wien gebaute so genannte Friedrich-Motor besitzt die allgemeine Anordnung der Hoffmeister'schen Maschine, weicht von derselben jedoch in folgenden Punkten ab: Wie aus den Textfiguren 1 bis 3 zu entnehmen, ist der flache Dampfkasten d aus zwei Stahlplatten und zwischengestelltem Rahmen ohne Winkeleisen |7| zusammengeschraubt. An Stelle der gebogenen Röhren sind Field'sche Röhren e in den Boden des Kessels eingehängt. Für die Regelung der Feuerung zur Verhinderung zu hoher Dampfspannung im Kessel ist auch hier eine besondere Vorrichtung (vgl. * D. R. P. Kl. 13 Nr. 31138 vom 26. Oktober 1884) vorhanden; doch erfolgt dabei das Heben der Klappe n zum Einlassen kalter Luft in den Kanal o mittels eines kleinen, unmittelbar durch den Dampfdruck belasteten Kolbens m.

Fig. 1., Bd. 259, S. 7
Fig. 2., Bd. 259, S. 7
Fig. 3., Bd. 259, S. 7
Der am Dampfdome befestigte Condensator ist als Röhrencondensator ausgebildet, daher verhältniſsmäſsig klein und bei der in Fig. 9 Taf. 1 veranschaulichten Ausführung aus drei Theilen zusammengeschraubt. Die Röhren r sind an den Enden mittels Gummiringen, welche zwischen die Platten s bezieh. s1 geklemmt werden, abgedichtet. Das Dampfwasser gelangt aus dem Condensator zunächst in einen Behälter N, aus dessen tiefstem Punkte es in einem seitlichen, punktirt angedeuteten Kanäle aufsteigend bei v abflieſst. Das oben auf dem Wasser sich ansammelnde Oel u. dgl. soll zeitweise durch den Hahn x abgelassen werden. Bei der neueren Ausführung des Friedrich'schen Motors, welche auf der Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Görlitz 1885 vorgeführt war, hat der Condensator die aus Textfigur 1 und 2 ersichtliche Abänderung erhalten. Statt der geraden sind gebogene Röhren k, in eine Platte eingesetzt, verwendet und das Dampfwasser sammelt sich in dem |8| Kasten t, aus welchem es durch seitliche Schlitze in den Behälter l aufsteigt und durch ein bei w angeschlossenes Rohr der Speisepumpe wieder zugeführt wird. Der Friedrich'sche Dampfmotor wird auch mit Rädern und Fahrgestell, d.h. als Locomobile ausgeführt.

Neuerdings wird von Friedrich und Jaffé in Wien auch ein von E. Friedrich entworfener, in Deutschland an C. Pieper in Berlin (* D. R. P. Kl. 46 Nr. 33448 vom 27. Mai 1885) patentirter, sogenannter Zwergmotor gebaut, welcher in Fig. 10 Taf. 1 abgebildet ist. Derselbe hat die Gröſse einer gewöhnlichen Lampe, ist für Gas- oder Erdölfeuerung eingerichtet und hat weder einen besonderen Abzug für die Heizgase, noch einen solchen für den Abdampf. In einen trichterförmigen Fuſs ist der eiförmige guſseiserne Kessel A eingesetzt, welcher im unteren Theile den Cylinder enthält und durch den Schraubenpfropfen H mit Wasser gefüllt wird. Das durch einen Schlauch zugeführte Gas strömt bei L aus, gelangt in eine ringförmige Kammer R und tritt aus dieser durch den Ringspalt O aus, wo es entzündet wird. Für Erdöl wird ein besonderer Brenner angewendet. Die Luft kann sowohl unterhalb (bei N), wie oberhalb des Brennerschlitzes O seitlich zutreten. Sobald der Dampf eine bestimmte Spannung (etwa 1at Ueberdruck) erreicht hat, öffnet er ein Sicherheitsventil bei K und bringt eine Pfeife zum Ertönen. Man setzt dann das Schwungrädchen in Bewegung, worauf der Dampfkolben am Ende seines Aufganges das Ventil G aufstöſst und für einen Augenblick Dampf in den Cylinder einläſst, welcher expandirend den Kolben abwärts treibt. Beim Aufgange öffnet eine an der Pleuelstange D befindliche Nase E das im Kolben angebrachte Ventil F, so daſs der über dem Kolben befindliche Dampf durch denselben in den Fuſs entweicht; aus diesem strömt er durch Oeffnungen M zur Flamme, diese anfachend, und vertheilt sich schlieſslich mit den Verbrennungsprodukten in der freien Luft. Das im Fuſse sich niederschlagende Wasser wird durch P abgelassen. Eine Wasserfüllung des Kessels soll für etwa 3 Stunden ausreichen. Der Motor wird vorläufig für Leistungen von 1/30 bis ¼c gebaut und zum Betriebe von Nähmaschinen (vgl. Heinrici 1884 253 * 261), Gebläsen, Zimmerspringbrünnen u.s.w. verwendet.

Im Scientific American, 1884 Bd. 51 * S. 159 ist ein kleiner Dampfmotor der Shipman-Engine-Company in Boston beschrieben, welcher für Kerosin-Feuerung eingerichtet ist. Leider ist die innere Einrichtung nicht näher dargestellt. Der Dampferzeuger besteht aus einem Bündel kurzer Röhren, welche in einen guſseisernen Kasten eingeschraubt sind. Mittels eines Dampfstrahles (oder eines Luftstrahles beim Anheizen) wird das Kerosin als feiner Sprühregen in den Brennraum eingetrieben, wobei eine genaue Regelung der Verbrennung nach dem Dampfdrucke erreicht wird. Wenn z.B. in Folge starker Entlastung oder nach dem Abstellen der Maschine die Spannung nur um einige Zehntel Atmosphären steigt, so wird der |9| Dampfstrahl des Brenners ganz abgesperrt, so daſs auch die Heizung sofort unterbrochen ist. Sinkt die Spannung wieder, so strömt sofort auch Dampf bezieh. Brennstoff zu und dieser entzündet sich an einer kleinen ununterbrochen brennenden Flamme. Eine derartige Feuerung (vgl. Uebersicht 1885 258 * 418) ist für Kleinmotoren jedenfals äuſserst zweckmäſsig und eine Verwerthung des Erdöles bezieh. der Erdölrückstände für diesen Zweck dürfte geeigneter sein als die unmittelbare Benutzung der Brenngase in den Erdölmotoren.

(Fortsetzung folgt.)

|2|

Bei der ersten Anordnung war in das von der Maschine in den Condensator führende Rohr ein von Hand stellbares Drosselventil eingeschaltet und ein Regulator nicht vorhanden.

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