Titel: Neuere Apparate zur Verarbeitung von Alkalien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259 (S. 175–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/ar259071

Neuere Apparate zur Verarbeitung von Alkalien.

Patentklasse 75. Mit Abbildungen auf Tafel 12.

Zur Darstellung von Alkalisulfaten werden nach A. Vogt und A. Tigge in Westenhusen (* D. R. P. Nr. 34028 vom 1. Oktober 1884) Chlorkalium und schwefelsaures Calcium fein gepulvert mit Magnesia innig gemischt, feucht geknetet und dann getrocknet. Die dadurch entstandene poröse Masse wird in kleine Stücke von möglichst gleicher Korngröſse gebrochen und sodann in den unten beschriebenen Sulfat-Hochöfen bei Hellrothglühhitze mit überhitztem Wasserdampfe behandelt; hierdurch wird alles Chlor als Chlorwasserstoff ausgetrieben und es verbleibt in dem Ofen ein Gemisch von Kaliumsulfat, Calcium- und Magnesiumoxyd; die dabei als Nebenproduct abfallende Salzsäure wird entweder als solche verflüssigt, oder in einem mit der Abhitze des Hochofens geheizten besonderen Apparate nach bekannten Methoden in Chlor verwandelt. Läſst man mit dem Wasserdampfe gleichzeitig Sauerstoff eintreten, so soll die Salzsäure sofort in Chlor und Wasser umgesetzt werden.

In gleicher Weise soll auch Chlornatrium in Sulfat umgesetzt werden können, sowie statt der Magnesia auch Kalk und statt des schwefelsauren Calciums auch Magnesiumsulfat verwendet werden.

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Der Zersetzungsapparat besteht aus einem mit Generatorgasen heizbaren, in Fig. 7 bis 9 Taf. 12 veranschaulichten Hochofen. Die groſse Retorte A ist aus einzelnen über einander gesetzten Guſseisenröhren zusammengesetzt; das unterste Rohrstück enthält einen dicht verschlieſsbaren Stutzen zum Entleeren der sulfatisirten Masse, auſserdem die zur Einströmung der Gase dienenden Rohransätze D und ruht auf dem Mauerwerke, während das oberste Retortenstück einen groſsen verschlieſsbaren Stutzen zum Füllen der Retorte und einen Rohransatz R zum Entweichen der Gase enthält. Die oberen Retortenrohre sind jedes einzeln besonders durch Stangen S, Hebel H und Gegengewicht G mittels der auf dem Mauer werke M ruhenden Stützen T so aufgehängt, daſs nur ein kleiner Theil ihrer Last auf das folgende untere Rohrstück drückt, so daſs der Druck auf den Retortenuntertheil nicht zu stark wird. Der mit Schiebern u und o versehene Vorwärmer a ist wie die Retorte A ummauert und wird von der abgehenden Flamme geheizt. Wenn behufs Sulfatisirung die Alkalichloride statt mit Wasserdampf allein mit Wasserdampf und Luft behandelt werden und daher in den Oefen Chlor entwickelt wird, so ist die innere metallische Fläche der Oefen oder Retorten durch ein Silicatschmelz zu schützen.

Nach A. R. Pechiney und Comp. in Salindres, Frankreich (* D. R. P. Nr. 34040 vom 10. April 1885) wird zum Formen von Aetznatron in feste Platten ein innen mit Wasser gekühlter Hohlcylinder A (Fig. 5 Taf. 12) in Lagern des Gestelles D langsam gedreht. Der Cylinder taucht einige Centimeter tief in das mit geschmolzenem Aetznatron gefüllte Blechgefäſs B. Bei der Drehung bedeckt sich der Cylinder mit einer festen Schicht von Aetznatron, welche, wenn sie bei der Umdrehung des Cylinders den Kratzer E erreicht, von diesem losgelöst wird und zwischen die Riffelwalzen G, H fällt, um hier in kleine Stücke zertheilt zu werden, worauf sofort deren Verpackung erfolgt. Das zum Abkühlen des Cylinders A bestimmte Wasser tritt an einem Ende durch einen Hahn ein und am anderen Ende durch das Rohr K aus. Die Dicke der Natronschicht hängt von der Drehung des Cylinders A und von der Temperatur ab, auf welcher derselbe durch den Wasserstrom gehalten wird.

Nach einem zweiten Vorschlage verwendet man zwei in entgegengesetzter Richtung sich drehende Cylinder A und B (Fig. 6 Taf. 12). Der Cylinder A ist an seinen beiden Enden mit einem Rande versehen, zwischen welchem sich der Cylinder B bewegt. Ueber beiden Cylindern befindet sich ein Trichter C, der mit geschmolzenem Aetznatron gefüllt gehalten wird und an seinem unteren Ende mit einem engen Längsschlitze versehen ist, durch welchen das Aetznatron auf die beiden Cylinder niederflieſst. Die sich auf beiden Cylindern bildende Schicht wird von den Messern E und F losgelöst und fällt alsdann behufs Zerkleinerung zwischen die darunter liegenden Riffelwalzen.

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